Wohnungskrise, KfW

Wohnungskrise: KfW fördert Büro-zu-Wohnen ab Juli mit Programm 266

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 17:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Leerstandsumbau, Gebäudeaufstockung und Pufferzonen-Sanierung bieten neue Wege gegen Wohnungsnot in deutschen Städten.

Wohnungskrise: Kreative Lösungen durch Umnutzung und Aufstockung
Moderne Architektur bei der Umwandlung eines Bürogebäudes in Wohnraum in einem städtischen Umfeld. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Angesichts der Wohnungskrise in deutschen Ballungsräumen rücken kreative Lösungen in den Fokus. Statt immer neue Flächen zu versiegeln, setzen Politik und Immobilienwirtschaft auf Umnutzung, Aufstockung und clevere Sanierung.

Leerstand wird zu Wohnraum

Ein zentraler Hebel: die Umwandlung leerstehender Büro- und Geschäftsgebäude. Eine Studie der Berliner Sparkasse vom 20. Juli zeigt: Die Mehrheit der Hauptstädter befürwortet solche Umbauprojekte. Das Potenzial ist enorm – allein in Wiesbaden stehen schätzungsweise 90.000 Quadratmeter Bürofläche leer.

Die Rahmenbedingungen wurden just angepasst. Seit dem 1. Juli fördert das KfW-Programm „Gewerbe zu Wohnen“ (Nr. 266) solche Vorhaben. Ende Juni trat zudem eine neue Bundesförderrichtlinie in Kraft. Kommunalpolitiker in Ingolstadt fordern bereits eine verstärkte Prüfung von Leerständen in den Altstädten.

Nach oben bauen statt ausweiten

Neben der Umnutzung bietet die Aufstockung bestehender Gebäude enormes Potenzial. Karlsruhe setzt verstärkt auf diese Form der Innenentwicklung. Laut Pestel-Institut fehlen dort über 5.000 Wohnungen, im umliegenden Landkreis rund 8.100 Einheiten.

In Tuttlingen entstanden im Juli durch die Aufstockung von zwei Mehrfamilienhäusern 28 neue Wohneinheiten. Doch die Nachverdichtung hat auch Kritiker: Sie weisen auf die Belastung der Infrastruktur hin – etwa durch zusätzlichen Parkplatzbedarf. Grefrath hat daher im Juli spezifische Leitlinien beschlossen, um solche Projekte bis 2030 nach sozialen und ökologischen Kriterien zu steuern.

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Die Pufferzonen-Idee

Ein alternatives Sanierungsmodell kommt aus Frankreich. Die sogenannte Pufferzonensanierung setzt auf den Vorbau von Wintergärten oder Balkonen. Ergebnis: bis zu 60 Prozent Heizenergie eingespart und zusätzlicher Wohnraum gewonnen. Die Kosten liegen bei etwa einem Drittel von Abriss und Neubau.

Die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) vom Mai 2024 stärkt diesen Ansatz. Sie stellt ab 2028 strengere Anforderungen an die ökologische Gesamtbilanz. Das begünstigt den Erhalt und die Erweiterung des Bestands gegenüber dem ressourcenintensiven Neubau.

Hürden bleiben hoch

Trotz der Potenziale bremsen hohe Sanierungskosten und komplexe Genehmigungsverfahren. In Rheinland-Pfalz fordern politische Akteure daher eine Offensive zum Abbau bürokratischer Hürden. Dass Leerstand nicht automatisch den Markt entlastet, zeigt Leipzig: Dort gibt es hohe Leerstandsquoten in Neubauprojekten, während die durchschnittliche Angebotsmiete bei 9,26 Euro pro Quadratmeter liegt. Ein sächsisches Zweckentfremdungsverbot soll bei Leerständen von über zwölf Monaten greifen.

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Parallel zur räumlichen Optimierung gewinnt der effiziente Umgang mit Ressourcen an Bedeutung. Seit dem 19. Juli gilt für große EU-Unternehmen ein Vernichtungsverbot für unverkaufte Textilien und Schuhe. Sie müssen gespendet, aufbereitet oder verkauft werden. Und auch im Privaten helfen Strategien zur Vermeidung von Abfällen – bei Lebensmitteln fallen laut Umweltbundesamt jährlich rund 74,5 Kilogramm pro Person an. Weniger Müll bedeutet weniger Lagerfläche in den Wohnungen.

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