WWF, Artensterben

WWF: Wildtierbestände weltweit seit 1970 um 73 Prozent geschrumpft

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 10:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Bestände vieler weltweit erfasster Wirbeltiere sind laut WWF zwischen 1970 und 2022 im Durchschnitt um 73 Prozent zurückgegangen. Besonders stark betroffen sind Tiere in Süßwasserlebensräumen, zugleich zeigen einzelne Schutzmaßnahmen Wirkung.

  • Gezielte Schutzmaßnahmen können einzelnen Elefantenbeständen im südlichen Afrika eine Erholung ermöglichen (Archivbild).  - Bild: Eva Krafczyk/dpa
    Gezielte Schutzmaßnahmen können einzelnen Elefantenbeständen im südlichen Afrika eine Erholung ermöglichen (Archivbild). - Bild: Eva Krafczyk/dpa
  • Entscheidend für eine Verbesserung sind häufig politischer Wille und eine Zusammenarbeit von Regierungen, Naturschutzorganisationen und der lokalen Bevölkerung (Archivbild). - Bild: Claudia Rosel/AP/dpa
    Entscheidend für eine Verbesserung sind häufig politischer Wille und eine Zusammenarbeit von Regierungen, Naturschutzorganisationen und der lokalen Bevölkerung (Archivbild). - Bild: Claudia Rosel/AP/dpa
Gezielte Schutzmaßnahmen können einzelnen Elefantenbeständen im südlichen Afrika eine Erholung ermöglichen (Archivbild).  - Bild: Eva Krafczyk/dpa Entscheidend für eine Verbesserung sind häufig politischer Wille und eine Zusammenarbeit von Regierungen, Naturschutzorganisationen und der lokalen Bevölkerung (Archivbild). - Bild: Claudia Rosel/AP/dpa

Die Bestände vieler weltweit erfasster Wirbeltiere sind nach einem WWF-Bericht zwischen 1970 und 2022 im Durchschnitt um 73 Prozent zurückgegangen.

Süßwasserlebensräume besonders stark betroffen

Die größten Rückgänge verzeichnete der Bericht in Flüssen, Seen und anderen Süßwasserlebensräumen. Dort schrumpften die Populationen im Durchschnitt um 85 Prozent. An Land gingen sie um 69 Prozent zurück, in den Meeren um 59 Prozent.

Als Hauptursache nennt der WWF menschliche Aktivitäten. Lebensmittelproduktion, Energieversorgung und das Finanzsystem trügen in weiten Teilen zum Verlust und zur Verschlechterung von Lebensräumen bei.

420 Millionen Hektar Wald verloren

Ein zentraler Treiber sei die Zerstörung von Wäldern. Zwischen 1990 und 2020 seien schätzungsweise 420 Millionen Hektar Wald vernichtet worden, häufig für die Umwandlung in landwirtschaftliche Flächen.

In den Meeren verlaufe der Rückgang der Tierbestände langsamer. Niedrigere Fangquoten und verstärkte Kontrollen hätten bei bestimmten Thunfischarten dazu beigetragen, den negativen Trend umzukehren. Bei vielen Haien und Rochen verschlechtere sich die Entwicklung dagegen weiter.

Verschmutzung und Dämme bedrohen Flusstiere

Süßwasserarten seien Gewässerverschmutzung, Übernutzung, Kanalisierung und Dammbauten ausgesetzt. Dadurch gerieten Fischbestände unter Druck; Infrastrukturprojekte beeinträchtigten zudem Arten wie Flusspferde, Otter, Krokodile und große Schildkröten.

WWF sieht Chancen für eine Umkehr

Die biologische Vielfalt versorge die Menschen mit Nahrung, Wasser und sauberer Luft, schreibt der WWF. Kathrin Samson, Vorständin Naturschutz beim WWF Deutschland, sagte: «Ohne die biologische Vielfalt auf diesem Planeten fehlen Lebensmittel, Medikamente, sauberes Wasser und sichere Orte zum Leben.» Der Abwärtstrend lasse sich umkehren, wenn der Naturschutz verbindlich in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verankert werde.

Der Rückgang betrifft laut Bericht nicht alle erfassten Bestände. Rund die Hälfte der Populationen sei stabil oder wachse. Da viele andere Populationen sehr stark zurückgingen, ergebe sich im Index dennoch ein durchschnittlicher Verlust von 73 Prozent.

Index erfasst fast 5.800 Wirbeltierarten

Der Bericht verweist auf Erfolge beim Schutz der Grünen Meeresschildkröte, des Tigers und einzelner Elefantenbestände im südlichen Afrika. Entscheidend seien häufig politischer Wille sowie die Zusammenarbeit von Regierungen, Naturschutzorganisationen und lokaler Bevölkerung.

Grundlage ist der von der Zoologischen Gesellschaft London erstellte Living Planet Index. Er erfasst seit 1970 die Größe von Wirbeltierbeständen. In die Auswertung fließen 5.790 Arten aus den Gruppen der Säugetiere, Vögel, Fische, Reptilien und Amphibien ein.

Ein langfristiger Verlust mit regionalen Schwerpunkten

Der WWF-Bericht beschreibt keinen gleichmäßigen Rückgang aller Tierarten, sondern die Entwicklung ausgewählter Wirbeltierpopulationen über mehrere Jahrzehnte. Besonders kritisch ist die Lage in Süßwasserökosystemen: Flüsse, Seen und Feuchtgebiete reagieren empfindlich auf Verschmutzung, Wasserentnahme, Begradigung und den Bau von Dämmen. Diese Belastungen treffen Tiere unmittelbar und schwächen zugleich wichtige Funktionen für die menschliche Versorgung.

Lebensräume stehen unter mehrfachen Belastungen

Der Verlust von Wald- und anderen Lebensräumen wird durch Landwirtschaft, Infrastruktur, Energiegewinnung und den Klimawandel verstärkt. Die im Bericht genannten 420 Millionen Hektar Waldverlust zwischen 1990 und 2020 verdeutlichen die Größenordnung der Veränderung. Biodiversitätsverlust und Klimakrise beeinflussen sich dabei gegenseitig: Geschädigte Ökosysteme speichern weniger Kohlenstoff, regulieren Wasser schlechter und sind anfälliger für weitere Störungen.

Schutzmaßnahmen können Wirkung zeigen

Der Bericht macht zugleich deutlich, dass politische Entscheidungen Trends verändern können. Niedrigere Fangquoten und bessere Kontrollen haben bei bestimmten Thunfischarten zur Erholung beigetragen; auch bei einzelnen Beständen von Tigern, Elefanten und Grünen Meeresschildkröten zeigen gezielte Maßnahmen Wirkung. Für Leser bedeutet die Entwicklung vor allem, dass der Schutz von Arten nicht nur eine Frage des Naturschutzes ist: Intakte Ökosysteme sichern Nahrung, Trinkwasser, Gesundheit und Schutz vor Umweltgefahren. Entscheidend sind langfristige Regeln, deren Umsetzung und die Beteiligung der betroffenen Bevölkerung.

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