WHO-Strategie bis 2034: Neue Reihe dokumentiert Schröpftherapie und TCM
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 03:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas Globale Zentrum für Traditionelle Medizin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 23. Oktober 2026 eine neue Arbeitspapier-Reihe zu Praktiken der traditionellen, komplementären und integrativen Medizin (TCIM) gestartet. Den Auftakt bildet ein Papier zur Schröpftherapie unter dem Titel „Cupping therapy: descriptive synthesis of training“.
Die Publikation untersucht Trainingswege, Curricula, Kompetenzanforderungen, Lernoutcomes, Bewertungsmethoden sowie Trainerqualifikationen und Zertifizierungsarrangements mit einem Schwerpunkt auf dem Schröpfen im Rahmen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM).
Einordnung im Rahmen der globalen WHO-Strategie
Wie die WHO klarstellte, handelt es sich bei dem im Oktober 2026 vorgelegten Dokument um eine deskriptive wissenschaftliche Bestandsaufnahme auf Grundlage eines systematischen Scoping-Reviews. Es setzt keine verbindlichen Trainingsstandards fest und stellt keine allgemeine Empfehlung für die Schröpftherapie dar.
Die Veröffentlichung ist als nicht-normative Referenz klassifiziert und richtet sich an politische Entscheidungsträger, Gesundheitsbehörden, Ausbildungseinrichtungen, Forscher sowie medizinisches Personal.
Die Reihe ist Bestandteil der WHO-Strategie für Traditionelle Medizin 2025–2034. Sie soll vollständige traditionelle Medizinsysteme und einzelne Therapieverfahren anhand wissenschaftlicher Evidenz, bestehender Anerkennungsrahmen und Expertenmeinungen abbilden. Für den Zeitraum 2026–2027 plant die Organisation weitere Arbeiten zu Chiropraktik, Siddha, Taijiquan, Nuad Thai sowie Ausbildungsstandards in der TCM.
Methodische Defizite und Evidenzprobleme in klinischen Studien
Die Notwendigkeit fundierter Dokumentationen spiegelt sich in den anhaltenden Herausforderungen bei der Evidenzbewertung klinischer TCM-Studien wider. Autoren eines Fachbeitrags benennen die geringe Homogenität klinischer Untersuchungen als Kernproblem der Evidenzbewertung.
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Gleichnamige Rezepturen dürften aufgrund von Modifikationen oder Dosierungsunterschieden nicht als identische Intervention gewertet werden. Zudem beeinflussten Herkunft, Anbau, Extraktion und Verarbeitung der Arzneidrogen die Wirksamkeit. Auch eine ausgeprägte Heterogenität bei der Syndromdifferenzierung sei verbreitet.
Fachautoren empfehlen daher, klinische Untersuchungen zunächst mit wirkstoffärmeren klassischen Rezepturen zu beginnen, wie etwa Gualou Xiebai Baijiu Tang bei Beschwerden mit Husten, Auswurf, Kurzatmigkeit sowie Brust- und Rückenschmerzen.
Zu den verbreiteten methodischen Mängeln zählen nach Angaben der Autoren unzureichende Angaben zur Randomisierungssequenz und Allokationsverdeckung, schwer umsetzbare Verblindungen sowie Stichprobengrößen von meist unter 100 Fällen.
Häufig fehlten Intention-to-Treat-Analysen sowie Berichte über Therapieabbrüche und Nachbeobachtungsausfälle. Zudem seien Beobachtungszeiträume meist kurz und Sicherheitsbewertungen etwa zu Leber- und Nierentoxizität lückenhaft.
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Heterogene Evidenzlage in klinischen Auswertungen
Auf die variierende Qualität verweisen auch Erhebungen des Beijing Tsinghua Changgung Hospital. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 poolte 22 randomisierte Studien mit insgesamt 1934 Teilnehmern, während eine frühere Cochrane-Übersicht sieben Studien mit 542 Frauen umfasste. Beide Arbeiten wurden mit einem hohen Bias-Risiko und sehr geringer Evidenzqualität bewertet.
In einer randomisierten doppelblinden Doppel-Dummy-Studie des Krankenhauses zu modifiziertem Bazheng San mit 122 Frauen traten binnen sechs Monaten fünf Rezidive in der Verum- und sieben in der Vergleichsgruppe auf (jeweils 61 Teilnehmerinnen pro Gruppe), was keine statistische Signifikanz ergab; lediglich 48 beziehungsweise 50 Frauen flossen in die finale Rezidivanalyse ein.
Eine dreiarrmige Untersuchung zu Sanjin-Tabletten aus dem Jahr 2008 mit 95 Frauen zeigte zwölf Rezidive bei 32 Patientinnen unter Sanjin-Tabletten, 13 bei 31 Patientinnen unter rotierender niedrigdosierter Antibiose und vier bei 32 Teilnehmerinnen in der Kombinationsgruppe.
Registrierungsinitiativen und fachlicher Diskurs
Parallel zur Debatte über Studiendesigns schreitet die Dokumentation im Fachbereich voran. Nach Angaben der Chinesischen Akademie der Chinesischen Medizinwissenschaften wurden bis dato 7697 Registriernummern vergeben, bei monatlich durchschnittlich 206 Registrierungsfreigaben und einer Abdeckung von 17 Ländern und Regionen.
Fragen der methodischen Weiterentwicklung standen zudem am 22. und 23. Oktober 2026 auf einem akademischen Symposium der Zhejiang Gesellschaft für Chinesische Medizin und der Zhejiang Chinese Medical University in Lanxi im Fokus.
Behandelt wurden unter anderem Zhang Shanleis Werk „Yangk e Gangyao“, Behandlungsansätze bei Geschwüren, KI-gestützte Studiendesigns für TCM-Schwerpunkte sowie die Methodik der TCM-Standardentwicklung und evidenzbasierte Forschung zur integrierten antithrombotischen Therapie.
Die Stadt Lanxi stellte vor Ort ihr lokales „Drei-Fünf“-Schwerpunktprojekt vor und präsentierte „Lanwuwei“-Produkte, gefolgt von Fachbesuchen bei den Unternehmen Tianyitang und China Resources Yingte Traditional Chinese Medicine.
