West-Nil-Virus: 1.569 Fälle in Europa, Experten warnen vor Tigermücke
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen des European Health Forum Gastein (EHFG), das unter dem Leitmotiv einer gestärkten europäischen Gesundheitsunion stattfindet, rückt die Bedrohung durch invasive Stechmückenarten und die damit verbundenen Infektionskrankheiten in den Fokus.
Experten prognostizieren, dass die Präsenz von Krankheitsüberträgern wie der Asiatischen Tigermücke eine chronische Herausforderung darstellt, die das Gesundheitssystem über die nächsten Jahrzehnte begleiten wird.
Steigende Infektionszahlen beim West-Nil-Virus
Aktuelle Daten illustrieren eine deutliche Zunahme von West-Nil-Infektionen innerhalb Europas. Laut Berichten vom EHFG Ende September 2026 wurden für das laufende Jahr bereits rund 1.600 Infektionen und 61 Todesfälle registriert. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) präzisierte diese Zahlen mit Stand vom 23. September 2026 auf 1.569 im Inland erworbene Fälle.
Besonders betroffen zeigt sich Südeuropa. In Italien wurden 696 Fälle gemeldet, wobei Schwerpunkte in den Regionen um Rom, Padua und Mailand liegen. Griechenland verzeichnete 355 Infektionen, gefolgt von Spanien mit 125 Fällen, die sich vorwiegend auf die Extremadura und West-Andalusien konzentrieren.
Weitere Meldungen stammen aus Frankreich (102), Rumänien (91), Nordmazedonien (69), Serbien (46) und den Niederlanden (28). Für Deutschland dokumentierte das ECDC zum selben Zeitpunkt vier Fälle, die in Berlin, Leipzig und im Rhein-Pfalz-Kreis lokalisiert wurden.
Im historischen Vergleich zeigt sich eine fluktuierende, aber ernstzunehmende Tendenz: Während das Jahr 2025 insgesamt 1.112 Fälle aufwies, lagen die Zahlen 2024 bei 1.436 und 2022 bei 1.339 Infektionen. Der bisherige Höchststand wurde im Jahr 2018 mit 2.083 Fällen erreicht.
Geografische Dynamik und klimatische Faktoren
Die Ausbreitung der Überträger folgt einem messbaren Muster. Jan Semenza, Umwelt-Epidemiologe an der Universität Heidelberg, erläuterte auf dem Fachforum, dass sich die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) mit einer Geschwindigkeit von etwa 60 Kilometern pro Jahr nach Norden ausdehne. Lokale Ausbrüche von Krankheiten wie Dengue oder Chikungunya breiten sich demnach sogar mit bis zu 120 Kilometern pro Jahr aus.
Die Übertragung erfolgt primär in einem Kreislauf zwischen Mücken und Wildvögeln, wobei Umweltveränderungen und die Etablierung neuer Mückenarten die Zirkulation begünstigen. Eine Ansteckung innerhalb der Landesgrenzen ist dabei inzwischen wahrscheinlicher als durch Auslandsreisen bedingt.
Die Asiatische Tigermücke breitet sich laut Fachleuten mit rund 60 Kilometern pro Jahr nach Norden aus — und mit ihr das West-Nil-Virus. Eine Impfung oder gezielte antivirale Behandlung gibt es bislang nicht. Wer sich rechtzeitig wappnet, schützt sich und seine Liebsten. Jetzt kostenlosen Tigermücken-Schutzplan anfordern
In den Niederlanden etwa bestätigte Chantal Reusken vom Centrum Infectieziektebestrijding 44 Infektionen und fünf Todesfälle, wobei Mensch und Pferd hier als Endwirte fungieren.
Präventionsstrategien und medizinischer Forschungsbedarf
Trotz der zunehmenden Fallzahlen existieren derzeit keine zugelassenen antiviralen Behandlungen oder Schutzimpfungen für Menschen gegen das West-Nil-Virus. Das Robert Koch-Institut (RKI) weist darauf hin, dass etwa 20 Prozent der Infizierten Symptome wie West-Nil-Fieber entwickeln.
Schwere neuroinvasive Verläufe wie Meningitis oder Enzephalitis treten statistisch bei einer von 100 infizierten Personen auf, wobei Menschen ab 60 Jahren sowie Personen mit Vorerkrankungen zur Risikogruppe zählen.
Laurent Muschel, Direktor der Gesundheitsbehörde HERA, betonte die Notwendigkeit verstärkter Investitionen in die Diagnose sowie in die Entwicklung von Impfstoffen und antiviralen Medikamenten. Während Vakzine gegen Dengue und Chikungunya bereits verfügbar seien, fehle es an spezifischen Therapeutika. Zudem wird die Etablierung eines flächendeckenden Abwassermonitorings als Frühwarnsystem gefordert.
Herausforderungen in der kommunalen Bekämpfung
Ein entscheidender Faktor in der Eindämmung bleibt die lokale Prävention. Die Stadt Mannheim informiert in diesem Zusammenhang über die Überwinterungsstrategien der Tigermücke.
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Die Insekten legen ihre Eier am Innenrand wassergefüllter Gefäße ab, wo sie als Eier überwintern und im Frühjahr schlüpfen. Eine Beseitigung potenzieller Brutstätten – etwa Regentonnen, Blumenuntersetzer oder Gießkannen – im Herbst könne die erste Generation des Folgejahres deutlich reduzieren.
Dazu wird empfohlen, Behältnisse mit mindestens 60 Grad Celsius heißem Wasser auszuspülen oder die Ränder mechanisch zu reinigen. Die Verwendung von biologischen Bekämpfungsmitteln wie Bti-Tabletten wird für den Zeitraum zwischen Mitte Oktober und Mitte April als nicht zielführend eingestuft, da in dieser Phase keine Larvenentwicklung stattfindet.
