Zahnfleischentzündung, Parodontitis

Zahnfleischentzündung: Parodontitis verdoppelt Herzinfarkt-Risiko

28.05.2026 - 21:21:47 | boerse-global.de

Forschung belegt: Zahnfleischentzündungen können Eizellqualität mindern und das Herzinfarktrisiko verdoppeln.

Zahnfleischentzündung: Parodontitis verdoppelt Herzinfarkt-Risiko - Foto: über boerse-global.de
Zahnfleischentzündung: Parodontitis verdoppelt Herzinfarkt-Risiko - Foto: über boerse-global.de

Chronische Zahnfleischentzündungen schädigen nicht nur den Mundraum – sie können die weibliche Fruchtbarkeit nachhaltig beeinträchtigen. Das legt eine aktuelle Studie aus Israel nahe.

Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem und des Hadassah Medical Center haben die Zusammenhänge untersucht. Ihre am 27. Mai 2026 veröffentlichte Arbeit zeigt anhand von Mausmodellen: Die durch Parodontitis ausgelöste systemische Immunreaktion erreicht die Eierstöcke.

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Entzündungsprozesse greifen auf Fortpflanzungsorgane über

Das Team um Professor Michael Klutstein und Professor Asaf Wilensky beobachtete, wie entzündliche Botenstoffe und oxidativer Stress die Follikelreifung stören. Die Qualität der Eizellen leidet, die Lebendgeburtenrate sinkt. Besonders alarmierend: Die Forscher fanden DNA-Schäden und epigenetische Veränderungen in den Eizellen – ähnlich jenen, die natürlicherweise mit zunehmendem Alter auftreten.

„Die Parodontitis beschleunigt offenbar den reproduktiven Alterungsprozess", erklären die Wissenschaftler. Allerdings räumen sie ein: Klinische Studien am Menschen stehen noch aus, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Herzinfarkt-Risiko verdoppelt sich

Die neuen Erkenntnisse reihen sich ein in eine wachsende Zahl von Belegen, die Parodontitis mit schweren Allgemeinerkrankungen verbinden. Eine Metaanalyse vom 25. Mai 2026 kommt zu dem Schluss: Zahnfleischentzündungen verdoppeln nahezu das Herzinfarkt-Risiko. Betroffene haben ein 1,14- bis 2,2-fach erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheiten.

Hauptverantwortlich ist das Bakterium Porphyromonas gingivalis. Es fördert die Verkalkung der Arterien – ein Prozess, der sich über Jahre unbemerkt vollzieht.

Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Weltweit verursachen Mundkrankheiten jährliche Kosten von rund 360 Milliarden Euro. Dabei zeigt sich: Regelmäßige Prophylaxe rechnet sich. Für Herzpatienten spart konsequente Mundpflege zwischen 510 und 630 Euro pro Jahr. Bei Diabetikern sind es sogar 840 bis 2.650 Euro jährlich.

Forscher der Universität Leipzig entdeckten zudem einen möglichen Zusammenhang mit Alzheimer: Das Bakterium P. gingivalis könnte das Risiko für die neurodegenerative Erkrankung um mehr als das Sechsfache erhöhen.

Gute Bakterien als Schutzschild

Die Industrie reagiert auf die Risiken mit neuen Technologien. Der japanische Konzern Lion Corporation präsentierte auf der Jahrestagung der Japanischen Gesellschaft für Parodontologie Ende Mai 2026 vielversprechende Ergebnisse: Bakterien der Gattung Neisseria, die natürlicherweise im Mund vorkommen, können Nitrit verstoffwechseln und so das Wachstum von Parodontitis-Erregern wie P. gingivalis und Fusobacterium nucleatum gezielt hemmen.

„Die Förderung guter Mundbakterien könnte zur ersten Verteidigungslinie gegen Zahnfleischerkrankungen werden", so die Forscher.

Parallel dazu hat das Fraunhofer IZI gemeinsam mit seiner Ausgründung PerioTrap Pharmaceuticals einen Wirkstoff entwickelt: Guanidinoethylbenzylamino Imidazopyridine Acetat blockiert spezifisch das Wachstum von P. gingivalis, ohne die gesunde Mundflora anzugreifen. Die Substanz ist bereits in einer mikrobiomfreundlichen Zahnpasta enthalten. Professionelle Gele und Mundspülungen befinden sich in der Entwicklung.

App-Unterstützung für die Zahnpflege

Auch digitale Helfer sollen die Mundgesundheit verbessern. Eine Studie mit 194 Patienten an sieben Universitätskliniken testete Anfang Juni 2026 die Prototyp-App ParoComPas. Das Ergebnis: Patienten, die die App moderat nutzten, zeigten eine deutlich bessere Plaquekontrolle und berichteten von höherer Lebensqualität als jene mit geringer Nutzung.

Allerdings kämpfte der Prototyp noch mit Hürden: Manuelle Dateneingabe und eine geringe Reichweite der Push-Benachrichtigungen schränkten den Nutzen ein. Die Forscher sind dennoch zuversichtlich: Technisch ausgereiftere Versionen könnten künftig fester Bestandteil der Parodontitis-Therapie werden.

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