Wohnungsenteignung, Deutschen

Wohnungsenteignung: 73 Prozent der Deutschen halten sie für ungeeignet

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 03:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Forsa-Erhebung zeigt breite Ablehnung; in Berlin bleiben Vergesellschaftungspläne und mögliche Folgen für den Wohnungsmarkt umstritten.

Wohnungsenteignung: 73 Prozent der Deutschen lehnen sie als Mietmaßnahme ab
Ein modernes Wohngebäude in einer deutschen Stadt bei Dämmerung, das die städtische Architektur und Wohnsituation verdeutlicht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Erhebungen zur Wohnungspolitik verdeutlichen eine tiefe Skepsis in der deutschen Bevölkerung gegenüber radikalen Markteingriffen. Laut einer Forsa-Umfrage, die am 24. und 25. September 2026 unter 1.009 Befragten durchgeführt wurde, halten 73 Prozent der Deutschen die Enteignung großer Wohnungsbaugesellschaften für kein geeignetes Mittel, um den hohen Mieten in Ballungszentren entgegenzuwirken. Lediglich 24 Prozent der Befragten äußerten eine gegenteilige Meinung, während drei Prozent keine Angabe machten.

Besonders ausgeprägt zeigt sich die Ablehnung im bürgerlich-konservativen und rechten Spektrum. Unter den Anhängern der CDU liegt die Ablehnungsquote bei 88 Prozent, während sie bei den Sympathisanten der AfD mit 92 Prozent ihren Höchstwert erreicht.

Politische Spannungen und das Berliner Modell

Trotz der deutlichen Ablehnung auf Bundesebene bleibt das Thema insbesondere in der Hauptstadt präsent. Nach dem Wahlsieg der Linken bei der Abgeordnetenhauswahl, bei der die Partei 25,7 Prozent der Stimmen erzielte, forcieren die Verantwortlichen Pläne zur sogenannten Vergesellschaftung.

Laut Nachwahlbefragungen von Infratest dimap war das Thema Wohnen für 18 Prozent der Wähler wahlentscheidend. Dabei trauten 37 Prozent der Wähler der Linken zu, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen, während die SPD in diesem Bereich auf elf Prozent und die CDU auf acht Prozent kamen.

Das Konzept der Linken sieht vor, Wohnungsunternehmen mit mehr als 3.000 Einheiten nach Artikel 15 des Grundgesetzes zu vergesellschaften. Dies würde in Berlin rund 240.000 Wohnungen betreffen, wobei der Fokus insbesondere auf dem Konzern Vonovia liegt.

Während ein Volksentscheid im Jahr 2021 mit 57,6 Prozent Zustimmung für eine solche Maßnahme stimmte, ergab eine spätere Nachwahlbefragung von Infratest dimap, dass inzwischen 51 Prozent der Berliner gegen das Vorhaben sind.

Finanzielle Auswirkungen und Entschädigungsmodelle

Die ökonomischen Folgen einer großflächigen Vergesellschaftung werden höchst unterschiedlich bewertet. Der Berliner Landesrechnungshof beziffert den Marktwert der betroffenen Bestände im Falle einer klassischen Enteignung auf über 42 Milliarden Euro. Die Linke hingegen verweist auf ein kreditfinanziertes Entschädigungsmodell in Höhe von etwa 25 Milliarden Euro und stellt Mietsenkungen von bis zu 16 Prozent in Aussicht.

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Die Forsa-Umfrage zeigt: 73 Prozent der Deutschen halten Enteignungen großer Wohnungsbaugesellschaften nicht für ein geeignetes Mittel gegen hohe Mieten. Dennoch bleibt das Berliner Vergesellschaftungsrahmengesetz in Kraft, und 87 Prozent der Branchenexperten erwarten einen Rückzug von Kapitalanlegern aus dem Berliner Markt. Unser kostenloser Leitfaden ordnet die Rechtslage ein und zeigt, welche Bestände betroffen sein könnten. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern

Eine Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) aus dem September 2026 kommt zu dem Schluss, dass eine Entschädigungssumme von 13,5 Milliarden Euro ausreichend sein könnte, sofern eine gemeinwohlorientierte Vermietung zugrunde gelegt wird.

Zum Vergleich: Der Verkehrswert dieser Bestände wird von den Studienautoren auf 37,7 Milliarden Euro geschätzt. Das IMK-Modell sieht vor, dass das Land Berlin vier Milliarden Euro Eigenkapital beisteuert, während 9,5 Milliarden Euro über Kredite landeseigener Wohnungsunternehmen finanziert werden sollten.

Marktreaktionen und alternative Lösungsansätze

In der Immobilienwirtschaft stößt das bereits im März 2026 verkündete Berliner Vergesellschaftungsrahmengesetz auf massiven Widerstand. In einer Blitzumfrage unter 414 Branchenexperten hielten lediglich 14 Prozent eine Umsetzung bis zum Jahr 2031 für wahrscheinlich. Gleichzeitig erwarten 87 Prozent der befragten Profis einen Rückzug von Kapitalanlegern aus dem Berliner Markt.

Experten betonen zudem, dass Enteignungen den eigentlichen Wohnungsmangel nicht beheben würden. In Berlin fehlen laut vorliegenden Daten etwa 56.000 Wohnungen bei einer Bevölkerung von 3,9 Millionen Einwohnern, von denen 84 Prozent zur Miete wohnen. In den vergangenen zehn Jahren stiegen die Angebotsmieten in der Stadt von 9,02 auf 15,25 Euro pro Quadratmeter, was einem Zuwachs von 69 Prozent entspricht.

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Als alternative Ansätze werden der forcierte Neubau sowie die Umnutzung von Gewerbeflächen diskutiert. So könnten durch den Umbau von leerstehenden Büroflächen, die in Berlin ein Volumen von rund neun Millionen Quadratmetern umfassen, schätzungsweise bis zu 100.000 neue Wohnungen entstehen.

Auf politischer Ebene planen Bundeskanzler Merz und Teile der SPD bereits ein Bundesgesetz, um Vergesellschaftungen auf Landesebene künftig rechtlich auszuschließen.

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