WhatsApp-Masche: Zwölf Fälle in Zwickau, Schäden bis zu 615 Euro
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 17:25 Uhr | Redaktion boerse-global.deSicherheitsbehörden in mehreren europäischen Ländern warnen vor einer perfiden Masche zur Übernahme von WhatsApp-Konten. Betrüger versenden dabei Nachrichten mit Verweisen auf vermeintliche Online-Abstimmungen oder Wettbewerbe. Ziel der Angreifer ist es, über eine reguläre Funktion des Messengers unbemerkt fremde Konten zu kapern, vertrauliche Nachrichten mitzulesen und im Namen der Betroffenen Geld von deren Kontakten zu fordern.
Masche nutzt reguläre Geräteverknüpfung aus
Wie die belgische Plattform Safeonweb und das österreichische Bundeskriminalamt erläutern, kontaktieren die Angreifer ihre potenziellen Opfer meist über bereits kompromittierte Profile aus deren eigenem Adressbuch.
In den Nachrichten wird darum gebeten, für das Kind eines Bekannten bei einem Wettbewerb abzustimmen. Als Köder dienen unter anderem angebliche Tanz- und Ballettwettbewerbe, etwa mit Beteiligung von Mädchen namens Sophie oder Eliska an einer angeblichen Ballettschule in Prag.
Folgen die Empfänger dem Link, landen sie auf einer präparierten Abstimmungsseite. Dort werden zunächst die eigene Telefonnummer und anschließend ein Bestätigungscode oder das Scannen eines QR-Codes verlangt. Dieser Code dient jedoch keiner Stimmabgabe: Die Täter nutzen ihn, um ein eigenes Gerät als autorisierte Zweitinstanz mit dem Konto des Opfers zu koppeln.
Das Bundeskriminalamt in Österreich stuft diese Methode als „Ghost Pairing“ ein. Für die Betroffenen bleibt der Übergriff oft zunächst unbemerkt, da der Messenger auf dem Hauptgerät ohne Unterbrechung weiter genutzt werden kann, während Kriminelle im Hintergrund parallel agieren.
Fälle und Schäden in mehreren europäischen Ländern
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Die spanische Cybersicherheitsbehörde INCIBE stuft den Betrug auf der Wichtigkeitsstufe 4 als hoch ein. Die Behörde sowie die katalanische Cybersicherheitsagentur stellten eine massive Verbreitung der Kampagne fest und aktivierten Tracking-Mechanismen. Auf den Kanarischen Inseln warnte die Policía Nacional vor entsprechenden Vorfällen.
Technische Untersuchungen der Faktenchecker von VerificaRTVE ergaben, dass einschlägige Sicherheitsdienste wie URLScan die Zielseiten als bösartig einstufen. Zudem seien die auf den Webseiten abgebildeten Kinderfotos laut Erkennungswerkzeugen wie SynthID und TruthScan mit über 99 Prozent Zuverlässigkeit durch künstliche Intelligenz generiert worden.
Auch im deutschsprachigen Raum und den Benelux-Ländern häufen sich die Vorfälle. In Deutschland registrierte die Polizeidirektion Zwickau seit Mitte August zwölf Fälle mit Einzelschäden zwischen 500 und 615 Euro. Die Polizei Köln verzeichnete bereits am 17. September 2026 eine Meldung über denselben Tanzwettbewerbs-Köder.
In den Niederlanden berichtete die Organisation Fraudehelpdesk über dutzende tägliche Anfragen, wobei am 19. Oktober 2026 erneut Meldungen eingingen. In Belgien schilderte der 69-jährige Magen-Darm-Spezialist Luc Colemont, wie Kriminelle sein Profil übernahmen und anschließend in seinem Namen Geld für angebliche Notfälle von seinen Kontakten verlangten.
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Warnsignale und empfohlene Schutzmaßnahmen
Sicherheitsbehörden raten zur erhöhten Wachsamkeit bei unerwarteten Abstimmungsbitten, selbst wenn diese von bekannten Rufnummern stammen. Niemals sollten Codes oder QR-Codes auf externen Webseiten für Online-Votings eingegeben werden. Das Fachportal Futurezone weist darauf hin, dass eine Zwei-Schritt-Verifizierung die Koppelung eines neuen Geräts über diese Masche allein nicht verhindert.
Nutzer sollten in den WhatsApp-Einstellungen regelmäßig den Bereich für verknüpfte Geräte kontrollieren und unbekannte Sitzungen sofort abmelden. Bei einem Verdacht wird geraten, die betroffene Person über einen alternativen Kommunikationskanal anzurufen. Wurden bereits Geldforderungen erfüllt, sollten umgehend die Bank informiert, Beweise per Screenshot gesichert und Anzeige bei der Polizei erstattet werden.
