Widerrufsbutton: EU-Richtlinie erlaubt Online-Verträge per Knopfdruck
19.06.2026 - 17:31:11 | boerse-global.de
Die EU-Richtlinie 2023/2673 ist in nationales Recht umgesetzt – mit weitreichenden Folgen für den E-Commerce.
So funktioniert der neue Widerrufsbutton
Anbieter müssen auf ihren Webseiten und in Apps eine ständig sichtbare Widerrufsfunktion integrieren. Ein Button oder Link mit der Beschriftung „Vertrag widerrufen“ reicht aus. Der Gesetzgeber sieht ein zweistufiges Verfahren vor: Zuerst geben Verbraucher grundlegende Daten zur Vertragsidentifikation ein – Name, E-Mail-Adresse sowie Bestell- oder Vertragsnummer. Ein Login oder eine Registrierung ist nicht nötig.
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Im zweiten Schritt folgt die Bestätigung durch den Nutzer. Das Unternehmen muss den Eingang des Widerrufs unverzüglich elektronisch bestätigen. Die gesetzliche Widerrufsfrist von 14 Tagen bleibt bestehen. Allerdings kann sich diese Frist bei fehlerhaften Belehrungen auf bis zu ein Jahr und 14 Tage verlängern.
Wer ist betroffen – und wer nicht
Die Pflicht gilt für ein breites Spektrum des Online-Handels: klassische Online-Shops, Buchungsportale, Streaming-Anbieter, Finanzdienstleister und Marktplätze wie Amazon oder eBay. Betroffen sind Fernabsatzverträge zwischen Unternehmen und Verbrauchern, sofern ein gesetzliches Widerrufsrecht besteht.
Es gibt jedoch Ausnahmen. Die Button-Pflicht entfällt bei:
- Waren, die nach Kundenspezifikation angefertigt wurden
- schnell verderblichen Gütern
- versiegelten Hygieneartikeln, deren Siegel nach Lieferung entfernt wurde
- Dienstleistungen wie Personenbeförderung und Beherbergung zu bestimmten Terminen
- Konzert- oder Veranstaltungstickets
- bereits entsiegelten Datenträgern wie Blu-Rays oder CDs
Geteilte Reaktionen aus Politik und Wirtschaft
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Verbraucherschutzministerin Stefanie Hubig begrüßt die Regelung als Stärkung der Verbraucherrechte im digitalen Raum. Eine YouGov-Umfrage vom 8. bis 10. Juni 2026 unter 2.071 Teilnehmern untermauert dies: Rund 79 Prozent der Befragten empfinden den neuen Widerrufsbutton als deutliche Erleichterung.
Die Wirtschaft sieht das anders. Stefan Genth vom Handelsverband kritisiert die zusätzliche Bürokratielast. Der Bundesverband E-Commerce und der Bundesverband Onlinehandel warnen vor Missbrauch durch automatisierte Bots und einem steigenden Risiko für Retourenbetrug. Alien Mulyk vom Bundesverband E-Commerce verweist zudem auf die akute Abmahngefahr bei technischen Umsetzungsfehlern.
Die neue Regelung ergänzt den seit 2022 etablierten Kündigungsbutton um eine analoge Funktion für den Widerruf. Die formellen Hürden bei der Rückabwicklung von Online-Geschäften dürften sich dadurch nachhaltig verändern.
