Zwei Männer mit Atemschutzmaske in Berliner S-Bahn

Wissenschaftlerin lobt behutsame Lockerung der Coronamaßnahmen

01.05.2020 - 20:10:31

Die Beschlüsse von Bund und Ländern, die Lockerung der Coronamaßnahmen behutsam durchzuführen, lobte die Wissenschaftlerin Viola Priesemann.

Die Forscherin im Max-Planck-Institut erklärte gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, dass es unverantwortlich gewesen wäre, jetzt schneller von der Bremse zu gehen. Viola Priesmann ist Co-Autorin einer Strategiestudie, die sich mit dem Ausstieg aus dem Lockdown beschäftigt. Sie sieht als frühesten Termin für die Entscheidung über eine weitere Beendigung bestehender Kontaktsperren den 6. Mai. An diesem Tag treffen sich die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Länder zu weiteren Beratungen. Die Wissenschaftlerin erläuterte, die Auswirkungen der Lockerungen vom 18. April erst zutage treten. Die Frage wird dann sein, wie viele Menschen sich seitdem angesteckten.

Für Viola Priesemann würden Entscheidungen vor dem 6. April eine extreme Gefahr darstellen. Die Göttinger Forscherin, die am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation Teamleiterin ist, mahnt, das Land sei noch in einer kritischen Phase. Die Politik und die Bürger müssten weiterhin maximale Vorsicht walten lassen. Sie begrüßte, dass die Politik am 6. Mai auch das Instrument habe, eine Notbremse zu ziehen. Immerhin machte Priesemann auch etwas Hoffnung und äußerte die Möglichkeit, bald zu etwas mehr Normalität zu gelangen. Wichtig sei, dass die Reproduktionszahl unter eins bleibe. Dann sei absehbar, dass die Neuinfektionen deutlich sinken. Die Wissenschaftlerin rechnet dann damit, dass sich täglich nur noch wenige hundert Personen anstecken. Dies sei für eine gezielte Verfolgung von Kontakten Infizierter entscheidend. Auf dieser Grundlage wären massive Kontaktbeschränkungen nicht mehr nötig. Priesemann machte Hoffnung, dass mit dem Erreichen dieses Zieles, die Infektionszahlen weiter sinken würden. Die gleichzeitige Aufhebung aller Beschränkungen schloss die Forscherin aber aus. Auch zukünftig könne es nur kleine Schritte geben. Die Politik müsse immer in der Lage bleiben, auf negative Entwicklungen reagieren zu können. Viola Prieseman warnte vor der großen Gefahr, wenn die Gesellschaft zu ungeduldig wird. Es sei immer noch nicht ausgeschlossen, die Erfolge im Kampf gegen das Coronavirus zu verspielen. Sie verglich den Kampf mit einer Fahrt in einem Auto, bei dem das Lenkrad mit dreiminütiger Verzögerung auf die Aktion des Fahrers reagiert. Die einzige Möglichkeit sei dann Schritttempo zu fahren. Für das Erleichtern der Kontaktverfolgung könnten die Bürger mehr tun als eine App auf dem Smartphone zu verwenden. Die Forscherin des Max-Planck-Instituts empfiehlt das Führen eines "Corona-Tagebuches". Dort könne jeder persönlich eintragen, wen er zu welcher Zeit er an welchem Ort traf. So könnte ein Infizierter direkt Freunden und Bekannten Bescheid geben, dass er sich ansteckte. Die Freunde könnten so besser auf sich und ihre Angehörigen achten. Viola Priesemann sieht darin einen wichtigen Beitrag zu einem Erfolg versprechenden Tracking. Es könnte helfen, trotz Corona zu einem Fast-Alltag zurückzukehren.

 

Redaktion ad-hoc-news.de, berufstouri

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