WhatsApp-Fälschung im Play Store: 500.000 Downloads durch Werbeanzeigen
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 23:52 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine gefälschte Version des Messengerdienstes WhatsApp hat sich über bezahlte Werbeanzeigen im offiziellen Google Play Store verbreitet. Bevor Google die manipulierte Anwendung entfernte, verzeichnete das Programm mehr als 500.000 Downloads. Durch das bezahlte Sponsoring in den Suchanzeigen war die Nachahmung zum Zeitpunkt der Entdeckung auf Platz 1 der Suchergebnisse platziert – noch vor der echten Anwendung.
Täuschung durch Werbeplatzierung und Entwickler-Tricks
Hinter der Kopie stand ein Entwicklerkonto unter dem Namen Agment Assets sallu, das in Prüf-Checklisten auch als Hizbartech geführt wurde. Die Täter kopierten das offizielle Markenauftreten des Mutterkonzerns Meta, um Nutzer zur Installation zu bewegen. Ein Blick auf die technischen Details zeigte jedoch deutliche Abweichungen: Statt des legitimen Paketnamens com.whatsapp nutzte das Programm die Kennung com.AgmentAssetssallu.DeadPixelTriPulse.
Zudem wies die Fälschung weder Nutzerbewertungen noch eine Sterne-Einstufung auf. Das echte WhatsApp ist seit 2010 gelistet, zählt mehr als 10 Mrd. Downloads sowie 241 Mio. Rezensionen und hält eine Wertung von 4,6 Sternen.
Um das Fehlen von Rückmeldungen zu verschleiern und Warnungen anderer Anwender zu verhindern, missbrauchten die Hintermänner das Vorabzugriffsprogramm von Google, welches reguläre öffentliche Bewertungen blockiert. Nach mehreren hunderttausend Installationen schritt der Plattformbetreiber schließlich ein und löschte das Programm.
Zweiter Vorfall innerhalb kurzer Zeit
Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Sicherheitsproblemen auf dem Marktplatz ein. Wenige Tage zuvor war bereits eine gefälschte Version des Browsers Google Chrome im Play Store aufgetaucht, die über 100.000 Downloads erreichte, während das Original von Google LLC mehr als 10 Mrd. Downloads aufweist. Zusammen kamen die beiden im Oktober 2026 bekannt gewordenen Nachahmungen auf über 600.000 Downloads.
Wer sich vor solchen manipulierten Apps und dem damit verbundenen Datenmissbrauch schützen möchte, findet in diesem kostenlosen Ratgeber die fünf wichtigsten Sofortmaßnahmen. 5 Schutzmaßnahmen für Ihr Android-Smartphone jetzt entdecken
Beobachter und Diskussionsteilnehmer äußern deutliche Kritik an den Sicherheitsmechanismen und bemängeln das Fehlen einfacher Filter oder menschlicher Kontrollen bei Programmen, deren Originale über eine Milliarde Downloads zählen.
Die Hürden für Entwicklerkonten gelten als vergleichsweise gering: Ein Zugang zur Play Console kostet 25 US-Dollar, während die Produktionsüberprüfung drei bis sieben Tage in Anspruch nimmt. Google räumt zudem ein, Angaben zur Datensicherheit in den App-Beschreibungen nicht eigenständig zu verifizieren.
Gleichzeitig nimmt die Flut manipulierter Einträge zu: Google blockierte im Jahr 2025 rund 160 Mio. Spam-Bewertungen. Nach Erhebungen von DoubleVerify aus dem Jahr 2024 gab es zudem mehr als dreimal so viele Anwendungen mit KI-generierten Fake-Bewertungen wie noch 2023.
Der Schutz sensibler Daten auf dem Smartphone sollte nicht dem Zufall überlassen werden, da Kriminelle immer raffiniertere Methoden zur Ausspähung nutzen. Dieser gratis PDF-Report zeigt Ihnen, wie Sie Hacker in wenigen Minuten effektiv abwehren können. Kostenlosen Sicherheits-Ratgeber für Android herunterladen
Empfehlungen für betroffene Nutzer
Personen, die die gefälschte Messenger-App heruntergeladen haben, sollten die Anwendung umgehend von ihrem Endgerät löschen, vergebene Berechtigungen überprüfen und Zugangsdaten sowie Passwörter ändern.
Sicherheitsexperten raten grundsätzlich zur Vorsicht beim Herunterladen von Programmen. Anwender sollten nicht reflexartig das oberste Suchergebnis antippen, da gesponserte Anzeigen gezielt missbraucht werden. Vor der Installation empfiehlt sich ein genauer Abgleich des Anbieternamens in den App-Details, der Blick auf den Paketnamen sowie der Vergleich der Downloadzahlen.
Auch das Prüfen kritischer Bewertungen mit ein bis drei Sternen und der App-Größe liefert Hinweise: Häufig nutzen Angreifer kompakte Web-Viewer-Hüllen, um Schadsoftware wie den Banktrojaner Anatsa erst nach der Installation unbemerkt auf das Smartphone nachzuladen.
Da gefälschte Apps in der Praxis meist erst nach zahlreichen Installationen von den Plattformbetreibern entfernt werden, bleibt eine eigenständige Vorabprüfung unerlässlich.
