Wirbelfrakturen, Brüche

Wirbelfrakturen: 400.000 Brüche pro Jahr in Europa, über 80-Jährige besonders betroffen

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 05:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die S2k-Leitlinie verbindet medikamentöse Behandlung mit Bewegung und Nährstoffversorgung, um Knochenbrüchen bei Osteoporose entgegenzuwirken.
Minimalistische Architektur mit klaren Linien und Sonnenlicht auf einem Steinboden, symbolisch für Stabilität und Knochengesundheit. Illustration mit AI erstellt.

Die gezielte Kombination von Kalzium und Vitamin D ist für die Stabilität des Skeletts von zentraler Bedeutung. Wie die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) in einem Bericht vom 15. Oktober 2026 hervorhebt, betonen mehrere Fachpublikationen die synergetische Wirkung beider Stoffe, um die Knochendichte zu steigern und das Frakturrisiko bei Senioren wirksam zu senken.

Bei einer diagnostizierten Osteoporose empfiehlt die neue medizinische Leitlinie daher ein ganzheitliches Vorgehen aus medikamentöser Therapie, Bewegung, kalziumreicher Ernährung und einer ausreichenden Vitamin-D-Zufuhr.

Leitlinien und Risikofaktoren bei Wirbelfrakturen

Die DGOU hat gemeinsam mit der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft (DWG) und 17 weiteren Organisationen erstmals die S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie osteoporotischer thorakolumbaler Wirbelfrakturen“ (AWMF 187-063, Stand 15. April 2025, gültig bis 14. April 2030) veröffentlicht.

Die Dimension der Erkrankung ist erheblich: Jährlich ereignen sich in Europa rund 400.000 Wirbelbrüche. Bei den über 80-Jährigen ist mehr als jeder Zweite von solchen Frakturen betroffen. Die Fachgesellschaft empfiehlt daher eine gezielte Osteoporoseabklärung ab dem 70. Lebensjahr. Zudem wird das Thema auf dem DKOU-Kongress vom 20. bis 23. Oktober 2026 in Berlin behandelt.

Nicht jede Fraktur erfordert einen chirurgischen Eingriff. Eine konservative Behandlung stützt sich auf Schmerztherapie, Physiotherapie, Bewegung und eine gezielte Osteoporose-Therapie; im Anschluss an einen Bruch sollte stets eine Knochendichtemessung erfolgen.

Uwe Maus von der DGOU verwies darauf, dass sich bei Osteoporose Knochendichte und -struktur kontinuierlich zurückbilden. Daten des BIÖG zeigen, dass Frauen mehr als viermal so häufig erkranken wie Männer, was vor allem auf den Östrogenabfall in den Wechseljahren zurückgeht.

Während der Knochenabbau bereits ab etwa 30 Jahren einsetzt, manifestiert sich die Erkrankung meist nach dem 50. Lebensjahr. Die Leitlinie führt 33 Risikofaktoren auf; ab 50 Jahren wird bei Vorliegen von Risiken eine ärztliche Beratung angeraten, ab 70 Jahren eine Messung der Knochendichte.

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Ernährung, Bewegung und Supplementierung im Zusammenspiel

Zur Prävention und Stabilisierung tragen nach Angaben von Fachleuten Krafttraining und Balanceübungen wie Yoga oder Tai-Chi bei. Für die Zufuhr von Kalzium verweist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) auf Gemüsesorten wie Brokkoli, Grünkohl und Rucola sowie auf Mineralwasser mit einem Gehalt von über 150 mg/l bis hin zu 600 mg/l. Auch Heilwässer mit mindestens 250 mg Kalzium pro Liter können zur Bedarfsdeckung beitragen.

Für ältere Menschen liegt die empfohlene tägliche Kalziumaufnahme bei 1000 bis 1200 mg, vorzugsweise über die Nahrung. Sofern Kalziumpräparate genutzt werden, sollte die tägliche Gesamtdosis 2000 mg und die Einzeldosis 500 mg nicht überschreiten.

Um die Aufnahme nicht zu behindern, ist ein zeitlicher Abstand von mindestens drei Stunden zu Kaffee, Tee oder oxalatreichen Speisen sowie von mindestens zwei Stunden zu Zink- oder Eisenpräparaten einzuhalten.

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Vitamin D fördert die Aufnahme von Kalzium und Phosphat im Darm. Ein normaler Vitamin-D-Spiegel liegt über 30 ng/mL. Bei einem Mangel kommen orale Gaben von täglich 800 bis 2000 IU oder halbjährliche intramuskuläre Dosen von 600.000 Einheiten infrage. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die US-Arzneimittelbehörde FDA beziffern die tägliche Sicherheitsgrenze auf 4000 IE.

In den Niederlanden empfiehlt der Gezondheidsraad allen Bürgern ab 70 Jahren eine tägliche Zufuhr von 20 Mikrogramm Vitamin D zur Fraktursenkung; für Stoffe wie Vitamin K2 oder Magnesium sprach das Gremium dagegen keine allgemeine Supplementierungsempfehlung aus.

Diagnostische Kriterien

In der Diagnostik bildet die DXA-Messung an der Lendenwirbelsäule und der Hüfte den klinischen Standard. Ein T-Wert von unter -2,5 gilt dabei messtechnisch als Osteoporose. Dieser Wert wird bei postmenopausalen Frauen und Männern ab 50 Jahren herangezogen, während bei jüngeren Patientengruppen der Z-Wert maßgeblich ist.

Neben einer individuell abgestimmten Medikation bilden Bewegung und die kombinierte Bereitstellung von Kalzium und Vitamin D die Säulen, um das Risiko erneuter Knochenbrüche im Alter zu senken.

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