WhatsApp-Umbau: 850 Millionen Inder fürchten Identitätsdiebstahl
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 16:43 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Seit Ende Juni 2026 können Nutzer individuelle Benutzernamen reservieren. Die Telefonnummer wird damit optional.
Meta verspricht mehr Privatsphäre. Behörden und Verbraucherschützer warnen dagegen vor neuen Risiken durch Identitätsdiebstahl.
Kritik aus Indien – Schutz bekannter Namen
Die schrittweise Einführung der Benutzernamen stößt international auf Widerstand. Besonders deutlich positionierte sich das indische IT-Ministerium. Bereits Anfang Juli forderte es eine Überarbeitung der Funktion.
Der Grund: In Indien nutzen rund 850 Millionen Menschen WhatsApp. Behörden befürchten eine Zunahme von Phishing und Betrug. Kriminelle könnten Namen von Banken, Behörden oder Prominenten imitieren, um Vertrauen zu erschleichen.
Meta reagierte und sperrte bekannte Namen vorab. In Singapur sicherte der Konzern etwa die Benutzernamen führender Politiker. Brancheninterne Tests zeigen jedoch weiterhin Lücken – etwa durch leicht abgewandelte Schreibweisen.
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Die Verbraucherzentrale NRW rät zur Vorsicht. Nutzer sollten Pseudonyme verwenden. Das verhindert, dass identische Namen auf Instagram oder Facebook ein lückenloses Tracking ermöglichen. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme bietet WhatsApp einen optionalen Benutzernamenschlüssel an.
Neue KI-Funktionen und Privatsphäre-Anpassungen
Parallel zur Umstellung bringt Meta neue Werkzeuge. Am 7. Juli 2026 erschien das KI-Tool „Muse Image“ für WhatsApp und Instagram. Es generiert und bearbeitet Bilder per künstlicher Intelligenz. Die Funktion ist innerhalb eines täglichen Limits kostenlos. Nutzer können dem Training der KI-Modelle mit ihren Daten widersprechen.
Weitere Funktionen sind in der Erprobung:
Einmal-Textnachrichten: Beta-Versionen für iOS und Android enthalten eine Funktion, bei der Textnachrichten nach einmaligem Lesen automatisch gelöscht werden. Kopieren, Weiterleiten oder Screenshots sollen blockiert sein.
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Dynamische Präsenzanzeige: Der klassische „Online“-Status könnte im dritten Quartal 2026 verschwinden. Stattdessen sind Hinweise wie „tippt“ oder „aktiv im Chat“ geplant. Das soll den sozialen Druck verringern und das Tracking des Nutzerverhaltens erschweren.
EU debattiert über Chatkontrolle
Flankiert werden die Neuerungen von politischen Entwicklungen in der EU. Das EU-Parlament berät über neue Regeln zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch – die sogenannte Chatkontrolle. Ein Gesetzentwurf sieht vor, dass Anbieter wie WhatsApp private Korrespondenzen nach verdächtigen Inhalten scannen dürfen.
Eine zentrale Ausnahme zur Chatkontrolle war bereits am 3. April 2026 ausgelaufen. Im EU-Parlament verfehlte eine vollständige Ablehnung des neuen Entwurfs die notwendigen 361 Stimmen. Der aktuelle Vorschlag nimmt Ende-zu-Ende-verschlüsselte Dienste wie WhatsApp oder Signal jedoch ausdrücklich von der Scann-Pflicht aus.
Der Rat der EU muss innerhalb der nächsten drei Monate eine finale Entscheidung treffen.
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