Wohneigentum: 43,5 Prozent – Deutschland Schlusslicht in der EU
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Daten zur Wohnsituation in Deutschland zeichnen ein deutliches Bild einer zunehmenden Mietabhängigkeit. Wie aus einer Untersuchung des Pestel-Instituts für das Jahr 2025 hervorgeht, liegt die Wohneigentumsquote der privaten Haushalte bei 43,5 Prozent. Dies stellt den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten dar und platziert Deutschland im Vergleich der Europäischen Union auf dem letzten Rang. Die Studie wurde im Auftrag der Unternehmensstiftung der Bausparkasse Schwäbisch Hall erstellt.
Internationaler und regionaler Vergleich der Eigentumsverhältnisse
Im europäischen Vergleich weist lediglich die Schweiz, die nicht Mitglied der EU ist, eine geringere Eigentümerquote auf. Innerhalb der Europäischen Union bilden Länder wie Rumänien mit 94 Prozent, die Slowakei mit 93 Prozent und Ungarn mit 92 Prozent die Spitze. Auch Kroatien, Polen und Litauen erreichen Quoten von teils über 90 Prozent. Das Nachbarland Österreich verzeichnete 2025 eine Quote von 54 Prozent.
Innerhalb Deutschlands zeigt sich ein ausgeprägtes regionales Gefälle. Während das Saarland eine Eigentümerquote von fast 60 Prozent erreicht, liegen die Werte in den Stadtstaaten deutlich niedriger. In Berlin bewohnen knapp 16 Prozent der Haushalte Wohneigentum, in Hamburg sind es gut 20 Prozent.
Brandenburg liegt mit über 44 Prozent im Mittelfeld, während im Ruhrgebiet die bundesweit niedrigsten Quoten festgestellt wurden. Besonders betroffen von der Mietabhängigkeit ist die jüngere Generation: Fast drei Viertel der 25- bis 45-Jährigen wohnen zur Miete.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und baupolitische Forderungen
Als wesentliche Ursache für die Entwicklung werden die massiv gestiegenen Kosten identifiziert. Laut dem Pestel-Institut sind die Herstellungskosten für Wohnungen seit dem Jahr 2000 um 160 Prozent gestiegen, während die allgemeinen Verbraucherpreise im selben Zeitraum lediglich um 64 Prozent zunahmen.
Institutsleiter Matthias Günther führt die geringe Quote zudem auf gestiegene Zinsen und die aktuelle Wohnungsbaupolitik zurück. Er kritisierte in diesem Zusammenhang die Streichung des Baukindergelds im Jahr 2021.
Um den Trend umzukehren, fordert Matthias Günther einen bundesweiten Wohneigentumsplan. Ziel müsse es sein, jährlich mindestens 200.000 Haushalte in die Lage zu versetzen, Wohneigentum zu erwerben.
Die Wohneigentumsquote in Deutschland liegt bei 43,5 Prozent — der niedrigste Stand seit über zwei Jahrzehnten und der letzte Platz im EU-Vergleich. Wer trotz gestiegener Herstellungskosten den Schritt zum Eigenheim plant, braucht vor allem eines: eine belastbare Reihenfolge. Der kostenlose Fahrplan zeigt, wie Sie Eigenkapital aufbauen, Nebenkosten realistisch kalkulieren und Förderprogramme prüfen, bevor Sie eine Immobilie besichtigen. Kostenlosen Kauf-Fahrplan anfordern
Der Bau-Monitor 2026 verdeutlicht zudem den Rückgang der Bautätigkeit: Im Jahr 2025 wurden bundesweit rund 84.600 Wohnungen weniger fertiggestellt als noch 2023. Dies entspreche einem fehlenden Netto-Bauumsatz von rund 26,8 Milliarden Euro und belaste das Bruttoinlandsprodukt mit einem Minus von 0,6 Prozentpunkten. In Nordrhein-Westfalen allein lag das Defizit 2025 bei etwa 10.720 Fertigstellungen im Vergleich zu 2023.
Soziale Auswirkungen und rechtliche Rahmenbedingungen
Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt korreliert mit einer Zunahme prekärer Lebensverhältnisse. Daten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2025 belegen, dass die Armutsgefährdungsquote auf 16,1 Prozent gestiegen ist, was rund 13,3 Millionen Menschen entspricht.
Die Schwelle für Alleinlebende lag dabei bei einem monatlichen Nettoeinkommen von rund 1.446 Euro. Besonders betroffen sind Alleinerziehende (28,7 Prozent) und alleinstehende Personen (30,9 Prozent).
Zudem lebten 2025 rund 3,8 Millionen Menschen in Haushalten mit Zahlungsrückständen bei Energieversorgern. Mieterhaushalte sind hiervon mit 5,8 Prozent häufiger betroffen als Eigentümer (3,3 Prozent).
Im August 2026 lagen die Wohnungsnebenkosten um 3,1 Prozent über dem Vorjahresmonat. Während die Preise für Strom und Erdgas sanken, stiegen die Kosten für Heizöl um fast 50 Prozent.
Fast drei Viertel der 25- bis 45-Jährigen wohnen zur Miete — und der Wohnungsbau bleibt hinter früheren Fertigstellungszahlen zurück. Wer in dieser Lage kaufen will, sollte die eigenen Zahlen kennen, bevor der Markt sie diktiert. Der kostenlose Leitfaden führt durch die Kostenkalkulation von Eigenkapital und Kaufnebenkosten und zeigt, welche Förderwege für Erstkäufer realistisch sind. Leitfaden zur Kauf-Kalkulation sichern
Parallel dazu präzisiert die Rechtsprechung die Bedingungen für Eigenbedarfskündigungen. Der Bundesgerichtshof hob im September 2025 ein Urteil auf und entschied, dass ein Selbstnutzungswunsch auch dann wirksam sein kann, wenn der Vermieter seine bisherige Wohnung verkaufen will.
Entscheidend sei die Ernsthaftigkeit und Nachvollziehbarkeit des Wunsches. Im März 2026 bestätigte zudem das Landgericht München I die Kündigung einer 88-jährigen Mieterin, da diese Besichtigungen durch den Eigentümer trotz gerichtlicher Duldung vorsätzlich verweigert hatte. Ein hohes Alter schütze laut Gericht nicht bei schweren Pflichtverletzungen.
