Wiesbaden, Friedhöfe

Wiesbaden: 21 Friedhöfe werden zu Grünkorridoren umgebaut

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Wiesbaden will alle 21 Friedhöfe erhalten, Flächen ökologisch umgestalten und Gebühren bezahlbar halten; der Entwicklungsplan ist noch nicht beschlossen.

Wiesbaden plant neue Nutzung für 21 kommunale Friedhöfe
Ein friedlicher, parkähnlicher Friedhof mit alten Bäumen, grünen Wegen und historischen Grabsteinen im sanften Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Der anhaltende Wandel in der Bestattungskultur stellt Städte und Gemeinden vor neue infrastrukturelle Aufgaben. Weil Urnenbeisetzungen die traditionelle Erdbestattung im Sarg weitgehend verdrängt haben, sinkt der Flächenbedarf auf Friedhöfen spürbar.

Wie eine Kommune auf diese Entwicklung reagieren kann, zeigt ein neu erarbeiteter Entwicklungsplan für alle 21 kommunalen Friedhöfe der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Bürgermeisterin Christiane Hinninger und ein Planungsbüro stellten die entsprechende Untersuchung vor, wie das Portal wiesbaden.de in einem Bericht vom 21. September 2026 darlegte. Kernziel des Konzepts ist der vollständige Erhalt aller 21 Friedhofsstandorte im Stadtgebiet.

Sinkender Flächenbedarf trotz leicht steigender Sterbezahlen

Die statistischen Erhebungen der hessischen Landeshauptstadt spiegeln veränderte Präferenzen der Bevölkerung wider. In Wiesbaden machen Urnenbestattungen inzwischen rund 80 Prozent aller Beisetzungen aus. Zwar führt die Demografie dazu, dass die Zahl der Bestattungen bis zum Jahr 2040 voraussichtlich leicht steigen wird, der eigentliche Bedarf an Bestattungsflächen geht jedoch kontinuierlich zurück.

Diese Tendenz zeigt sich auch auf Bundesebene: Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Bestatter werden in ganz Deutschland inzwischen 80 Prozent der Verstorbenen feuerbestattet. Auch im benachbarten rheinland-pfälzischen Rhein-Lahn-Kreis haben Urnenbeisetzungen deutlich zugenommen; die ehemals vorherrschende Erdbestattung im Sarg wird dort nur noch von einer Minderheit gewählt.

Ökologische Grünkorridore und Bürgerbeteiligung

Das Wiesbadener Planungskonzept begegnet den frei werdenden Kapazitäten mit einer gezielten Umgestaltung der Friedhofsareale. Vorgesehen sind unter anderem eine ökologische Aufwertung sowie die Einbindung der Friedhöfe in städtische Grünkorridore, wodurch die Flächen über ihre Bestattungsfunktion hinaus als klima- und naturrelevante Bereiche gestärkt werden sollen. Ein weiteres zentrales Ziel besteht darin, die kommunalen Friedhofsgebühren langfristig bezahlbar zu halten.

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Bereits im Jahr 2025 war die Bevölkerung aktiv an der Erarbeitung des Konzepts beteiligt worden. Bürgerinnen und Bürger konnten sich damals online sowie über eigens aufgestellte Abstimmungsgeräte auf fünf Friedhöfen und im Bürgerbüro in die Planungen einbringen.

Der Weg durch die politischen Gremien

Der vorgelegte Entwicklungsplan ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht formell beschlossen. Vorgesehen ist, die Ausarbeitungen zunächst in den Ortsbeiräten vorzustellen und im Anschluss in die weiteren städtischen Gremien einzubringen. Konkrete Einzelmaßnahmen sowie Anpassungen der Gebührenstrukturen werden im weiteren Verfahren separat behandelt. Die vollständige Studie steht unter der Adresse www.friedhoefe-wiesbaden.de zur Einsicht bereit.

Ergänzende Angebote und veränderte Gesetze in der Region

Die Entwicklung in Wiesbaden fügt sich in einen überregionalen Strukturwandel der Trauerkultur ein, bei dem vielerorts neue Nutzungsformen entstehen. So wird im benachbarten Frankfurt am Main Ende September 2026 mit der ehemaligen katholischen Gemeindekirche St. Michael im Nordend die erste Begräbniskirche Hessens eröffnet, in der bereits seit Mitte Juli 2026 Urnenbeisetzungen stattfinden.

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Ein Entwicklungsplan für 21 Friedhöfe steht erst am Anfang: Zuerst Ortsbeiräte, dann die weiteren Gremien — und ohne belastbare Beteiligung wird es in dieser Phase politisch eng. Die Checkliste führt Sie durch die Bürgerbeteiligung online und vor Ort, damit Ihr Konzept die Gremienrunde übersteht. Checkliste Bürgerbeteiligung jetzt sichern

Nach Angaben des Bistums Limburg existieren bundesweit mittlerweile rund 50 Begräbnis- oder Urnenkirchen. Zudem öffnen sich gesetzliche Rahmenbedingungen in angrenzenden Regionen: Das neue Bestattungsgesetz in Rheinland-Pfalz ermöglicht unter anderem Beisetzungen in Flüssen sowie Urnengräber, in denen Mensch und Haustier nebeneinander bestattet werden können.

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