Wirbelfrakturen, S2k-Leitlinie

Wirbelfrakturen: Neue S2k-Leitlinie ordnet konservative Therapie und OP

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 20:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
DGOU und DWG bündeln Empfehlungen zu Diagnose, Therapie und Nachsorge; ein Algorithmus unterstützt die Wahl zwischen konservativer und operativer Behandlung.
Nahaufnahme einer gesunden, schwammartigen Knochenstruktur bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Mit der erstmaligen Veröffentlichung einer fachübergreifenden S2k-Leitlinie zu osteoporotischen Wirbelfrakturen liegt ein umfassender Orientierungsrahmen für die Behandlung von Knochenbrüchen an der Wirbelsäule vor.

Das Regelwerk wurde von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) gemeinsam mit der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG) sowie 17 weiteren Organisationen erarbeitet. Es bündelt wissenschaftliche Erkenntnisse und praxisnahe Empfehlungen von der ersten Diagnose über die Therapieentscheidung bis hin zur langfristigen Nachsorge.

Strukturierte Kriterien für konservative und operative Eingriffe

Die Leitlinie unter dem Titel „Diagnostik und Therapie osteoporotischer thorakolumbaler Wirbelfrakturen“ ist unter der AWMF-Nummer 187-063 registriert, weist den Stand vom 15. April 2025 auf und ist bis zum 14. April 2030 gültig. Sie wird auch im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) thematisiert, der vom 20. bis 23. Oktober 2026 in Berlin stattfindet.

Wie DGOU-Präsident Frank Hildebrand hervorhob, bestehe das vorrangige Ziel der Empfehlungen darin, die Versorgung sowie die Lebensqualität älterer Betroffener zu verbessern.

Ein Kernstück der Leitlinie ist ein strukturierter Algorithmus zur systematischen Abwägung zwischen konservativen und operativen Maßnahmen. Die DGOU stellt klar, dass nicht jede Wirbelfraktur chirurgisch versorgt werden muss.

Der konservative Ansatz stützt sich auf eine Schmerztherapie, angepasste Bewegung, Physiotherapie und eine medikamentöse Osteoporosetherapie. Bei instabilen Brüchen oder anhaltenden Beschwerden kann eine minimalinvasive Operation erwogen werden.

Häufigkeit, Risikofaktoren und Krankheitsverlauf

Vertebrale Frakturen stellen eine erhebliche Belastung im Gesundheitssystem dar. Nach Angaben der DGOU ereignen sich in Europa jährlich rund 400.000 Knochenbrüche an den Rückenwirbeln; bei den über 80-Jährigen ist mehr als jeder Zweite davon betroffen.

Der natürliche Knochenabbau setzt bereits ab einem Alter von ungefähr 30 Jahren ein, während sich die Osteoporose zumeist nach dem 50. Lebensjahr manifestiert. Nach Einschätzung von Uwe Maus von der DGOU bilden sich bei der Erkrankung Knochendichte und Knochenstruktur zurück; die Leitlinie benennt insgesamt 33 relevante Risikofaktoren.

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Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) verweist darauf, dass Frauen mehr als viermal so häufig an Osteoporose erkranken wie Männer. Als Hauptursache gilt der rasche Abfall des Östrogenspiegels während der Wechseljahre.

Fachleute der DGOU empfehlen ab dem 50. Lebensjahr eine gezielte ärztliche Beratung bei Vorliegen von Risikofaktoren und sprechen sich ab einem Alter von 70 Jahren für eine generelle Abklärung der Knochengesundheit aus.

Diagnostik, T-Werte und Kostenregelungen

Als Standardverfahren für die Untersuchung der Knochendichte fungiert die sogenannte DXA-Messung. Die DGOU hält eine Bestimmung an beiden Hüften sowie an der Lendenwirbelsäule für optimal. Messtechnisch liegt eine Osteoporose vor, wenn der sogenannte T-Wert unter -2,5 sinkt. Ein Wert zwischen 0 und -1 spiegelt demgegenüber eine gesunde Knochendichte wider.

Liegt kein konkreter Krankheitsverdacht vor, müssen Patienten die Untersuchung selbst finanzieren; die Kosten beziffert die DGOU auf 30 bis 70 Euro. Nach einem erlittenen Knochenbruch oder im Vorfeld einer geplanten medikamentösen Therapie übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Untersuchung.

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Bei einer bereits gesicherten Diagnose besteht zudem alle fünf Jahre ein Anspruch auf eine erneute Messung. Die Verbraucherzentrale NRW stellte in einem Marktcheck aus dem Jahr 2024 jedoch fest, dass manche Praxen die Leistung dennoch ausschließlich als Selbstzahlerleistung anbieten.

Prävention über Ernährung und körperliche Aktivität

Zur gezielten Vorbeugung und Unterstützung der Knochenstabilität spielt die Nährstoffversorgung eine zentrale Rolle. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) verweist darauf, dass sich der tägliche Kalziumbedarf über Gemüsesorten wie Brokkoli, Grünkohl und Rucola oder über Mineralwässer decken lässt, die mehr als 150 bis 600 Milligramm Kalzium pro Liter aufweisen.

Ergänzend ist eine ausreichende Zufuhr von Vitamin D erforderlich. Neben der Ernährung empfiehlt die DGOU regelmäßiges Krafttraining sowie koordinative Bewegungsmethoden wie Yoga oder Tai-Chi, um die Muskulatur zu stärken und das Sturzrisiko zu minimieren.

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