WHO-Bewegungsziel, Mädchen

WHO-Bewegungsziel: Nur 11 Prozent der Mädchen in Deutschland erreichen es

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 23:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bayern plant zusätzliche Bewegungsangebote für Grundschüler; die Grünen verlangen Gesundheitsfachkräfte an Schulen in sozialen Brennpunkten.

Bayerns Schulen: Regierung setzt auf Bewegung, Grüne fordern Fachkräfte
Ein heller, moderner Gymnastikraum in einer bayerischen Grundschule mit Turnmatten auf einem Holzboden. Illustration mit AI erstellt.

Die Diskussion über die gesundheitliche Verfassung von Kindern an bayerischen Schulen verschärft sich politisch. Während die bayerische Staatsregierung verstärkt auf Bewegungsprogramme und Unterrichtsstunden setzt, fordern die Landtags-Grünen die Einführung von festen Gesundheitsfachkräften an sogenannten Brennpunktschulen.

Eine entsprechende Initiative brachten die Grünen bereits mit einer Anfrage im Juli ein. Ministerpräsident Markus Söder wies diesen Vorstoß jedoch zurück.

Befürworter des Modells verweisen unter anderem auf eine Untersuchung der Charité zu Modellprojekten in Brandenburg und Hessen. Diese Studie belegte eine verbesserte gesundheitliche Versorgung an den teilnehmenden Einrichtungen sowie einen Rückgang krankheitsbedingter Abwesenheiten bei den Schülern.

Daten zur Belastung und Bewegungslage von Kindern

Die Debatte um den richtigen Ansatz berührt grundlegende Befunde zur Kindergesundheit. Nach Erkenntnissen der HBSC-Studie unter Beteiligung von Irene Moor von der Universitätsmedizin Halle ist der Anteil der Heranwachsenden mit psychosomatischen Beschwerden deutlich gestiegen. Den Ergebnissen zufolge berichtet jedes zweite Mädchen und etwa jeder dritte Junge von solchen Belastungen.

Zugleich verfehlen viele Schüler gängige Aktivitätsstandards. Gemäß der Bewegungsempfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO, die mindestens 60 Minuten körperliche Aktivität pro Tag vorsieht, erreichen in Deutschland lediglich elf Prozent der Mädchen und 21 Prozent der Jungen diesen Richtwert.

Bewegungsimpulse und zusätzliche Wochenstunden im Kabinettsplan

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An der Münchner Grundschule an der Margarethe-Danzi-Straße, an der Schulleiterin Nina Schäfer Bewegung bereits fest in die Fächer Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht einbindet, warben Söder, Gesundheitsministerin Judith Gerlach und Kultusministerin Anna Stolz im Vorfeld des bayerischen Präventionstags am 12. Oktober 2026 für ihre Vorhaben. Söder argumentierte, wer früh beginne, profitiere ein Leben lang. Als Motivationshilfe zog er zudem die bayerische Olympia-Bewerbung heran.

Kultusministerin Stolz betonte, dass gesunde Kinder auch glückliche Kinder seien. Sie plant flächendeckend eine tägliche Bewegungshalbstunde sowie eine dritte Sportstunde für die ersten Klassen im kommenden Schuljahr.

Wie Stolz im Bildungsausschuss des Landtags darlegte, sollen Grundschüler ab dem nächsten Schuljahr über vier Schuljahre verteilt insgesamt sechs zusätzliche Wochenstunden Unterricht erhalten, vor allem in Deutsch und Mathematik, aber auch in Sport und Musik.

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Der Beschluss ist eine Reaktion auf das schwache Abschneiden bei bundesweiten Bildungsvergleichen und wird von Zusagen für zusätzliche Lehrkräfte begleitet. Ernährungsministerin Michaela Kaniber, die beim Termin krankheitsbedingt fehlte, treibt flankierend Programme zur Ernährungsbildung von der Kita bis zu weiterführenden Schulen voran.

Datenbanken, Aktionstage und Hilfen für Lehrkräfte

Gesundheitsministerin Gerlach verwies darauf, dass für den bayerischen Präventionstag landesweit fast 400 Veranstaltungen angemeldet wurden. Nach der Premiere an Schulen im Jahr 2025 sind 2026 alle Bürger zur Teilnahme aufgerufen.

Zudem stellte Gerlach das Mitmachbuch „Lino und Mumpitz“ vor. Die Staatsregierung verweist auf einen Masterplan Prävention mit jeweils zehn strukturellen und gesundheitlichen Zielen, mehr als 250 konkreten Vorhaben sowie eine Präventionspool-Datenbank mit über 400 Einträgen.

Parallel rückt die Gesundheit des Lehrpersonals ins Blickfeld. Die Technische Universität München (TUM) und die AOK Bayern schlossen das dreijährige Projekt zur Stärkung der gesundheitsbezogenen Kompetenzen bayerischer Lehrkräfte (BaLko) ab.

Aus der Forschung mit mehr als 1.400 Lehrkräften entstand eine kostenlose App mit Reflexions- und Übungselementen. Annette Lutz von der AOK Bayern bezeichnete die schulische Prävention als zentrales Anliegen, während Filip Mess von der TUM hervorhob, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse damit in praktische Hilfen überführt worden seien.

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