WhatsApp-Übernahmen, Betrüger

WhatsApp-Übernahmen: Betrüger kapern Konten für Zahlungsschwindel

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 20:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bundesfinanzministerium plant erleichterte Beschlagnahme von Vermögen ab 100.000 Euro durch den Zoll, um kriminelle Netzwerke finanziell zu schwächen.

Zollfinanzgerechtigkeitsgesetz: Neue Befugnisse zur Vermögenssicherung gegen OK
Ein moderner, professioneller Arbeitsplatz in einer Finanzermittlungsbehörde mit Fokus auf technischer Ausrüstung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Bundesfinanzministerium unter Leitung von Lars Klingbeil (SPD) forciert die Gesetzgebung zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität. Ein aktueller Entwurf für das sogenannte Zollfinanzgerechtigkeitsgesetz sieht vor, die Kompetenzen der Zollbehörden bei der Sicherstellung von inkriminierten Vermögenswerten massiv auszuweiten. Im Kern geht es darum, die finanzielle Basis krimineller Gruppierungen zu schwächen, indem Vermögen unklarer Herkunft unter erleichterten Bedingungen eingezogen werden können.

Fokus auf kriminelle Netzwerke und unklare Herkunft

Die geplanten Neuregelungen zielen insbesondere auf kriminelle Strukturen ab, die über erhebliche finanzielle Mittel verfügen. Laut dem Entwurf soll der Zoll künftig die Befugnis erhalten, Vermögenswerte ab einer Schwelle von 100.000 Euro bereits bei unklarer Herkunft zu beschlagnahmen. Ein entscheidender Aspekt des Vorhabens ist, dass dieser Zugriff auch ohne ein vorheriges langwieriges Gerichtsverfahren ermöglicht werden soll. Damit will das Ministerium die Schlagkraft der Behörden gegen die Organisierte Kriminalität (OK) erhöhen, da die Beweisführung bei komplexen Geldwäschestrukturen oft Jahre in Anspruch nimmt.

Das Bundeskabinett wird sich voraussichtlich Mitte der Woche mit dem Gesetzentwurf befassen. Die Pläne sehen zudem vor, die Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (FIU) personell und technisch zu stärken. Hierbei soll insbesondere der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) ausgebaut werden, um verdächtige Finanzströme schneller und präziser identifizieren zu können.

Anzeige

Wer sich mit dem Thema Cyber-Sicherheit befasst, sollte auch die neuesten gesetzlichen Entwicklungen kennen. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt im Blick behalten müssen. Cyber Security Bedrohungen abwenden

Branchenverbände warnen vor Ausmaß der organisierten Kriminalität

Die Notwendigkeit schärferer Gesetze wird durch aktuelle Forderungen aus Wirtschaft und Sicherheitsorganen unterstrichen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) haben in einem gemeinsamen Positionspapier zu Beginn der Woche auf die wachsende Professionalisierung der Eigentumskriminalität hingewiesen. Nach Einschätzung der Verbände beläuft sich allein der durch Ladendiebstahl verursachte jährliche Schaden für den Einzelhandel auf rund 3 Milliarden Euro.

Ein erheblicher Teil dieser Delikte wird professionell agierenden Banden zugeschrieben. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordern HDE und GdP neben einer besseren technischen Ausstattung der Polizei auch die Einrichtung von Schwerpunktstaatsanwaltschaften. Zudem mahnen sie mehr Rechtssicherheit beim Einsatz von Videoüberwachung und im Umgang mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) an, um Täter effizienter verfolgen zu können.

Anzeige

Da Kriminelle immer professioneller agieren, ist der Schutz vor digitalen Betrugsmaschen für Unternehmen und Organisationen wichtiger denn je. Ein kostenloser Leitfaden zeigt in 4 Schritten, wie man sich wirksam gegen Phishing-Angriffe absichert und die Hacker-Abwehr stärkt. Kostenloses Anti-Phishing-Paket herunterladen

Technologische Aufrüstung und politische Kritik

Die zunehmende Komplexität der Kriminalität zeigt sich auch in neuen Betrugsmaschen und technologischen Herausforderungen. Kriminelle nutzen vermehrt Schwachstellen bei Mobilgeräten oder soziale Manipulation, um Zugang zu Finanzdaten zu erhalten. So berichtete die Polizei in den vergangenen Tagen verstärkt über Fälle, in denen der Zugriff auf Messenger-Dienste wie WhatsApp übernommen wurde, um Zahlungen im Bekanntenkreis zu erschleichen. Auch der Handel mit gefälschten High-End-Smartphones auf Flohmärkten bleibt ein Problem für die Strafverfolgungsbehörden.

Während die Sicherheitsbehörden die geplanten Befugnisse begrüßen, regt sich im politischen Raum auch Kritik. Vertreter der Grünen merkten an, dass der vorliegende Entwurf den Fokus zu einseitig auf den Bereich der Geldwäsche lege. Aus ihrer Sicht würden Maßnahmen gegen den großflächigen Steuerbetrug in dem Gesetz nicht ausreichend adressiert. Dennoch gilt die Verabschiedung im Kabinett als wichtiger Schritt, um die finanzielle Infrastruktur der organisierten Kriminalität, die auch durch Hacks im Krypto-Sektor – mit Branchenverlusten von insgesamt 972 Millionen US-Dollar allein im ersten Halbjahr 2026 – befeuert wird, wirksamer zu bekämpfen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 69934545 |