Zellverjüngung im Labor: Bonner Forschende drehen bis zu 60 Jahre zurück
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 17:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen zur molekularen Zellalterung liefern neue Erkenntnisse über die Veränderbarkeit epigenetischer Signaturen. Forschende der Universität Bonn und des Universitätsklinikums Bonn haben in einer Laborstudie Blutvorläuferzellen von menschlichen Spendern reprogrammiert.
Das Spektrum der Probanden reichte dabei vom Neugeborenenalter bis hin zu 101 Jahren. Durch den gezielten Einsatz der Faktoren SOX2 und cMYC gelang es dem wissenschaftlichen Team, diese Zellen in induzierte neurale Stammzellen (iNSC) zu überführen und deren epigenetisches Alter substanziell abzusenken, wie Berichte von Anfang Oktober 2026 zeigen.
Schrittweise Absenkung des biologischen Altersmarkers
Die in der Fachzeitschrift Aging Cell veröffentlichten Ergebnisse beschreiben eine dynamische Umkehr biologischer Kennzeichen des Alterns. Das epigenetische Alter der Zellen lag in frühen Kulturen im Mittel bei rund 13 % des ursprünglichen Spenderalters. Nach einer fortgesetzten Vermehrung der Zellkulturen sank dieser Wert weiter auf etwa 5 % ab.
Die Umprogrammierung zeigte über alle Altersklassen hinweg messbare Effekte. Bei Zellen eines 80-jährigen Spenders wiesen die Forschenden der Universität Bonn und des Universitätsklinikums Bonn nach dem Verfahren ein molekulares Alter von unter 20 Jahren nach.
Für Zelllinien von Spendern im Alter zwischen 50 und 101 Jahren stellten die Wissenschaftler fest, dass die Mehrheit der untersuchten Altersmarker nach einem Zeitraum von etwa 50 Tagen zurückgesetzt war.
Forschende der Universität Bonn haben Blutvorläuferzellen reprogrammiert und deren epigenetisches Alter im Labor deutlich gesenkt — bei einem 80-jährigen Spender auf unter 20 Jahre. Was davon heute für Sie zählt und was reine Grundlagenforschung bleibt, lesen Sie in unserem kostenlosen Leitfaden. Zellverjüngung verständlich eingeordnet — Leitfaden anfordern
Innerhalb dieser 50 Tage wurde eine Verjüngung von bis zu 60 Jahren beschrieben. Dieser Prozess vollzog sich nicht schlagartig, sondern schrittweise, und ließ sich im Experiment über eine Dauer von mehr als 100 Tagen kontinuierlich verfolgen.
Grenzen der Übertragbarkeit und wissenschaftliche Einordnung
Trotz der deutlichen Messwerte mahnen die beteiligten Institutionen zur Zurückhaltung hinsichtlich einer direkten medizinischen Nutzbarkeit. Bei der Arbeit handelt es sich um eine reine Zellkulturstudie, die an einer begrenzten Anzahl von Linien durchgeführt wurde. Eine therapeutische Anwendung am Menschen oder der Nutzen für regenerative Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen ist damit nicht belegt.
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Die dokumentierten Mechanismen liefern vielmehr Grundlagenwissen über die Plastizität menschlicher Zellen und die Stabilität epigenetischer Modifikationen im Verlauf des Lebens.
Die detaillierten Resultate der Bonner Arbeitsgruppe sind unter dem Titel der Originalarbeit in der Ausgabe 25(10) von Aging Cell (DOI: 10.1111/acel.70751) dokumentiert. Weitere Versuchsreihen müssen nun klären, in welchem Umfang sich die im Reagenzglas beobachtete Verjüngung auf komplexere Gewebestrukturen übertragen lässt.

