Wirbelbrüche, Symptome

Wirbelbrüche ohne Symptome: Männer fast doppelt so häufig betroffen wie Frauen

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine UK-Biobank-Auswertung findet bei Männern öfter unbemerkte Wirbelbrüche und zeigt begrenzte Trefferquoten herkömmlicher Prognosen.
Ein anatomisches Modell der menschlichen Wirbelsäule in einem sterilen, klinischen Umfeld. Illustration mit AI erstellt.

Asymptomatische Kompressionsfrakturen der Wirbelsäule bleiben im klinischen Alltag häufig unbemerkt, betreffen Männer jedoch deutlich häufiger als Frauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Oktober 2026 in der Fachzeitschrift European Radiology veröffentlichte Auswertung von Daten der britischen UK Biobank. Die Untersuchung liefert neue Einblicke in Geschlechterunterschiede und zeigt deutliche Grenzen herkömmlicher Risikomodelle auf.

Hohe Dunkelziffer bei unentdeckten Kompressionsfrakturen

Für die Untersuchung werteten Forschende DXA-Scans aus den Jahren 2014 bis 2016 von insgesamt 2.446 Erwachsenen im Alter zwischen 40 und 79 Jahren aus. Das mittlere Alter der Kohorte lag bei 62 Jahren, 1.151 der Teilnehmenden waren Männer.

Bei 356 Personen – dies entspricht 14,6 Prozent der Untersuchten – wurden mittelschwere oder schwere asymptomatische Wirbelkompressionsfrakturen festgestellt.

Die Häufigkeit stieg mit zunehmendem Lebensalter deutlich an: Während in der Altersgruppe der 40-Jährigen eine Prävalenz von 9,4 Prozent erfasst wurde, lag dieser Wert bei den 70-Jährigen bei 19,6 Prozent. Auffallend war die ungleiche Verteilung zwischen den Geschlechtern.

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Bei den untersuchten Männern betrug der Anteil der Betroffenen 18,8 Prozent, während er bei Frauen bei 10,8 Prozent lag. In einer multivariaten Analyse wiesen Frauen ein um 49 Prozent niedrigeres Risiko für solche Frakturen auf als Männer.

Risikofaktoren und Schwachstellen herkömmlicher Prognosen

Die Analyse der Risikofaktoren ergab unerwartete Zusammenhänge. Eine bestehende Osteopenie führte zu keinem erhöhten Risiko für die stummen Wirbeleinbrüche. Eine diagnostizierte Osteoporose steigerte das Risiko um weniger als das Zweifache.

Demgegenüber ging Adipositas, gemessen am Body-Mass-Index, mit einem rund zweifach erhöhten Risiko einher. Zudem bestand kein nachweisbarer Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Rückenschmerzen und den vorliegenden asymptomatischen Frakturen.

Ein im Rahmen der Studie erprobtes Prädiktionsmodell zur Erkennung der Frakturen erreichte lediglich eine Sensitivität von 44,4 Prozent. Der Leiter der Untersuchung, Prof. David John Wilson aus Oxford, betonte vor diesem Hintergrund die Notwendigkeit, DXA-Untersuchungen opportunistisch für eine gezielte morphologische Bewertung der Wirbelsäule zu nutzen, um bestehende Brüche nicht zu übersehen.

Muskelkraft, Knochendichte und Versorgungslücken

Dass die Knochendichte allein nicht das gesamte Frakturgeschehen erklärt, bestätigen auch weitere wissenschaftliche Beobachtungen. Eine schwedische Studie an über 1.000 Frauen aus Malmö ging der Frage nach, warum manche ältere Patientinnen trotz Osteoporose frakturfrei bleiben, während andere trotz hoher Knochendichte wiederholte Knochenbrüche erleiden.

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Kristina Åkesson, Oberärztin für Orthopädie am Skånes Universitetssjukhus Malmö und Professorin in Lund, hob in diesem Kontext hervor, dass körperliche Aktivität, der Erhalt von Muskelkraft sowie regelmäßiges Balancetraining das Risiko wirksam senken können.

Zwar gehe eine niedrige Knochendichte generell mit einem höheren, altersabhängig steigenden Risiko einher, funktionelle Faktoren spielten jedoch eine zentrale Rolle.

Gleichzeitig verweisen Fachleute auf erhebliche Diagnose- und Dokumentationsdefizite. In der Fachzeitschrift Bone wiesen Rheumatologen des Complexity Science Hub sowie des Ludwig Boltzmann Institute for Osteology aus Wien darauf hin, dass many Knochenbrüche frühe Anzeichen einer Osteoporose darstellen, in der Praxis jedoch oft unerkannt und undokumentiert bleiben.

Nach Einschätzung der Wiener Institute stellen Männer hierbei den am stärksten betroffenen Personenkreis dar, der im medizinischen Alltag als blinder Fleck gelte. Die Forschenden forderten anhand der vorliegenden Daten eine strengere und konsequentere Bewertung der Knochengesundheit bei beiden Geschlechtern.

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