WHO-Strategie, Staaten

WHO-Strategie bis 2030: 53 Staaten setzen auf gesundes Altern

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 13:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das WHO-Rahmenwerk verbindet Prävention, angepasste Versorgung und altersgerechte Lebenswelten mit Erkenntnissen zu Demenzrisiken und Bewegung.
Ein friedlicher, sonnendurchfluteter Parkweg in einem Wald im Herbst, der für einen gesunden Lebensstil und Prävention steht. Illustration mit AI erstellt.

Die 53 Mitgliedstaaten der Europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben auf der 76. Tagung des Regionalkomitees in Kopenhagen einstimmig die Strategie „Altern ist Leben“ für die Jahre 2026 bis 2030 verabschiedet.

Das Rahmenwerk ist das Resultat eines fast zweijährigen Konsultationsprozesses, an dem mehr als 3.000 Beteiligte mitgewirkt haben. Hauptziel ist es, ein längeres Leben bei guter Gesundheit zu fördern und Versorgungsstrukturen an den demografischen Wandel anzupassen.

Die Strategie stützt sich auf vier Schwerpunkte: Krankheitsprävention und Funktionserhalt, die Weiterentwicklung der Versorgungssysteme, altersgerechte Lebensumfelder sowie die Bekämpfung von Altersdiskriminierung. Für sämtliche 53 Mitgliedstaaten werden begleitend Länderprofile für gesundes Altern und eine regionale Übersichtstafel erstellt.

Präventionspotenziale bei Demenzerkrankungen

Die Bedeutung vorbeugender Maßnahmen wird durch die Arbeit der Lancet-Kommission unterstrichen. Im Jahr 2020 stufte das Gremium gut 40 Prozent des Demenzrisikos als veränderbar ein.

Im Jahr 2024 bezifferte die Kommission den Anteil der weltweit verzögerbaren oder verhinderbaren Demenzfälle auf knapp die Hälfte beziehungsweise rund 45 Prozent, vorausgesetzt, alle 14 modifizierbaren Risikofaktoren werden konsequent adressiert.

Weltweit leben derzeit rund 55 Millionen Menschen mit Demenz, in Deutschland sind es etwa 1,8 Millionen, von denen schätzungsweise 1,2 Millionen an Alzheimer erkrankt sind.

Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl der Demenzbetroffenen über 65 Jahren in Deutschland bis 2050 auf 2,3 bis 2,7 Millionen steigen könnte. Zu den dokumentierten Risikofaktoren zählen unter anderem Alkoholkonsum, Rauchen, Depressionen, Übergewicht, Kopfverletzungen und Luftverschmutzung.

Körperliche Aktivität und Funktionserhalt

Zahlreiche Untersuchungen belegen den Einfluss regelmäßiger Bewegung. In der Harvard Aging Brain Study mit 296 Teilnehmenden über einen Zeitraum von bis zu 14 Jahren ging körperliche Aktivität bei Personen mit erhöhten Amyloid-Werten mit einem verlangsamten geistigen Abbau einher.

Über gut neun Jahre hinweg zeigte sich bei 3.001 bis 5.000 Schritten pro Tag ein um 40 Prozent geringerer Abbau gegenüber Werten bis 3.000 Schritten. Bei 5.001 bis 7.500 Schritten lag der Wert bei 54 Prozent und bei hoher Aktivität bei 51 Prozent, während über 7.500 Schritte hinaus kaum ein Zusatznutzen messbar war.

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In Modellrechnungen erreichten Inaktive die kritische Denkleistungsschwelle nach 6,5 Jahren, moderat Aktive nach 13,6 Jahren. Als Mechanismus wurde ein verlangsamter Tau-Anstieg identifiziert. DGN-Generalsekretär Peter Berlit stufte dieses Ergebnis als spektakulär ein.

Die Wissenschaftsleiterin der Alzheimer Forschung Initiative e. V., Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, hob hervor, dass regelmäßige Alltagsbewegung wichtiger sei als sportliche Höchstleistungen, da sie Durchblutung, Blutdruck, Blutzucker, Gewicht, Schlaf und Stimmung verbessere. Die WHO empfiehlt für Senioren wöchentlich 150 bis 300 Minuten moderate Aerobic-Aktivität, etwa 30 Minuten zügiges Spazierengehen an fünf Tagen.

In der LIFE-Studie mit über 1.600 körperlich eingeschränkten Menschen im Alter von 70 bis 89 Jahren bewahrten strukturierte Bewegungsprogramme die Selbstständigkeit und verhinderten bei etwa jedem 19. Teilnehmenden den Verlust der Gehfähigkeit – laut Geriatrie-Professor Michael Denkinger ein Effekt, der mit Statinen nach einem Herzinfarkt vergleichbar sei.

Zugleich stellte Denkinger klar, dass Altern keine Krankheit sei und es für als Verjüngungsmittel beworbene Präparate oder Peptide keine belastbaren Nachweise für eine lebensverlängernde Wirkung beim Menschen gebe.

Geistige Anregung, soziale Kontakte und Ernährung

Neben der Bewegung tragen geistige und soziale Aktivitäten zur kognitiven Reserve bei. Eine Metaanalyse im Journal of Epidemiology & Community Health zu fünf Langzeitstudien mit 57.793 älteren Teilnehmenden aus 24 Ländern zeigte, dass soziale Einbindung, insbesondere in Ehrenämtern und Sportvereinen, mit besserer kognitiver Leistung verknüpft ist.

Forschungsdaten aus Cambridge belegten bei fast 5.500 Erwachsenen ab 55 Jahren, dass das Lesen von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern das Alzheimerrisiko über eine fünfjährige Nachbeobachtung um 33 Prozent senkte.

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Hinsichtlich der Ernährung untersuchte das DZNE Bonn bei rund 7.500 Erwachsenen zehn Ernährungsindizes. Gesündere Ernährung ging tendenziell mit günstigeren DNA-Methylierungs-Merkmalen einher, besonders bei der DASH-Diät und nordischer Kost. Studienautorin Juliana Tavares betonte jedoch, dass die absoluten Unterschiede zwischen den Diäten bescheiden seien und das Gesamtbild zähle.

Fachmediziner wie Dr. Riedl verweisen darauf, dass Ernährungseffekte wissenschaftlich bislang vor allem kurzfristig erforscht sind. Beobachtungsdaten zur an der Rush University entwickelten MIND-Diät deuten bei strenger Befolgung ebenfalls auf einen verlangsamten geistigen Abbau hin.

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