WFP-Cyberangriff: 600.000 Haushalte im Gazastreifen betroffen
05.06.2026 - 07:31:54 | boerse-global.de
Unbekannte Täter erbeuteten persönliche Daten von rund 600.000 Haushalten im Gazastreifen. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Verwundbarkeit digitaler Hilfssysteme in Krisengebieten.
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Massive Datenpanne mit weitreichenden Folgen
Der unbefugte Zugriff ereignete sich bereits am 14. Mai. Die Angreifer verschafften sich Zugang zur sogenannten Self-Registration Application (SRA) des WFP für Palästina. Betroffen sind hochsensible Informationen: vollständige Namen, nationale Identifikationsnummern, Telefonnummern und Standortdaten auf Nachbarschaftsebene.
Die Dimension des Angriffs ist gewaltig. Bei einer Bevölkerung von rund 2,1 Millionen Menschen im Gazastreifen und einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 5,5 Personen könnte der Datendiebstahl nahezu die gesamte Bevölkerung betreffen. Das WFP versorgt derzeit monatlich etwa 1,6 Millionen Menschen in der Region mit Nahrungsmitteln.
Verspätete Warnung und laufende Ermittlungen
Kritisch ist der zeitliche Ablauf: Obwohl der Einbruch Mitte Mai stattfand, informierte das WFP seine Partner erst am 31. Mai über den Vorfall – eine Verzögerung von 17 Tagen. Die offizielle Offenlegung erfolgte schließlich am 4. Juni.
Als Reaktion auf die Entdeckung legte das WFP die Selbstregistrierungsplattform vorübergehend still. „Wir haben das System umgehend gesperrt, um Sicherheitsverbesserungen vorzunehmen“, erklärte ein Sprecher. Das globale SCOPE-Registrierungssystem sei nicht betroffen. Die humanitäre Hilfe in der Region läuft trotz des digitalen Ausfalls weiter.
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Das WFP warnt Hilfsempfänger vor möglichen Phishing-Versuchen, bei denen Kriminelle die gestohlenen Daten nutzen könnten. Die Täter und die genaue Einbruchsmethode sind noch unbekannt.
Sicherheitslücken vor dem Angriff
Besonders brisant: Berichten zufolge hatte ein unabhängiger Experte nur Tage vor dem Angriff vor Sicherheitslücken im WFP-System gewarnt. Der Vorfall reiht sich ein in eine besorgniserregende Entwicklung – die zunehmende Bedrohung digitaler humanitärer Infrastruktur in Konfliktgebieten.
Branchenbeobachter sprechen vom möglicherweise größten bekannten Datendiebstahl bei einer humanitären Organisation. Der Angriff übertrifft sogar den Cyberangriff auf das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) aus dem Jahr 2022, bei dem die Daten von rund 515.000 schutzbedürftigen Menschen kompromittiert wurden.
Die Ermittlungen zu dem Vorfall dauern an. Das WFP arbeitet nach eigenen Angaben mit Cybersicherheitsexperten zusammen, um das Ausmaß des Schadens zu ermitteln und weitere Angriffe zu verhindern.
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