Wise-Lizenzantrag, OCC

Wise-Lizenzantrag: OCC lehnt nationale Treuhandbank-Lizenz ab

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 22:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die US-Aufsicht OCC verweigert Wise die nationale Banklizenz aufgrund unzureichender Anti-Geldwäsche-Maßnahmen. Der Aktienkurs des Fintechs fällt deutlich.

Wise: US-Behörde lehnt Banklizenz wegen Compliance-Mängeln ab
Moderne Glasfassade eines Bürogebäudes unter bewölktem Himmel, symbolisiert Finanzregulierung und Unternehmenskontrolle. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die US-Aufsicht OCC hat den Antrag des Zahlungsdienstleisters Wise auf eine nationale Treuhandbanklizenz abgelehnt. Grund sind erhebliche Mängel bei der Einhaltung von Anti-Geldwäsche-Vorschriften. Für das britische Fintech ist das ein schwerer Rückschlag im wichtigsten Wachstumsmarkt.

Schwere Vorwürfe der Aufsicht

In einem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben begründete die Office of the Comptroller of the Currency (OCC) ihre Entscheidung detailliert. Stephen Lybarger, zuständiger Abteilungsleiter für Banklizenzen, stellte fest, dass Wise die geforderten Compliance-Standards nicht erfülle. Besonders schwer wiegt der Vorwurf: Die Antragsteller hätten nicht ausreichend nachweisen können, dass sie mit den bundesstaatlichen Bankgesetzen vertraut seien.

Altlasten aus dem Vorjahr

Die Ablehnung kommt nicht überraschend. Bereits im Juli 2025 hatte Wise eine milliardenfache Einigung mit mehreren US-Bundesstaaten erzielen müssen. Damals ging es um Verstöße gegen das Bankgeheimnisgesetz und unzureichende Anti-Geldwäsche-Programme. Wise zahlte 4,2 Millionen Euro Strafe und versprach, massiv in die Compliance-Infrastruktur zu investieren.

Lybarger betonte zwar, dass frühere Verstöße nicht automatisch zur Ablehnung führen. Doch die OCC wolle keine Lizenz erteilen, bevor nicht ein unternehmensweites Programm etabliert sei, das den strengeren Anforderungen einer nationalen Treuhandbank genüge.

Anzeige

Der Fall Wise zeigt, wie schnell Compliance-Mängel im digitalen Finanzsektor zu harten regulatorischen Konsequenzen führen können. Dieser kostenlose Report liefert Anlegern fundiertes Wissen über die Chancen und Risiken der neuen Finanztechnologien. Kostenlosen Experten-Report zur Fintech-Revolution herunterladen

Börse reagiert mit Kursrutsch

Die Nachricht schickte die Wise-Aktie auf Talfahrt. In London fiel der Kurs um über sieben Prozent auf umgerechnet rund 840 Pence. Dabei hatte das Unternehmen erst vor wenigen Monaten seinen Börsenhauptsitz an die US-Technologiebörse Nasdaq verlegt – ein klares Signal, wie wichtig der nordamerikanische Markt für die Strategie ist.

Finanziell steht Wise dennoch solide da. Für das Geschäftsjahr 2024 meldete das Unternehmen einen Vorsteuergewinn von rund 570 Millionen Euro – mehr als eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. Weltweit nutzen inzwischen rund 19 Millionen Kunden den Dienst, das grenzüberschreitende Transaktionsvolumen überstieg zuletzt 220 Milliarden Euro.

Neuanlauf unter anderem Gesetz

Wise betonte, dass die Ablehnung die aktuellen US-Geschäfte nicht beeinträchtige. Diese laufen weiterhin über bundesstaatliche Geldtransferlizenzen. Das Unternehmen bezeichnete den abgelehnten Antrag als „nicht gangbaren Weg“ unter einem veralteten Regelwerk, das direkten Zugang zu Federal-Reserve-Konten voraussetzte – ein Verfahren, das die US-Notenbank für nicht versicherte Treuhandbanken vorerst gestoppt hat.

Nun will Wise einen neuen Antrag stellen – diesmal unter dem GENIUS-Gesetz, das Ende 2025 verabschiedet wurde und speziell digitale Finanzinstitute reguliert.

Anzeige

Während etablierte Anbieter mit Regulierungskämpfen ringen, verändern Krypto und Mobile Payment den Markt nachhaltig. Ein neuer Gratis-Report deckt auf, wie die Finanzwelt sich wirklich verändert und was Banken ihren Kunden oft verschweigen. Jetzt Einblicke in die digitale Finanzwelt sichern

Unterschiedliche Schicksale im Fintech-Sektor

Die Ablehnung steht im Kontrast zu anderen Entwicklungen. Bereits im Dezember 2025 hatte die OCC fünf Unternehmen – darunter Ripple, Circle und Fidelity Digital Assets – bedingt nationale Treuhandlizenzen erteilt.

Der europäische Rivale Revolut hat seine regulatorischen Hürden ebenfalls erfolgreich genommen. Nach einer eingeschränkten Lizenz im Sommer 2024 erhielt das Unternehmen Anfang 2026 die volle britische Banklizenz. Revolut kann nun Kredite und Einlagenprodukte anbieten – ein Geschäftsfeld, das Wise bisher bewusst gemieden hat.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69865023 |