WhatsApp-Angriffe: Kriminelle kapern Chats in zwei Stunden
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 08:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kriminelle Akteure setzen verstärkt auf sogenannte Man-in-the-Middle-Angriffe, um die Kommunikation innerhalb des Messengerdienstes WhatsApp zu überwachen und sich als vertrauenswürdige Kontaktpersonen auszugeben. Durch diese Technik gelingt es Angreifern, aktiv in laufende Konversationen einzugreifen, Nachrichten zu manipulieren und Nutzer zur Überweisung von Geldbeträgen auf fremde Konten zu bewegen.
Gezielte Manipulation bei Versicherungsgeschäften
Ein aktueller Fall verdeutlicht die Tragweite dieser Betrugsmasche. Wie Mitte September bekannt wurde, geriet die Influencerin „?????" ins Visier von Hackern, nachdem sie eine einmonatige Prüfung einer Auslandsversicherung durchlaufen hatte. Im Zuge eines Man-in-the-Middle-Angriffs wurde ihr WhatsApp-Chat kompromittiert. Die Täter teilten das Konversationsfenster und traten als vermeintliche Versicherungsmakler auf.
In der manipulierten Kommunikation forderten die Angreifer die Zahlung einer Versicherungsprämie in Höhe von 31.000 RMB. Sie gaben dabei ein persönliches Bankkonto in Taiwan an, auf das letztlich knapp 150.000 NT$ überwiesen wurden.
Bemerkenswert an diesem Vorfall war die Geschwindigkeit der technischen Umsetzung: Innerhalb von nur zwei Stunden nach dem Zugriff unterschieden sich die Chatverläufe auf den Endgeräten der beiden ursprünglichen Gesprächspartner vollständig.
Sicherheitsexperten raten aufgrund solcher Vorfälle dazu, bei Änderungen von hinterlegten Überweisungskonten grundsätzlich eine zweite Verifikation auf einem Offline-Weg durchzuführen.
Verschiedene Wege der Kontoübernahme
Wer sich vor solchen manipulativen Zugriffen schützen möchte, findet in der neuen Passkey-Technologie eine wirksame Verteidigung gegen Hacker. Dieser kostenlose Report zeigt, wie Sie die sicherere Alternative zum klassischen Passwort bei WhatsApp und anderen Diensten sofort einrichten. Kostenlosen Passkey-Ratgeber jetzt herunterladen
Neben der direkten Manipulation laufender Gespräche beobachten Branchenbeobachter weitere Methoden zur Übernahme von Nutzerkonten. So sei ein Zugriff bereits durch einen weitergeleiteten Code oder einen einzigen Klick auf präparierte Links möglich. Einmal im Besitz des Kontos, verfassen die Angreifer Nachrichten im Namen des Opfers, um weitere Kontakte zu täuschen.
Zusätzlich weisen Sicherheitsberichte auf Risiken durch Zero-Click-Angriffe hin. Diese betreffen insbesondere ältere Versionen des Betriebssystems iOS vor der Version 16.7.12 in Kombination mit einer spezifischen Schwachstelle in der WhatsApp-Anwendung. Obwohl Apple und Meta entsprechende Patches bereitgestellt haben, bleiben nicht aktualisierte Geräte gefährdet.
In Europa wurden solche Vorfälle bereits seit dem Frühjahr dokumentiert. In einem Fall in Spanien oder Italien erbeuteten Betrüger 988 Euro vom Vater einer Nutzerin, die ein iPhone 12 verwendete. Während die portugiesische Polizei (PSP) die Bedrohungslage als relevant einstuft, wurden dort bislang keine entsprechenden Fälle gemeldet.
Phishing-Wellen und neue Sicherheitsfunktionen
Der Schutz der Privatsphäre bei Messengern wird angesichts dieser Bedrohungen immer wichtiger für viele Anwender. Ein aktueller Ratgeber erklärt, wie der Umstieg auf datenschutzfreundliche Alternativen funktioniert und wie man seine Kommunikation in wenigen Minuten effektiv absichert. Gratis-Report zur Messenger-Sicherheit anfordern
Parallel zu den technischen Angriffen nutzen Kriminelle klassische Phishing-Methods. Aktuelle E-Mails täuschen eine notwendige Datenüberprüfung vor und drohen mit einer Kontodeaktivierung sowie der Löschung aller Nachrichten innerhalb von 24 Stunden.
Die Verbraucherzentrale weist in diesem Zusammenhang auf typische Warnsignale wie unpersönliche Anreden und fehlerhafte Formatierungen hin. Grundsätzlich kommuniziere WhatsApp nicht per E-Mail über Kontensperrungen.
Als Reaktion auf die Bedrohungslage baut WhatsApp die Sicherheitsmechanismen aus. Mehr als eine Milliarde Nutzer verwenden mittlerweile Passkeys zur Absicherung. Geplant ist zudem die Einführung vollwertiger Passwörter anstelle der bisherigen sechsstelligen PIN für die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Eine neue Funktion für Android soll zudem Warnhinweise bei Anrufen von unbekannten Nummern aus dem Ausland anzeigen.
Weitere Schutzmaßnahmen befinden sich derzeit in der Erprobung. Eine „Restricted Chat“-Funktion für Android soll sicherstellen, dass ausgewählte Konversationen nur auf dem Haupt-Smartphone sichtbar sind und der Zugriff über verknüpfte Geräte wie WhatsApp Web blockiert wird. Dies soll die Sicherheit sensibler Daten erhöhen, da ein Export von Chatverläufen ohnehin nur lokal am Smartphone möglich ist und strengen Mengenbegrenzungen unterliegt.
So können laut technischen Spezifikationen maximal 40.000 Nachrichten ohne Medienanhänge oder die 10.000 neuesten Nachrichten inklusive Medien exportiert werden.
