Wohnungsbau-Krise, Fertigstellungen

Wohnungsbau-Krise: 206.600 Fertigstellungen – niedrigster Stand seit 2012

08.06.2026 - 05:34:01 | boerse-global.de

Die Zahl der Neubauten fiel 2025 auf den niedrigsten Stand seit 2012, während die Immobilienpreise wieder anziehen. Experten sehen langfristig keine Entspannung.

Wohnungsbau in Deutschland: Rekordtief und steigende Preise
Wohnungsbau-Krise - Ein detailliertes Miniatur-Hausmodell aus nachhaltigen Materialien auf einem Bauplan, im Hintergrund ein unscharfes Büro. 08.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Baukosten steigen, die Preise ziehen wieder an – und das Angebot wird knapper. Branchenexperten wie Mike Kammann, Chef der Bausparkasse Schwäbisch Hall, erwarten für die kommenden fünf Jahre keine Besserung.

Rekordtief bei Fertigstellungen

Die Zahlen sind ernüchternd: 2025 wurden in Deutschland nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Das sind 18 Prozent weniger als im Vorjahr – der niedrigste Stand seit 2012. Besonders hart traf es Einfamilienhäuser: Hier ging der Neubau um 25 Prozent auf rund 41.800 Einheiten zurück.

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Gleichzeitig zogen die Immobilienpreise erstmals seit drei Jahren wieder an. Ein Plus von 3,2 Prozent wurde 2025 verzeichnet. Die Folge: Bundesweit fehlen schätzungsweise 1,4 Millionen Wohnungen.

Der Nationale Normenkontrollrat (NKR) fordert deshalb einfachere Baustandards. „Es liegt ein Systemfehler vor“, sagt NKR-Präsident Lutz Goebel. „Einfacheres Bauen erfordert mehr Mut.“ Das Justizministerium will in den kommenden Monaten einen Referentenentwurf für das geplante Gebäudetyp-E-Gesetz vorlegen.

Wo sich am meisten sparen lässt

Architekten und Bauherrenverbände sehen die größten Einsparpotenziale bei der Grundstückslage und der Wohnfläche. Der teuerste Posten: der Keller. Der kostet zwischen 80.000 und 100.000 Euro. Ein Verzicht lohnt sich laut Experten, wenn der Grundstückspreis unter 1.800 Euro pro Quadratmeter liegt.

Weitere Sparmöglichkeiten:

  • Keine Balkone und Fenster-Sonderformen
  • Standard-Fliesenformate statt XXL-Platten
  • Einfachere Bodenbeläge in Funktionsräumen
  • Verzicht auf komplexe Smarthome-Technik

Vom Sparen beim Schallschutz oder bei der Vorbereitung für Photovoltaik und E-Ladesäulen raten Fachleute dagegen ab. „Nachrüstungen sind oft teurer“, warnt Architekt Andreas May vom Bauherren-Schutzbund. Auch Eigenleistungen bei Trockenbau, Malerarbeiten oder Bodenverlegung können Kosten senken – kosten aber viel Zeit.

Doppelhäuser und serielles Bauen als Alternative

Eine kostengünstige Alternative zum klassischen Einfamilienhaus: das Doppelhaus. Durch gemeinsame Wände und optimierte Erschließung braucht es weniger Grundstücksfläche und Energie.

Im Trend liegt auch das serielle Bauen mit Holz. Ein Berliner Pilotprojekt des Start-ups Gropyus für Vonovia zeigt: Siebenstöckige Gebäude in Holzbauweise sind für rund 3.600 Euro pro Quadratmeter realisierbar. Möglich machen das industrielle Fertigung und digitale Planung. Langfristig sollen KI und Robotik die Kosten weiter drücken.

Mikrohäuser sind eine Option für kleinere Haushalte. In Wimsheim entstanden drei Wohneinheiten auf eigenen Grundstücken – für jeweils rund 360.000 Euro inklusive Inneneinrichtung.

In der Schweiz wird derzeit diskutiert, den Wohnungsbau als „überragendes öffentliches Interesse“ einzustufen. Das würde Verfahren beschleunigen. Ein konkreter Vorschlag wird für Herbst 2026 erwartet.

Sparen im Supermarkt – und hohe Mietbelastung

Der Kostendruck verändert auch das Konsumverhalten. Der Marktanteil von Eigenmarken im Handel stieg von 41 Prozent (2021) auf 47 Prozent (2025). Premium-Eigenmarken legten 2025 um 11 Prozent zu, während 15 der 17 größten Dachmarken Käufer verloren.

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Die Wohnkosten bleiben eine massive Belastung. Eine Studie des Mieterbundes beziffert die Zahl der finanziell überlasteten Mieterhaushalte auf 6,6 Millionen. Sie wenden 30 bis 40 Prozent ihres Nettoeinkommens fürs Wohnen auf. Besonders hoch ist die Belastung bei Neuvermietungen in Metropolen wie Berlin, München oder Frankfurt.

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