Wildtierhandel, Biodiversität

Wildtierhandel umfasst 107.356 Arten weltweit

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine Untersuchung unter Leitung der Universität Melbourne erfasst mehr als doppelt so viele gehandelte Arten wie frühere Schätzungen. Die Forscher sehen große Lücken bei internationalen Handelsdaten und fordern eine koordinierte Dokumentation.

Handelsumfang reicht weit über Tiere hinaus

  • Die Studie erfasst 107.356 wildlebende Tier-, Pflanzen- und Pilzarten im weltweiten Handel.
  • Allein die US-Datenbank dokumentiert seit 2000 den Handel mit mehr als 21.000 Tierarten.
  • Der Handel hat laut Studie zum Aussterben von 294 Arten weltweit beigetragen.
  • Wenn es um Handel mit Wildtieren geht, denken viele gleich an bedrohte Arten wie Schuppentiere - aber es geht um viel mehr. (Archivbild) - Bild: Themba Hadebe/AP/dpa
  • Zierfische werden weltweit gehandelt. (Archivbild) - Bild: Silas Stein/dpa
  • Auch der Handel mit Heilpflanzen wie Arnika wurde untersucht. (Archivbild) - Bild: Daniel Karmann/dpa
  • Tropenholz ist ein wichtiges, aber umstrittenes Handelsgut. (Archivbild) - Bild: Georg Ismar/dpa
Wenn es um Handel mit Wildtieren geht, denken viele gleich an bedrohte Arten wie Schuppentiere - aber es geht um viel mehr. (Archivbild) - Bild: Themba Hadebe/AP/dpa Zierfische werden weltweit gehandelt. (Archivbild) - Bild: Silas Stein/dpa Auch der Handel mit Heilpflanzen wie Arnika wurde untersucht. (Archivbild) - Bild: Daniel Karmann/dpa Tropenholz ist ein wichtiges, aber umstrittenes Handelsgut. (Archivbild) - Bild: Georg Ismar/dpa

Studie erfasst mehr als 107.000 gehandelte Arten

Der weltweite Handel mit wildlebenden Tieren, Pflanzen und Pilzen umfasst mindestens 107.356 Arten und damit mehr als doppelt so viele wie bislang angenommen. Eine unter Leitung der Universität Melbourne veröffentlichte Studie warnt zugleich vor erheblichen Datenlücken und möglichen Folgen für die biologische Vielfalt.

Die Untersuchung erschien im Fachjournal «Science Advances». Sie erfasst mehr als 47.000 Tierarten sowie fast 50.000 genutzte Pflanzenarten und Pilze.

Milliardenmarkt mit legalem Schwerpunkt

Zu den Handelsgütern zählen unter anderem Tropenholz, Heilpflanzen, Zierfische und Morcheln. Frühere Schätzungen, darunter eine Analyse des Weltbiodiversitätsrats IPBES, waren von rund 50.000 international gehandelten Arten ausgegangen.

Der größte Teil des Handels ist nach den Berechnungen der Forscher legal. Sein jährlicher Wert liegt demnach bei 220 bis 300 Milliarden US-Dollar, während der illegale Handel auf geschätzte 28,4 bis 39,5 Milliarden Dollar kommt.

Gehandelte Populationen deutlich kleiner

Für Arten mit verfügbaren Daten waren die Bestände gehandelter Populationen im Durchschnitt 50 bis 60 Prozent kleiner als die nicht gehandelter Populationen. Der Handel habe zudem direkt oder indirekt zum weltweiten Aussterben von 294 Arten beigetragen.

Weitere 25 Arten seien in freier Wildbahn verschwunden und überlebten nur noch in menschlicher Obhut. In 192 Fällen seien Populationen regional vollständig verschwunden.

Datenlage bleibt international lückenhaft

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES erfasst vor allem den internationalen Handel mit gefährdeten Arten. Andere Datenbanken konzentrieren sich etwa auf Fischerei oder Holz und bilden den gesamten Handel deshalb nicht ab.

Eine vergleichsweise umfassende Erfassung gibt es in den USA. Das Informationssystem Lemis dokumentiert dort seit dem Jahr 2000 den Handel mit mehr als 21.000 wildlebenden Tierarten.

Forscher fordern gemeinsame Standards

Für viele Länder fehlen vergleichbare Daten. Laut Originalstudie waren 25 Prozent der erfassten gehandelten Vogelarten ausschließlich in der US-Datenbank verzeichnet, bei Säugetieren waren es 54 Prozent.

Die Wissenschaftler fordern deshalb eine systematischere und international abgestimmte Erfassung. Bestehende Zoll- und veterinärrechtliche Kontrollverfahren könnten genutzt werden, um Handelsdaten umfassender zu dokumentieren und die Folgen für die Artenvielfalt besser zu bewerten.

Die Studie erweitert den Blick auf den Handel mit wildlebenden Arten deutlich: Erfasst werden nicht nur bekannte Fälle des illegalen Handels mit charismatischen Tieren, sondern auch legale und alltägliche Waren wie Holz, Heilpflanzen, Zierfische und Pilze. Damit rückt ein Wirtschaftsfeld in den Mittelpunkt, das zugleich Versorgung, Einkommen, Artenschutz und Biodiversität berührt.

Die geschätzten Bestandsunterschiede zwischen gehandelten und nicht gehandelten Populationen zeigen, dass nicht allein der illegale Markt Risiken verursacht. Auch legaler Handel kann problematisch werden, wenn Entnahmen schneller erfolgen als die betroffenen Arten oder Populationen sich regenerieren. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist deshalb häufig nicht nur die Frage entscheidend, ob ein Produkt legal gehandelt wird, sondern auch, ob seine Herkunft und Entnahme nachvollziehbar sind.

Mehr Daten für wirksamen Artenschutz

Die zentrale politische Konsequenz liegt in einer besseren Datengrundlage. Internationale Abkommen wie CITES erfassen wichtige Teile des grenzüberschreitenden Handels, bilden aber nicht sämtliche Arten, Warenströme und Entnahmen ab. Unterschiedliche nationale Register erschweren Vergleiche und können Lücken bei Kontrollen schaffen.

Eine abgestimmte Dokumentation könnte Behörden helfen, besonders gefährdete Populationen früher zu erkennen und Handelsregeln gezielter anzupassen. Zugleich würde sie die Bewertung legaler Lieferketten verbessern. Solange große Teile des Handels nicht systematisch erfasst werden, bleibt der tatsächliche Druck auf viele Arten schwer abschätzbar.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70437476 |