Wildpilze: BVL warnt vor erhöhter Vergiftungsgefahr in der Saison
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 15:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im September 2026 hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vor einer erhöhten Vergiftungsgefahr beim Sammeln von Wildpilzen gewarnt.
Durch feuchte Witterung füllen sich derzeit in vielen Regionen Deutschlands die Körbe, doch der Start in die Hauptsaison birgt erhebliche Risiken für Sammler. Um schwerwiegenden Zwischenfällen vorzubeugen, formulierte die Bundesbehörde sieben zentrale Verhaltensregeln für den Umgang mit wild wachsenden Pilzen.
Sicherheitshinweise des Bundesamtes für Verbraucherschutz
Das BVL mahnt Sammler zur Vorsicht: Grundsätzlich sollten ausschließlich Pilze gesammelt werden, die sich vollkommen zweifelsfrei bestimmen lassen. Unbekannte Exemplare gehören nicht in den Korb und dürfen keinesfalls verzehrt werden. Zudem betont die Behörde, dass Wildpilze grundsätzlich nicht roh gegessen, sondern vor dem Verzehr ausreichend erhitzt werden müssen.
Treten nach einer Mahlzeit Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen auf, rät das BVL dazu, unverzüglich ärztlichen Rat einzuholen oder ein Giftinformationszentrum zu kontaktieren.
Bei einem Vergiftungsverdacht sollte niemals künstlich Erbrechen ausgelöst oder Milch getrunken werden. Für eine exakte Diagnose sind Reste der Mahlzeit oder Putzabfälle aufzubewahren. Zudem sollten alle Personen, die mitgegessen haben, informiert und ärztlich untersucht werden.
Gefahren gehen dabei nicht nur von originären Giftpilzen aus: Auch alte, eigentlich essbare Pilze können infolge von Zersetzungsprozessen ihres Eiweißgehalts typische Symptome einer Lebensmittelvergiftung hervorrufen. Ein besonders hohes Verwechslungsrisiko besteht generell bei Lamellenpilzen.
Skepsis gegenüber Bestimmungs-Apps und künstlicher Intelligenz
Fachleute raten dringend davon ab, sich beim Bestimmen im Wald auf digitale Hilfsmittel zu verlassen. Pilzexperte Lutz Helbig erklärte gegenüber dem rbb, dass von Bestimmungs-Apps abzuraten sei, da diese zu fatalen Verwechslungen führen könnten. Bei bestehender Unsicherheit sollten stattdessen geprüfte Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) oder kommunale Beratungsstellen aufgesucht werden.
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Auch Pilzsachverständige in Thüringen warnen vor dem Einsatz von künstlicher Intelligenz, Fotos oder Videos zur Pilzbestimmung und lehnen reine Online-Beratungen ab. Gleichzeitig dünnt das Beratungsnetzwerk aus: Im Freistaat Thüringen stehen aktuell noch 42 ehrenamtliche Pilzberater zur Verfügung, während es vor acht Jahren fast 70 waren.
Volle Wälder, seltene Funde und erste Notfälle
Fachleute wie Yvonne Gießler-Stumpf vom Vorstand der Thüringer Arbeitsgemeinschaft Mykologie berichten von vollen Wäldern im Thüringer Wald, wo Niederschläge die Körbe füllen. Funde von Steinpilzen, Maronen, Sandpilzen, Hexenröhrlingen, Rotkappen, Birkenpilzen, Reizkern und Täublingen häufen sich vor allem auf sandigen Böden.
Die Saison verlagere sich seit einigen Jahren zunehmend in den September und starte selten vor dem 15. September. Thüringen beherbergt rund 500 mit bloßem Auge sichtbare Pilzarten, von denen etwa 100 als Speisepilze gelten; im Jahr 2025 wurden zudem zehn bislang unbekannte Arten im Biosphärenreservat Thüringer Wald entdeckt.
Gleichzeitig verzeichneten Behörden und Experten bereits erste gemeldete Vergiftungen. Im sächsischen Osterzgebirge beobachten die Pilzberater Marko Feldmann und Emily Feldmann eine Pilzschwemme, warnen jedoch vor Verwechslungen. Das zuständige Giftinformationszentrum erhalte vermehrt Anfragen aus Sachsen. Zu den riskanten Sichtungen in der Region zählten der weiße grüne Knollenblätterpilz sowie ein Fund des giftigen Satansröhrlings in Chemnitz.
Bestimmungs-Apps, Fotos oder KI-Tools führen laut Fachleuten zu fatalen Verwechslungen — besonders bei Lamellenpilzen. Wer trotzdem sammelt, sollte wissen, wie er im Verdachtsfall richtig reagiert: Der kostenlose Ratgeber liefert einen klaren Notfallplan und eine Verwechslungs-Checkliste für die riskanteste Pilzgruppe. Notfallplan & Verwechslungs-Checkliste sichern
Dass Unachtsamkeit im Wald lebensbedrohlich sein kann, zeigte ein Vorfall vom 20. September 2026 in der Oberpfalz: Im bayerischen Parkstein wurde ein 35-jähriger Sammler aus Weiden mit Verdacht auf eine Pilzvergiftung in eine Spezialklinik eingeliefert.
Der Mann führte auf seinem Fahrrad einen Korb mit hochgiftigen Fliegen- und Knollenblätterpilzen mit sich und konnte laut Polizei kaum noch gehen oder sprechen. Zwar konnte ein tödlicher Ausgang nach ärztlicher Behandlung ausgeschlossen werden, der Vorfall verdeutlicht jedoch die Gefahren der laufenden Saison.
