Zellverjüngung, Bonner

Zellverjüngung: Bonner Forscher machen Zellen rechnerisch 60 Jahre jünger

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bonner Teams wandelten Blutzell-Vorläufer direkt in neurale Stammzellen um; die Altersmarker sanken im Labor deutlich.

Bonner Forschung verjüngt menschliche Zellen im Labor um 60 Jahre
Eine Petrischale mit Nährlösung in einem wissenschaftlichen Labor zur Untersuchung zellbiologischer Prozesse. Illustration mit AI erstellt.

In der zellbiologischen Alternsforschung markiert die Reprogrammierung von menschlichem Gewebe ein zentrales Untersuchungsfeld. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn und der Universität Bonn haben in Laborversuchen gezeigt, dass sich gealterte menschliche Zellen im Reagenzglas direkt umwandeln und dabei molekular massiv verjüngen lassen.

Der Ansatz verzichtet auf den sonst üblichen Zwischenschritt über pluripotente Stammzellen und liefert neue Einblicke in die Plastizität des zellulären Alters.

Direkte Umwandlung ohne pluripotenten Zwischenschritt

Den Forschern der Universität Bonn und des Universitätsklinikums Bonn gelang es, Vorläuferzellen menschlicher roter Blutkörperchen direkt in neurale Stammzellen umzuprogrammieren. Diese induzierten neuralen Stammzellen entstanden ohne einen Umweg über induzierte pluripotente Stammzellen, die in der regenerativen Medizin häufig als Ausgangspunkt dienen.

Im Rahmen der Versuche wurden unter anderem Blutzellen eines 101-jährigen Spenders erfolgreich in neurale Stammzellen überführt. An den Arbeiten war neben den Bonner Instituten auch die RWTH Aachen beteiligt.

Gefördert wurde das Projekt durch das EU-Rahmenprogramm Horizon 2020, die Deutsche Forschungsgemeinschaft sowie das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Die Ergebnisse der Untersuchung erschienen im Fachjournal Aging Cell unter der DOI 10.1111/acel.70751.

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Deutliches Zurückstellen der epigenetischen Marker

Parallel zur morphologischen und funktionellen Umwandlung der Zellen beobachtete das Team eine erhebliche Verschiebung molekularer Altersindikatoren. Die epigenetischen Uhren der umgewandelten Zellen wurden im Verlauf des Experiments stark zurückgestellt. So wiesen Vorläuferzellen eines 80-jährigen Spenders nach der Umprogrammierung ein molekulares Alter von unter 20 Jahren auf.

Messungen ergaben, dass die Zellen nach 50 Tagen im Reagenzglas rechnerisch um 60 Jahre jünger waren als das Ausgangsmaterial. Dieser Prozess vollzog sich nicht schlagartig, sondern schrittweise über mehrere Wochen hinweg. Die Forscher konnten die Verjüngung kontinuierlich über einen Zeitraum von mehr als 100 Tagen im Labor verfolgen.

Einordnung für die medizinische Anwendung

Trotz der deutlichen Messwerte betonen wissenschaftliche Berichte die Grenzen der aktuellen Befunde. Die Versuche fanden ausschließlich im Reagenzglas statt. Es handelt sich um reine Grundlagenforschung an Zellkulturen und ausdrücklich um keine klinische Studie.

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Dementsprechend liegt bislang kein Nachweis vor, dass sich dieser Verjüngungsprozess auf lebende Organismen oder Behandlungen beim Menschen übertragen lässt. Die Erkenntnisse dienen vor allem dem Verständnis darüber, wie epigenetische Alterungsmarker bei der direkten Differenzierung von Zelltypen manipuliert werden können und welche Mechanismen den Erhalt der zellulären Identität steuern.

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de | wissenschaft | 70303905 |