West-Nil-Virus, Robert Koch-Institut

West-Nil-Virus infiziert sieben Menschen in Deutschland

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 14:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Das Robert Koch-Institut meldet sieben lokal erworbene Infektionen in Deutschland sowie zehn weitere Fälle nach Ansteckungen im Ausland. Todesfälle gab es in Deutschland bislang nicht.

Infektionen verteilen sich auf fünf Bundesländer

  • Das RKI registrierte sieben lokal erworbene Infektionen bei Menschen im Alter von 28 bis 83 Jahren.
  • Betroffen sind Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
  • Zehn weitere deutsche Infizierte steckten sich nach RKI-Angaben im Ausland an.
In Deutschland wird das Virus vor allem durch heimische Culex-Mücken übertragen. (Symbolbild) - Bild: Patrick Pleul/dpa

West-Nil-Virus breitet sich in mehreren Bundesländern aus

Im Jahr 2026 haben sich bislang sieben Menschen lokal in Deutschland mit dem West-Nil-Virus angesteckt. Die Infektionen traten wahrscheinlich in den Wohnorten der Betroffenen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt auf.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind die Erkrankten zwischen 28 und 83 Jahre alt; die Zahlen beziehen sich auf den Stand vom 26. Oktober. Zusätzlich wurden zehn Menschen registriert, die sich im Ausland infiziert hatten.

Keine Todesfälle in Deutschland

In Deutschland starb in diesem Jahr bislang niemand an einer West-Nil-Infektion. Das Virus wird hauptsächlich durch Stechmücken zwischen wildlebenden Vögeln übertragen, kann aber auch Menschen und andere Säugetiere infizieren.

Als Überträger gelten hierzulande heimische Culex-Mücken. Das Virus gelangt nach Angaben des RKI unter anderem durch Zugvögel aus tropischen Regionen in Gebiete am Mittelmeer und in andere Teile Europas.

Europa meldet deutlich mehr Fälle

In Europa wurden in diesem Jahr deutlich mehr lokale Infektionen registriert als in den meisten vergangenen Gesamtjahren. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten meldete bis zum 23. Oktober 1.965 Fälle.

Am stärksten betroffen war Italien mit 770 Fällen. Es folgten Griechenland mit 457, Frankreich mit 173, Spanien mit 145 und Rumänien mit 125 Fällen. Bis zum 7. Oktober wurden in Europa insgesamt 130 Todesfälle gemeldet.

Schwere Verläufe bleiben selten

Die meisten Infektionen verlaufen unauffällig. Rund 20 Prozent der Infizierten entwickeln den Angaben zufolge West-Nil-Fieber mit plötzlich einsetzendem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit sowie geschwollenen Lymphknoten.

Etwa eine von 100 infizierten Personen erkrankt schwer an einer neuroinvasiven Form. Meist handelt es sich um eine gutartige Hirnhautentzündung; fünf bis zehn Prozent der Patienten mit einer neuroinvasiven Erkrankung sterben. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Personen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen.

Die sieben lokal erworbenen Infektionen zeigen, dass das West-Nil-Virus inzwischen nicht mehr nur als importierte Reiseinfektion betrachtet werden kann. Seit den ersten in Deutschland festgestellten Übertragungen durch heimische Mücken im Jahr 2019 wurden Fälle wiederholt in den Sommer- und Herbstmonaten registriert.

Für die Bevölkerung bleibt das individuelle Risiko nach den vorliegenden Zahlen niedrig. Die meisten Infektionen verlaufen ohne Beschwerden; bei einem kleineren Teil kommt es zu Fieber. Schwere neurologische Verläufe betreffen vor allem ältere Menschen und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen.

Wärmere Bedingungen begünstigen Ausbreitung

Die Entwicklung steht im Zusammenhang mit dem Gesundheitsrisiko durch heimische Culex-Mücken und der zunehmenden Eignung wärmerer Regionen für die Virusübertragung. Zugvögel können das Virus nach Europa bringen, während Mücken den Erreger zwischen Vögeln und gelegentlich auf Menschen übertragen.

Deutschland liegt mit sieben lokal erworbenen Fällen deutlich unter den am stärksten betroffenen europäischen Ländern. Die europäische Gesamtzahl und die gemeldeten Todesfälle verdeutlichen jedoch, dass die saisonale Überwachung weiterhin relevant bleibt. Für Leser bedeutet das vor allem, Mückenstiche zu vermeiden und bei plötzlich einsetzendem Fieber nach einem Aufenthalt in betroffenen Gebieten ärztlichen Rat einzuholen.

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