WhatsApp testet KI-Kennzeichnung: Labels für künstliche Medien
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 10:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Messaging-Dienst WhatsApp hat mit der Integration eines neuen Kennzeichnungssystems für künstlich erzeugte Medien begonnen. In aktuellen Testphasen für die Betriebssysteme iOS und Android wird eine Funktion erprobt, mit der Administratoren von Kanälen KI-generierte Inhalte explizit ausweisen müssen. Diese Maßnahme erfolgt vor dem Hintergrund verschärfter Transparenzregeln innerhalb der Europäischen Union.
Rollout der Kennzeichnungsfunktion in Beta-Versionen
Am 2. September 2026 startete WhatsApp den Beta-Test des sogenannten „AI Content Label“ für Kanäle auf iOS-Geräten. Diese Funktion, die in der Version 26.34.10.70 über TestFlight verfügbar ist, folgt auf eine ähnliche Einführung für Android-Nutzer am 31. August 2026. Administratoren erhalten damit das Werkzeug, Medien, die mithilfe von künstlicher Intelligenz erstellt wurden, als solche zu markieren.
Das entsprechende Label wird nach aktuellen Informationen unten links im Bildbereich angezeigt. Einmal vergeben, lässt sich die Kennzeichnung nach dem aktuellen Stand der Entwicklung nicht mehr entfernen oder rückgängig machen. Dabei spielt es keine Rolle, mit welchem Werkzeug der Inhalt erstellt wurde; das System soll sowohl Bilder von Meta AI als auch von Drittanbietern wie ChatGPT oder Gemini erfassen. In bestimmten Fällen ist zudem eine automatische Kennzeichnung durch die Plattform möglich.
Regulatorischer Hintergrund durch den EU AI Act
Die Einführung dieser Transparenzwerkzeuge ist eng mit den rechtlichen Anforderungen in ausgewählten Märkten verknüpft. Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten des EU AI Act als rechtlicher Hintergrund für solche Maßnahmen.
Insbesondere Artikel 50 des Regelwerks adressiert die Kennzeichnungspflichten für KI-Systeme. WhatsApp schließt mit diesem Schritt zu anderen großen Plattformen wie TikTok, Google und dem Mutterkonzern Meta auf, die bereits vergleichbare Systeme zur Identifizierung synthetischer Medien implementiert haben.
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Branchenanalysten werten die Maßnahme als Reaktion auf die zunehmende Aktivität der Regulierungsbehörden. Die EU-Kommission hat Ende August und Anfang September 2026 formelle Informationsanfragen an mehr als 30 Unternehmen im Bereich der allgemeinen künstlichen Intelligenz gesendet, darunter Branchengrößen wie OpenAI, Google und Anthropic.
Die Behörden fordern detaillierte Auskünfte zu Sicherheitsvorkehrungen, unabhängigen Prüfungen und internen Überwachungsmechanismen. Bei unzureichenden oder falschen Angaben drohen den betroffenen Unternehmen Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Verschärfte Aufsicht für große Online-Dienste
Parallel zur Durchsetzung des AI Act weitet die EU-Kommission die Aufsicht über digitale Dienste auf Basis des Digital Services Act (DSA) aus. So wurde ChatGPT Ende August 2026 offiziell als „Very Large Online Search Engine“ eingestuft.
Der Dienst meldete zuletzt rund 159 Millionen monatliche Nutzer innerhalb der Europäischen Union. Auch Plattformen wie Reddit mit 57,2 Millionen Nutzern und Roblox mit 48 Millionen monatlich aktiven Anwendern in der EU wurden als sehr große Online-Plattformen (VLOPs) klassifiziert.
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Diese Unternehmen haben nach der Einstufung vier Monate Zeit, die spezifischen DSA-Pflichten umzusetzen, was für die genannten Dienste eine Frist bis Ende Dezember bedeutet. Bei Verstößen gegen diese Auflagen können Sanktionen in Höhe von bis zu 6 Prozent des globalen Umsatzes verhängt werden.
Die nun bei WhatsApp getesteten Labels für KI-Inhalte stellen einen zentralen Baustein dar, um den steigenden Anforderungen an die Informationsintegrität in digitalen Kommunikationsräumen gerecht zu werden.
