WhatsApp-Geldwäsche, Europäische

WhatsApp-Geldwäsche: Europäische Behörden decken Netzwerk mit 532 Mitgliedern auf

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 11:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ermittler legen ein verschlüsseltes Finanznetzwerk offen: Über WhatsApp sollen hunderte Millionen Euro für Geldwäsche und Schleuser geflossen sein.

WhatsApp-Gruppe im Visier: Millionenflüsse über Hawala-Netzwerke
Ein unbenutztes Smartphone auf einem dunklen Schreibtisch in einer schattigen Büroumgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Europäische Strafverfolgungsbehörden haben unterirdische Banknetzwerke aufgedeckt, die gängige verschlüsselte Chat-Gruppen nutzen, um illegale Gelder zu bewegen. Im Zentrum der Ermittlungen steht die WhatsApp-Gruppe „Traders of Greater Europe", über die Behörden zufolge hunderte Millionen Euro über informelle Hawala-Strukturen geflossen sein sollen.

Eine Gruppe mit 532 Mitgliedern und Zehntausenden Nachrichten

Die Gruppe zählte 532 Mitglieder und verzeichnete zwischen Februar und Dezember 2022 über 82.000 Nachrichten. Über diesen Kanal wurden nach Angaben der Ermittler hunderte Millionen Euro bewegt – mit Geld, das Kriminalität finanzierte und auch dem sogenannten Islamischen Staat in Syrien zugutekam. Transaktionen waren dabei offenbar für größere Summen reserviert: Beträge über 5.000 Euro sollen über dieses System abgewickelt worden sein.

Aufgedeckt wurde die Gruppe vom belgischen Ermittlungsrichter Vincent Guerra. Ein Gericht verurteilte 2024 sechs Geldwäscher im Zusammenhang mit dem Fall, darunter eine Person, die unter dem Namen Abu Adam bekannt war.

Aussagen eines ehemaligen Geldwäschers

Ein ehemaliger Geldwäscher, der unter dem Namen „Frank" auftritt, berichtete von seiner Beteiligung an Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von mehreren hundert Millionen Euro. Seine Angaben liefern Ermittlern zusätzliche Einblicke in die Funktionsweise solcher Netzwerke, die weitgehend außerhalb der klassischen Bankenaufsicht operieren.

Verbindungen zu Schlepperkriminalität

Die Ermittlungen berühren auch Fälle organisierter Schlepperkriminalität. In Österreich wurden zwei syrische Brüder wegen Menschenhandels und Folter zu 18 beziehungsweise 8 Jahren Haft verurteilt.

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Der zugrundeliegende Schlepperring soll nach Angaben der Behörden rund 100.000 Menschen geschmuggelt haben. Die Finanzströme aus solchen Aktivitäten liefen den Ermittlungen zufolge über dieselben verschlüsselten Kommunikationskanäle, die auch für Geldwäschetransaktionen genutzt wurden.

Lücke in der Regulierung

Aus Sicht der ermittelnden Behörden zeigt der Fall eine strukturelle Schwachstelle in der Aufsicht über Finanzströme auf. Die Gruppen koordinieren ihre Kuriere über Verschlüsselung, um Überwachung gezielt zu umgehen. Klassische Geldwäschekontrollen der Banken laufen dabei weitgehend ins Leere, da die Transaktionen bargeldbasiert über Hawala-Strukturen abgewickelt werden und die Banken gar nicht erst involviert sind.

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Regulierungsbehörden richten ihren Fokus bislang vor allem auf Kryptowährungen, während Messaging-Plattformen als Kommunikationsinfrastruktur für solche Netzwerke weitgehend unbeaufsichtigt bleiben.

Der Fall der Gruppe „Traders of Greater Europe" macht deutlich, dass verschlüsselte Chatanwendungen längst nicht mehr nur Kommunikationsmittel, sondern faktisch Organisationsplattformen für illegale Finanzströme geworden sind – ein Umstand, der bestehende Aufsichtsmechanismen vor neue Herausforderungen stellt.

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