WhatsApp-Boss-Scam, Kriminelle

WhatsApp-Boss-Scam: Kriminelle kapern Konten und täuschen Mitarbeiter

Veröffentlicht am: 04.07.2026 um 22:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Cyberkriminelle nutzen manipulierte WhatsApp-Accounts und getarnte Schadsoftware, um Unternehmen weltweit zu schädigen. Die Verluste gehen in die Hunderttausende.

WhatsApp-Betrugswelle: Kriminelle kapern Geschäftskonten mit VBS-Dateien
Nahaufnahme eines Smartphone-Bildschirms mit schädlichem Dateianhang in einer Messaging-App, unscharfer Bürohintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Kriminelle kapern Geschäftskonten und täuschen Finanzmitarbeiter mit gefälschten Dokumenten.

Cybersicherheitsexperten und Strafverfolgungsbehörden haben am heutigen Samstag vor einer massiven Betrugswelle gewarnt, die Unternehmen über manipulierte WhatsApp-Konten ins Visier nimmt. Die Täter verschaffen sich Zugriff auf die Accounts von Lieferanten oder Kunden und versenden dann schädliche Dateien, die als harmlose Rechnungen oder Kontoauszüge getarnt sind.

Wie die Angreifer vorgehen

Die Masche ist perfide: Sobald ein Mitarbeiter die als VBScript-Datei (.vbs) getarnte Anlage öffnet, installiert sich im Hintergrund eine Fernwartungssoftware. Diese gibt den Angreifern die volle Kontrolle über das Unternehmenssystem. Das Ziel: Passwörter stehlen, Zwischenablagen überwachen und die WhatsApp-Konten von Führungskräften kapern.

Sicherheitsforscher von Kaspersky haben die Schadsoftware in mehreren Sprachen identifiziert – darunter Deutsch, Englisch, Französisch und Portugiesisch. Betroffen sind Unternehmen in Singapur, Malaysia, Taiwan, Vietnam und Brasilien. Doch auch deutsche Firmen sind zunehmend im Visier.

Der „Chef-Betrug" auf WhatsApp

Die indischen Cyberbehörden warnen besonders vor der sogenannten „WhatsApp-Boss-Scam". Dabei geben sich Kriminelle als Geschäftsführer oder Vorstände aus und fordern per Nachricht dringende Überweisungen oder das Öffnen von Anhängen. Die Täter setzen auf Zeitdruck und Geheimhaltung, um die üblichen Kontrollmechanismen zu umgehen.

Die jüngsten Fälle zeigen das Ausmaß:

  • Einem Metallhändler in Mumbai entstanden Schäden von umgerechnet rund 220.000 Euro, nachdem ein Mitarbeiter auf Nachrichten von einem gekaperten Direktoren-Account hereingefallen war. Die Polizei konnte einen Verdächtigen festnehmen und rund 110.000 Euro einfrieren.
  • In Kozhikode wurde am heutigen Samstag ein Mann verhaftet, der sich als Geschäftsführer ausgab und rund 55.000 Euro von einem Privatunternehmen abzweigte.
  • Ein Hotelbesitzer in Mumbai verlor umgerechnet etwa 11.000 Euro, nachdem er eine schädliche APK-Datei über WhatsApp geöffnet hatte.
Anzeige

CEO-Fraud und manipulierte Messenger-Accounts zeigen, warum selbst erfahrene Mitarbeiter auf psychologische Tricks hereinfallen können. Dieser kostenlose Report enthüllt die aktuellen Methoden der Cyberkriminellen und wie man diese im Unternehmensalltag entlarvt. 7 psychologische Schwachstellen jetzt entdecken

Schutzmaßnahmen für Unternehmen

Sicherheitsexperten raten zu einer zweistufigen Authentifizierung (2FA) für alle geschäftlichen WhatsApp-Konten. Noch wichtiger: Ungewöhnliche Zahlungsaufforderungen sollten immer über einen zweiten Kanal – per Telefon oder Videoanruf – bestätigt werden, bevor Geld fließt.

KI-gesteuerte Angriffe auf dem Vormarsch

Die aktuelle Betrugswelle ist Teil einer besorgniserregenden Entwicklung: KI-gestützte Phishing-Angriffe haben massiv zugenommen. Ein aktueller Bericht zeigt, dass der Anteil solcher Angriffe von vier Prozent im November 2025 auf 56 Prozent im Dezember 2025 explodierte – und heute bei rund 40 Prozent liegt.

Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC beziffert die Verluste durch Identitätsbetrug im Jahr 2025 auf umgerechnet rund 3,2 Milliarden Euro – ein Anstieg von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Telegram unter Druck

Parallel dazu verschärft Indien die Regulierung von Messengerdiensten: Das Informationsministerium forderte Telegram auf, seine Maßnahmen gegen Urheberrechtsverletzungen zu verstärken und binnen 15 Tagen einen Compliance-Bericht vorzulegen. Ein deutliches Signal für mehr Plattformverantwortung.

Anzeige

Angesichts der Risiken bei klassischen Messengern suchen viele Unternehmen nach sichereren Alternativen für die interne Kommunikation. Ein kostenloser Ratgeber zeigt, wie der Wechsel zu datenschutzfreundlichen Diensten gelingt und die Privatsphäre gewahrt bleibt. Kostenlosen Ratgeber für sicheres Chatten anfordern

Gefälschte Software und vorinstallierte Malware

Kaspersky deckte zudem eine Kampagne mit über 90 gefälschten Domains auf, die seriöse Software wie OBS Studio imitieren. Die Betreiber verteilen darüber Fernzugriffs-Tools. Die meisten dieser Domains wurden im Februar 2026 registriert.

Und ein weiterer Alarm: Forscher entdeckten den Android-Schädling „Keenadu", der auf über 13.000 Geräten vorinstalliert war – in der Firmware und in Smart-Home-Kamera-Apps. Einige dieser Apps hatten im Google Play Store mehr als 300.000 Downloads, bevor sie entfernt wurden.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Die Behörden appellieren an Unternehmen, verdächtige Aktivitäten umgehend bei nationalen Cybercrime-Portalen zu melden. Entscheidend bleibt die Schulung der Mitarbeiter: Nur wer die Warnsignale von Identitätsbetrug und schädlichen Dateianhängen erkennt, kann sich wirksam schützen.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69691438 |