WhatsApp-Betrug, Polizei

WhatsApp-Betrug: Polizei warnt vor Verifizierungscode-Diebstahl

Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 14:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Polizei meldet neue WhatsApp-Betrugsmaschen mit gefälschten Umfragen, während der Betreiber zusätzliche Passkey- und Anrufschutzfunktionen plant.

WhatsApp-Betrug nimmt zu: Polizei warnt vor Kontoübernahmen
Ein modernes Smartphone mit ausgeschaltetem Bildschirm auf einem dunklen Büroschreibtisch. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Polizeiliche Kriminalprävention (ProPK) hat Mitte August vor einer neuen Welle von Betrugsversuchen über den Messenger-Dienst WhatsApp gewarnt. Kriminelle nutzen demnach zunehmend gehackte Konten, um Links zu gefälschten Abstimmungen an Kontakte der Opfer zu verbreiten. Ziel dieser Masche sei es, an den sechsstelligen Verifizierungscode der Nutzer zu gelangen, um deren Accounts vollständig zu übernehmen.

Neue Taktiken: Von Umfrage-Betrug bis Ghost-Pairing

Neben dem Diebstahl von Verifizierungscodes wies das Polizeipräsidium Rheinpfalz auf die Gefahr des sogenannten Ghost-Pairing hin. Hierbei verknüpfen Angreifer unbemerkt externe Geräte mit bestehenden WhatsApp-Konten.

Die Folgen solcher Übernahmen können für Betroffene und ihr Umfeld kostspielig sein. Ein konkreter Fall in Ludwigshafen aus der zweiten Augusthälfte verdeutlicht die Vorgehensweise: Eine Frau überwies 500 Euro, nachdem sie eine Nachricht über das gehackte Konto ihrer Schwester erhalten hatte.

Auch im politischen Umfeld nehmen gezielte Attacken zu. Berichten zufolge griffen staatlich unterstützte Hacker Konten hochrangiger EU-Vertreter an. Die interne Cybereinheit der EU registrierte im Jahr 2026 bereits acht bedeutende Vorfälle in Institutionen der Union. Dabei setzten die Angreifer auf Spearphishing und gaben sich unter anderem als Support-Mitarbeiter des Dienstes Signal aus. Niederländische Geheimdienste bringen diese Kampagnen mit Akteuren aus Russland in Verbindung.

WhatsApp kündigt verschärfte Sicherheitsfunktionen an

Der Messenger-Betreiber reagiert auf die Bedrohungslage mit der Einführung neuer Schutzmechanismen, die in den kommenden Wochen schrittweise ausgerollt werden sollen. Eine zentrale Neuerung ist die Möglichkeit, mehrere Passkeys pro Konto zu hinterlegen. Zudem soll die bisherige sechsstellige PIN der Zwei-Schritt-Verifizierung durch ein individuelles Passwort ersetzt werden können, das auch Buchstaben und Sonderzeichen enthalten darf.

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Für Nutzer des Betriebssystems Android werden zudem erweiterte Informationen bei Anrufen von unbekannten Nummern eingeführt. Diese sollen Details wie das Herkunftsland oder die Mitgliedschaft in gemeinsamen Gruppen anzeigen, um die Einordnung potenzieller Spam-Anrufe zu erleichtern.

Massive Datenabfragen und wirtschaftliche Schäden

Die Dimension des Problems wird durch aktuelle Analysen unterstrichen. Experten der Universität Wien und von SBA Research stellten fest, dass über die Funktion zur Kontakt-Entdeckung im November 2025 mehr als 100 Mio. Telefonnummern pro Stunde abgefragt werden konnten. Auf diesem Weg ließen sich 3,5 Mrd. aktive WhatsApp-Accounts identifizieren. Bei 57 Prozent dieser Profile waren die Profilbilder öffentlich einsehbar.

Der finanzielle Schaden durch Betrug über Messenger-Dienste ist erheblich. Jens Münzer, Experte bei der Finanzaufsicht Bafin, erklärte, dass der weltweite Schaden im Bereich Cyber-Trading seit 2017 bereits bei etwa 18 Mrd. Euro liege.

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Für Deutschland werde der jährliche Schaden im mindestens dreistelligen Millionenbereich taxiert. Während klassischer webseitenbasierter Betrug konstant bleibe, verzeichne man bei Messenger-Diensten eine deutliche Zunahme.

Empfehlungen für Nutzer

Die Ermittlungsbehörden raten dringend dazu, die Zwei-Schritt-Verifizierung zu aktivieren und Verifizierungscodes unter keinen Umständen an Dritte weiterzugeben. Bei ungewöhnlichen Bitten um Geld oder Daten sollten die jeweiligen Kontakte über einen alternativen Weg angerufen werden, um die Identität zu bestätigen.

Zudem wird empfohlen, in den Datenschutzeinstellungen die Sichtbarkeit von Profilbildern und Info-Texten auf den Status „Meine Kontakte“ zu beschränken. Um die Übermittlung der eigenen IP-Adresse an Dritte zu verhindern, kann zudem die Link-Vorschau in den erweiterten Einstellungen deaktiviert werden.

Sollte ein Konto bereits übernommen worden sein, rät die Polizei zur Neuregistrierung der Nummer, der Warnung sämtlicher Kontakte sowie zur Erstattung einer Anzeige.

Mehr zum Thema bei Netzwelt: „WhatsApp-Betrug: Diese harmlose Nachricht von Freunden kapert euer Konto - Polizei warnt“

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