Y-Hand, Freiheitsgrade

Y-Hand M2: 38 Freiheitsgrade und 96 Prozent Erfolg bei Greifaufgaben

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Handmodelle verbinden feinfühlige Steuerung mit industrieller Fertigung; mehrere Anbieter erweitern ihre Kapazitäten.
Detailaufnahme einer hochkomplexen mechanischen Konstruktion mit präzisen Gelenkstrukturen und sehnenbasierten Antriebselementen. Illustration mit AI erstellt.

Entwickler und Forschungsteams treiben die Geschicklichkeit humanoider Plattformen voran. Im Mittelpunkt stehen neue Fünf-Finger-Roboterhände, die mit bionischen Strukturen und einer wachsenden Zahl an Freiheitsgraden ausgestattet sind. Die Systeme zielen darauf ab, komplexe menschliche Greif- und Manipulationsaufgaben in industriellen wie auch sensiblen Einsatzfeldern abzubilden.

Bionische Mechanik und hohe Freiheitsgrade

Einen Spitzenwert bei den Freiheitsgraden weist die von einem Forschungsteam der Jilin University um Professor Ren Lei entwickelte und bei Beijing Daqi Yuequan Bionic Technology industrialisierte Y-Hand M2 auf. Das System verfügt über 38 Freiheitsgrade und gilt laut Branchenberichten als die derzeit weltweit höchstdotierte biomimetische Hand.

Am 16. Oktober 2026 zeigte die Jilin University im Rahmen einer Universitätsausstellung erstmals öffentlich die interne Präzisions-Bionik-Struktur, bei der Gelenke mit hohen Freiheitsgraden, bionische Mechanik und das Steuerungslayout auf engem Raum integriert sind.

Nach Angaben von Beijing Daqi Yuequan Bionic Technology erreicht die Y-Hand M2 eine Erfolgsrate von 96 Prozent bei allen 33 Kategorien menschlicher Greifmanipulation und übertrifft starre Konstruktionen in den fünf Kernbereichen Kraft, Tempo, Präzision, Flexibilität sowie Nachgiebigkeit.

Angetrieben wird das System über hauseigene Motoren und künstliche Muskeln; das Unternehmen hat die Massenproduktion erreicht und adressiert Einsatzbereiche in der Fertigung, Luftfahrt, Inspektion, Medizin und Pflege.

Auch das US-Unternehmen Clone Robotics setzt auf biomimetische Ansätze. Vor dem für November geplanten Start des für stationäre beidarmige Arbeiten konzipierten Torso 4 zeigte das Unternehmen eine Fünf-Finger-Roboterhand mit künstlichen Muskeln, um Hardware besser simulier- und steuerbar zu machen.

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Antriebskonzepte und taktile Sensorik

Neben bionischen Muskeln gewinnen quasi-direkte und sehnenbasierte Antriebe an Bedeutung. 1X Technologies stellte eine sehnengetriebene Roboterhand mit 25 Freiheitsgraden für den humanoiden Roboter NEO vor.

Das System nutzt ein Übersetzungsverhältnis von 5:1 bis 15:1 statt der sonst verbreiteten 100:1 bis 200:1. Alle 25 Freiheitsgrade sind nativ kraftgeregelt und rücktreibbar ausgeführt, ergänzt um Propriozeption. Bei einer Positioniergenauigkeit von ±0,2 Millimetern erreicht das Daumen-Handwurzelgelenk ein Spitzendrehmoment von 3,5 Newtonmetern.

Die Motoren sitzen im Unterarm, während hochauflösende Tastsensoren an Fingerspitzen und Kontaktflächen integriert sind. Die Hand ist nach Schutzart IP68 ausgelegt, das Handgelenk wurde über zwei Millionen Zyklen getestet.

Auf taktile Präzision setzen auch weitere Hersteller:
- WanNa Robotics präsentierte auf der Hong Kong Autumn Electronics Fair das Modell NOVA21 mit 21 aktiven Drehgelenken, 16 Kraftsensoren, 20 Newton Fingerspitzenkraft und 200 Newton Gesamtgriffkraft.
- Auf der 140. Canton Fair demonstrierte ein Aussteller eine fünf-fingrige Hand mit 1D-Sensoren in den Fingern; Ausstellerchef Huang Jun erklärte, dass ein einzelner Finger nahezu 20 Kilogramm heben könne.
- AGILINK demonstrierte die OmniHand 3 Ultra mit 21 aktiven Freiheitsgraden und Direktantrieb bei Stickarbeiten, bei denen ein Seidenfaden in 16 feinere Stränge zerteilt wurde.
- PaXini Tech setzt bei der DeXH13 auf 1.140 taktile Sensoreinheiten und spiegelt Fingerbewegungen per Bildverarbeitung in Echtzeit.

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Kommerzialisierung und industrielle Skalierung

Die Fertigungskapazitäten wachsen parallel zur technischen Ausreifung. Das 2023 in Peking gegründete Unternehmen LinkerBot lieferte im Jahr 2025 über 10.000 Einheiten aus und gilt laut dem Gaogong Industry Research Institute als zweitgrößter Hersteller Chinas hinter Inspire Robots.

Im Oktober stellte LinkerBot die LinkerHand O30 mit 20 Freiheitsgraden vor, die bei einem Eigengewicht von 730 Gramm eine Traglast von maximal 30 Kilogramm und eine Fünf-Finger-Greifkraft von 70 Newton aufweist.

Laut Unternehmenschef Alex Zhou liegt der globale Marktanteil bei Hochfreiheitsgrad-Händen bei über 80 Prozent; die monatliche Produktion soll von rund 5.000 auf 10.000 Stück verdoppelt werden. Nach einer Finanzierungsrunde im April liegt die Bewertung bei rund 3 Milliarden US-Dollar.

Am 21. September 2026 veröffentlichte zudem Unitree die Dex5-S ab einem Einstiegspreis von 39.900 Yuan. Das Modell wiegt rund 620 Gramm, bietet 22 Freiheitsgrade mit 22 Motoren samt Direkt- und Rückwärtsantrieb und bewältigt im Dauerbetrieb eine Nutzlast von 1 Kilogramm. Auch 1X Technologies fertigt seine Handkomponenten auf einer skalierbaren Linie und peilt für 2026 ein Produktionsziel von 10.000 Einheiten an.

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