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Young Carer in Deutschland: Eine halbe Million Kinder pflegt Angehörige

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 00:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Rund eine halbe Million Minderjährige in Deutschland übernehmen Pflegeaufgaben; spezialisierte Reha und regionale Selbsthilfe bieten Unterstützung.

Young Carer: Viele Kinder pflegen Angehörige, Hilfen wachsen
Ein einsamer, leerer Stuhl in einem ruhig beleuchteten Raum, der die emotionale Stille und Belastung der häuslichen Pflege symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Der psychische Druck auf Kinder und Jugendliche, die pflegebedürftige Angehörige betreuen, rückt verstärkt in den Fokus der medialen Berichterstattung.

Sogenannte Young Carer übernehmen häufig im Verborgenen anspruchsvolle Aufgaben innerhalb der Familie, während die gesellschaftliche Wahrnehmung für deren Belastung oft noch lückenhaft ist. Parallel dazu gewinnen gezielte Unterstützungs- und Hilfsangebote zunehmend an Bedeutung, um Betroffenen Entlastung und Orientierung zu bieten.

Hohe Dunkelziffer und gesellschaftliches Tabu

Studien verdeutlichen das Ausmaß der familiären Pflege durch Heranwachsende. In Deutschland betreuen Schätzungen zufolge etwa eine halbe Million Kinder und Jugendliche Angehörige. Eine Ende 2025 veröffentlichte Untersuchung der Universität Bremen bezifferte die Zahl der betroffenen Minderjährigen allein im Land Bremen auf rund 6.000.

Auch im Nachbarland zeigt sich eine ähnliche Entwicklung: In Österreich pflegen rund 43.000 Kinder und Jugendliche regelmäßig Angehörige, wobei zwei Drittel von ihnen Mädchen sind. Das Thema gilt dort weiterhin als Tabu, und nur wenige Betroffene kennen Hilfsangebote wie psychologische Unterstützung oder Mentoring-Programme.

Zudem stützt sich die Arbeit mit Young Carern in Österreich weitgehend auf ehrenamtliches Engagement, während es an öffentlicher Aufmerksamkeit, breitem Bewusstsein und finanziellen Mitteln mangelt.

Psychische Belastung und die Grenze familiärer Hilfe

Die Betreuungsaufgaben gehen für Betroffene oft mit spürbaren Einschränkungen im Alltag und emotionalen Belastungen einher. Wie prägend diese Zeit sein kann, zeigt unter anderem der Werdegang des 34-jährigen Kabarettisten Martin Frank, der mit 19 Jahren zum Young Carer wurde und über einen Zeitraum von fünf Jahren seine Großmutter nach einem Schlaganfall sowie seine demente Großtante pflegte.

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Pflegewirtin Sabine Wenzel-Geier vom Pflegestützpunkt Rhön-Grabfeld unterstreicht in diesem Kontext die Notwendigkeit, eine klare Grenze zu ziehen. Es müsse sorgfältig zwischen gewöhnlicher familiärer Mithilfe im Haushalt und einer tatsächlich belastenden Pflegetätigkeit unterschieden werden, die junge Menschen überfordern kann.

Ausbau von Hilfen und spezialisierter Rehabilitation

Um der Überlastung entgegenzuwirken, stehen Betroffenen verschiedene Anlaufstellen offen. Zu den bundesweiten Kontaktmöglichkeiten gehören unter anderem die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung getragene Initiative pausentaste.de sowie das Beratungsangebot der Nummer gegen Kummer unter der Rufnummer 116.111.

Auch medizinische Einrichtungen haben ihr Profil erweitert: Die Kinderfachklinik Bad Sassendorf der Johanniter rehabilitiert seit 2022 junge Pflegende. Wurden im ersten Jahr vier Betroffene behandelt, stieg die Zahl bis zum Jahr 2025 auf insgesamt 34 an.

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Auf regionaler Ebene entstehen parallel Selbsthilfestrukturen. Claudia Buß, die 2022 die Arbeitsgemeinschaft Young Carer gründete und als eine von acht Bürgerdelegierten aus Bremen zum Tag der Deutschen Einheit entsandt wurde, treibt die Vernetzung voran.

In Bremen finden die Treffen jeden zweiten Mittwoch im Monat im Stadtteil Kattenturm statt, ab November ist ein zweites Angebot in Lesum geplant. Zudem ist noch im Laufe des Jahres 2026 eine formelle Vereinsgründung vorgesehen.

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