WordCraft: ArtCraft erreicht erst 62 Prozent Übereinstimmung mit Word
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 10:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Open-Source-Projekt ArtCraft hat seine Sammlung von Desktop-Programmen am 8. Oktober 2026 um eigene Alternativen zu Microsoft Word, Excel und PowerPoint erweitert.
Die Anwendungen entstehen als sogenannte Clean-Room-Reimplementierungen auf Basis öffentlich zugänglicher Spezifikationen. Nach Angaben des Projekts wurde dabei kein Quellcode von Microsoft verwendet; die Entwicklung erfolgte maßgeblich unter Einsatz des KI-Modells Claude von Anthropic.
Pre-Alpha-Status und eingeschränkte Kompatibilität
Zu den neuen Werkzeugen zählen unter anderem die Textverarbeitung WordCraft, das Tabellenkalkulationsprogramm GridCraft und die Präsentationsanwendung DeckCraft. Bereits am 7. Oktober 2026 wurde das Portfolio zudem um Entwürfe wie CadCraft für CAD-Konstruktionen sowie SoundCraft für Audiobearbeitung ergänzt. Die Repositorien dieser Neuzugänge verzeichneten jeweils rund 0,8 bis 1,4 Tausend Sterne auf der Plattform GitHub.
Die Textverarbeitung WordCraft ist lauffähig, befindet sich jedoch im Entwicklungsstadium einer Pre-Alpha und ist ausdrücklich nicht für den produktiven Einsatz vorgesehen. ArtCraft beziffert die funktionale Übereinstimmung mit Microsoft Word derzeit auf 62 Prozent.
Umfangreiche Tests zur Kompatibilität mit dem DOCX-Format haben bislang noch nicht begonnen. Bestimmte Elemente wie Diagramme, SmartArt und OLE-Objekte werden in der aktuellen Fassung nicht unterstützt oder verworfen. Die Software wird in der Programmiersprache Rust entwickelt und unter einer Doppellizenz aus MIT und Apache 2.0 bereitgestellt.
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Hintergrund im Bereich kreativer Softwarewerkzeuge
Hinter der Initiative steht Entwickler Brandon Thomas, der zuvor bei Storyteller.ai tätig war und Erfahrungen beim Zahlungsdienstleister Square sammelte. Thomas hatte ArtCraft im Jahr 2025 ursprünglich als Werkzeug zur Nachbearbeitung von KI-generierten Inhalten gestartet.
Zwischen dem 30. September und dem 1. Oktober 2026 veröffentlichte er zunächst sieben quelloffene Nachbauten verbreiteter Kreativprogramme, darunter PhotoCraft, VectorCraft und FilmCraft.
Für die Implementierung dieser Anwendungen griff das Team ebenfalls auf Claude zurück. Als Plattformen werden Linux, Windows, macOS, FreeBSD und WebAssembly unterstützt. Nach Angaben von Testern weisen frühe Programmversionen jedoch noch spürbare Fehler, Leistungsprobleme und funktionale Einschränkungen auf.
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Juristische Einordnung und Reaktionen
Die Nachbildung proprietärer Software über öffentlich zugängliche Spezifikationen und Sprachmodelle wirft rechtliche Fragen auf. Juristen weisen darauf hin, dass die rechtliche Beurteilung stark von der jeweiligen Rechtsordnung abhängt.
Obwohl das Clean-Room-Verfahren als Verteidigung gegen Vorwürfe von Urheberrechtsverletzungen angeführt werden kann, halten Rechtsexperten juristische Auseinandersetzungen mit etablierten Softwarekonzernen für möglich. Weder Microsoft noch andere betroffene Softwareanbieter gaben zu den Neuentwicklungen bislang eine Stellungnahme ab.

