Zenphi migriert Power-Automate-Workflows per KI zu Google
19.05.2026 - 21:43:59 | boerse-global.deEine neue KI-Funktion soll Unternehmen den Wechsel von Microsoft zu Google drastisch erleichtern – und monatelange manuelle Arbeit auf wenige Tage verkürzen.
Bislang galt der Umzug von Microsoft 365 zu Google Workspace als vergleichsweise einfach – solange es um E-Mails, Kalender oder Dateien ging. Die eigentliche Hürde steckte im Hintergrund: Tausende automatisierte Arbeitsabläufe, die mit Microsoft Power Automate programmiert wurden, ließen sich nicht einfach übertragen. Sie mussten mühsam von Hand neu aufgebaut werden. Das könnte sich nun ändern.
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KI übersetzt Microsoft-Logik in Google-Sprache
Die Automatisierungsplattform Zenphi hat am 19. Mai 2026 eine neue KI-gestützte Migrationsfunktion vorgestellt. Sie analysiert bestehende Power-Automate-Workflows und übersetzt deren Logik automatisch in die Google-Umgebung. Dafür kombiniert Zenphi Google Gemini mit ZAIA, einem eigenen KI-Workflow-Builder.
Der Ablauf: Unternehmen exportieren ihre Power-Automate-Definitionen als ZIP-Datei. Die KI analysiert die zugrundeliegende Logik und erzeugt daraus äquivalente Anweisungen für Google-Dienste. Aus Outlook-Triggern werden Gmail-Aktionen, aus SharePoint-Abhängigkeiten Google-Drive-Entsprechungen.
„Kernproduktivitätssysteme lassen sich leicht verschieben, but Workflow-Automation war traditionell das schwierigste System für einen Umzug“, erklärt Vahid Taslimi, CEO von Zenphi. Der neue Ansatz erspare Teams die repetitive Handarbeit und erlaube ihnen, sich auf Optimierung und Bereitstellung zu konzentrieren. Besonders relevant ist das für Organisationen mit Hunderten von Altsystemen, die sonst Monate an Entwicklungsarbeit oder externe Beratung erfordern würden.
Google rüstet eigene Automatisierung auf
Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr. Google selbst hat seine Automatisierungssuite zuletzt deutlich aufgewertet. Auf der Google Cloud Next '26 Ende April führte das Unternehmen „Workspace Intelligence“ ein – ein System, das komplexe semantische Beziehungen in der gesamten Suite versteht. Dazu gehören „Skills“ für agentische Automatisierung im Workspace Studio, der Plattform, die früher Google Workspace Flows hieß.
Dennoch beobachten Analysten: Google fehlt weiterhin ein direktes Äquivalent zu Power Automate. Stattdessen setzt sich das Ökosystem aus mehreren Komponenten zusammen: Workspace Studio für persönliche Aufgaben, Apps Script für individuelle Programmierung und AppSheet für benutzerorientierte Anwendungen. Diese Fragmentierung hat einen Markt für Drittanbieter-Plattformen geschaffen, die als verbindende Orchestrierungsschicht fungieren.
Bereits am 14. Mai 2026 erleichterte Google kleineren Unternehmen den Einstieg: Eine neue Beta-Funktion erlaubt Administratoren, bis zu zehn Microsoft-Nutzer automatisch in Google Workspace zu importieren – inklusive E-Mails, Kalendern und OneDrive-Dateien. Für die komplexe Hintergrundlogik großer Unternehmen reicht das jedoch nicht. Hier kommen KI-gesteuerte Migrationsplattformen ins Spiel.
Low-Code-Boom und neue Governance-Herausforderungen
Der Wandel in der Migrationsstrategie fällt in eine time explosionsartigen Wachstums. Laut Gartner hat der globale Markt für No-Code- und Low-Code-Entwicklungsplattformen 2026 einen Wert von rund 65 Milliarden Euro erreicht. Marktforscher prognostizieren, dass bis Ende des Jahres 75 Prozent aller neuen Unternehmensanwendungen mit diesen Technologien gebaut werden.
Der Treiber: anhaltender Fachkräftemangel bei Entwicklern und wachsender Druck zur digitalen Transformation. Doch mit der Verbreitung von „Citizen Developern“ – 41 Prozent der Angestellten haben inzwischen mindestens eine Anwendung selbst erstellt – wächst auch das Governance-Problem. Forrester zufolge nennen 61 Prozent der IT-Leiter „Schatten-IT“-Risiken als größtes Hindernis für die Einführung.
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Die Plattformen reagieren mit robusteren Prüfpfaden und zentralen Kontrollzentren. Die Google-Workspace-Updates vom April 2026 enthalten neue Agent-Governance-Kontrollen, darunter ein KI-Kontrollzentrum. Administratoren können damit überwachen und prüfen, wie KI-Agenten auf sensible Unternehmensdaten zugreifen. Ein entscheidender Faktor für stark regulierte Branchen: Die Finanzdienstleistungsbranche führt die Low-Code-Adoption mit 82 Prozent an – getrieben durch den Bedarf an automatisierter Compliance.
Die „Excel-Realität“ und kulturelle Hürden
Der Umzug ist selten ohne kulturelle und technische Herausforderungen. Berater sprechen von der „Excel-Realität“: Selbst wenn Unternehmen zu Google Workspace wechseln, um Lizenzkosten zu sparen, stellen bestimmte Abteilungen – besonders Finanzen und Buchhaltung – häufig fest, dass sie weiterhin lokale Excel-Installationen für komplexe Makros und Finanzmodelle benötigen. VBA-Code (Visual Basic for Applications) lässt sich nicht direkt in Google Sheets übersetzen. Oft ist ein hybrider Ansatz oder eine umfangreiche Neuentwicklung nötig.
Hinzu kommt die „kulturelle Kurve“ der Migration. Berichte von Digitalisierungs-Praktikern zeigen: Unternehmen, die ohne robustes Change-Management zwischen Ökosystemen wechseln, können drei bis sechs Wochen Produktivität verlieren. Die Ursache: Nutzer müssen sich an andere Tastaturkürzel und Organisationsstrukturen gewöhnen – etwa den Wechsel von Ordnern in Outlook zu Labels in Gmail.
Ausblick: Die „Automation Fabric“ wird Realität
Die erfolgreiche Einführung KI-gestützter Migrationstools deutet darauf hin, dass die Barrieren zwischen konkurrierenden Cloud-Ökosystemen durchlässiger werden. Je besser KI-Agenten Code und Logik zwischen verschiedenen proprietären Formaten übersetzen können, desto mehr schwindet der „Lock-in“-Effekt veralteter Workflows.
Für IT-Leiter verschiebt sich der Fokus weg von der manuellen Wartung verwaister Skripte hin zu einer gesteuerten, skalierbaren Architektur, die die besten Funktionen jedes Cloud-Anbieters nutzen kann. Die Möglichkeit, Monate an Logik in Tagen neu aufzubauen, markiert einen bedeutenden Meilenstein – und könnte den Abschied großer Unternehmen von traditionellen Legacy-Umgebungen hin zu flexibleren, KI-nativen Produktivitätssuiten weiter beschleunigen.
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