Wohngeldreform: Ein Drittel der Empfänger fällt ab 2027 weg
Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 12:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ab 2027 sollen rund ein Drittel der bisherigen Empfänger aus dem Bezug fallen.
Ein Referentenentwurf des Bauministeriums sieht massive Einschnitte vor. Besonders betroffen: Menschen mit Behinderungen und Pflegebedarf.
Härtere Regeln für Freibeträge
Derzeit gewährt der Staat einen jährlichen Freibetrag von 1.800 Euro für Haushalte mit einem Grad der Behinderung (GdB) von 100 oder Pflegebedürftigkeit. Das soll sich ab dem 1. Januar 2027 ändern.
Künftig erhalten den Freibetrag nur noch Menschen mit GdB 100 oder Pflegegrad 3. Wer einen GdB zwischen 50 und 90 hat und lediglich Pflegegrad 1 oder 2 besitzt, verliert den Anspruch.
Eine Ausweitung gibt es für Personen mit Pflegegrad 3 bis 5 ohne Schwerbehindertenausweis: Sie bekommen den Freibetrag erstmals.
Milliarden-Einsparungen durch Formel-Änderungen
Die Regierung will mit dem Entwurf kräftig sparen. Für 2027 sind Minderausgaben von 1,5 Milliarden Euro vorgesehen, ab 2028 jährlich 2 Milliarden.
Dafür sind mehrere Maßnahmen geplant:
- Die zweijährige Dynamisierung des Wohngelds wird zum 1. Januar 2027 ausgesetzt
- Die Heizkostenkomponente halbiert sich
- Technische Änderungen an der Wohngeldformel verkleinern den Berechtigtenkreis
- Ansprüche unter 15 Euro monatlich werden nicht mehr ausgezahlt
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Analysen zeigen: Haushalte mit derzeit 50 bis 60 Euro monatlich könnten ihren Anspruch komplett verlieren. Etwa ein Drittel aller Empfänger wäre betroffen.
Rentner besonders stark betroffen
Die Zahl der Wohngeldempfänger ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. 2024 bezogen rund 1,2 Millionen Haushalte die Unterstützung – ein Plus von sechs Prozent zum Vorjahr.
Besonders auffällig: Die Zahl der wohngeldberechtigten Rentner hat sich von 300.000 (2020) auf über 600.000 (2024) verdoppelt. Sie stellen inzwischen mehr als die Hälfte aller Empfänger. Der durchschnittliche Monatsanspruch lag 2024 bei 287 Euro.
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Scharfe Kritik von Sozialverbänden
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) spricht von massivem Sozialabbau. Die Reform treffe vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen und Pflegebedürftige.
Die Kritik: Die Kürzungen kommen zeitgleich mit Belastungen in anderen Bereichen – etwa höheren Zuzahlungen in der Krankenversicherung oder Verschärfungen bei der Grundsicherung.
Auch in der Politik ist der Entwurf umstritten. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf fordert eine genaue Prüfung im parlamentarischen Verfahren. Es müsse untersucht werden, ob Alternativen zu den Einschnitten bestehen.
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