WhatsApp-Betrug: 114 Millionen Angriffe im ersten Halbjahr 2026
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 23:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de
WhatsApp-Nutzer weltweit sind Ziel einer neuartigen Angriffsmethode. Die als „GhostPairing" bekannte Technik nutzt eine legitime Funktion der App aus.
Cybersicherheitsexperten des Unternehmens GenDigital haben die Methode in ihrem aktuellen Bedrohungsbericht für das erste Halbjahr 2026 detailliert beschrieben. Der Angriff missbraucht die Gerätekopplungs-Funktion von WhatsApp. Die Täter bringen ihre Opfer dazu, eine unerwartete Verbindungsanfrage zu bestätigen – häufig durch das Vorzeigen gefälschter QR-Codes. Ist die Freigabe erteilt, haben die Angreifer dauerhaften Zugriff auf Nachrichtenverlauf und Kontaktliste.
Explosionsartiger Anstieg bei Betrugsfällen
Die Zahlen sind alarmierend: GenDigital blockierte allein 114,2 Millionen E-Shop-Betrugsversuche – ein Anstieg um 109 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Noch drastischer fällt die Entwicklung bei Identitätstäuschungen aus: Betrugsfälle, bei denen sich Kriminelle als Behörden ausgaben, stiegen um 387 Prozent. Die Masche des „falschen Familienmitglieds" legte sogar um 454 Prozent zu.
Auch die Zahl der Sicherheitswarnungen explodierte. Die Experten verzeichneten 3,3 Millionen Benachrichtigungen über Datenschutzverletzungen – ein Plus von 628 Prozent. Bankkonten-Warnungen schnellten um 734 Prozent nach oben.
Schadsoftware per WhatsApp im Umlauf
Parallel dazu entdeckten Sicherheitsforscher eine weitere Kampagne. Zwischen dem 15. und 16. Juli 2026 wurden getarnte VBScript-Dateien über WhatsApp verbreitet. Die als Geschäftsdokumente getarnten Anhänge installieren eine Fernwartungssoftware auf den Geräten der Opfer. Die mehrstufige Infektion verschafft Angreifern vollständigen Zugriff auf die Systeme. Die Kampagne wurde bereits in elf Ländern nachgewiesen.
Politiker im Visier von Staatstrojanern
Besonders brisant: Ein ausländischer Geheimdienst hat gezielt Abgeordnete und deren Mitarbeiter angegriffen. Betroffen waren Parlamentarier in Deutschland, den USA und den Niederlanden. Die Angreifer nutzten Verifizierungscodes, um sich in Konten einzuloggen. Allein im laufenden Haushaltsjahr wurden über 20.000 Phishing-Versuche und 1.458 Cyber-Warnungen registriert.
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In Mumbai wurde zudem das WhatsApp-Konto der Sprecherin der Shiv-Seva-Partei, Shaina NC, gekapert. Die Täter forderten von ihren Kontakten dringende Geldhilfe. Acht Personen zahlten – jeder etwa 49.000 Rupien (rund 540 Euro).
Milliardenschäden durch Messaging-Betrug
Die Dimension des Problems wird in Indien besonders deutlich: Zwischen Januar und Juni 2026 wurden 1,27 Millionen Beschwerden über Finanzbetrug registriert. Der Gesamtschaden übersteigt umgerechnet 1,1 Milliarden Euro. Die Behörden konnten bislang knapp 30 Prozent der verlorenen Gelder einfrieren.
Ein besonders krasser Fall: Ein 70-jähriger Wirtschaftsprüfer aus Gwalior verlor zwischen Dezember 2025 und Juli 2026 umgerechnet 2,3 Millionen Euro in einem angeblichen Kryptowährungs-Investment. Die Betrüger zeigten ihm ein gefälschtes Guthaben von über 3,6 Millionen Euro an – doch Auszahlungen waren blockiert.
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Neue Funktion, neue Gefahren
WhatsApp plant für 2025 die Einführung einer Nutzernamen-Funktion. Die soll eigentlich die Telefonnummern der Nutzer verbergen. Datenschützer warnen jedoch vor neuen Risiken: Kriminelle könnten täuschend ähnliche Namen registrieren, um sich als Amtspersonen oder Unternehmen auszugeben. Die Experten raten zu erhöhter Skepsis und unabhängiger Identitätsprüfung bei Kontaktaufnahmen über den Messengerdienst.
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