West-Nil-Fälle in Europa: Italien meldet die meisten Infektionen
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIn Europa sind seit dem Frühjahr 1.569 lokal erworbene West-Nil-Fälle registriert worden, deutlich mehr als in mehreren vollständigen Vorjahren.
Italien besonders stark betroffen
Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) mit Stand 23. September entfielen 696 Fälle auf Italien. Dahinter lagen Griechenland mit 355, Spanien mit 125, Frankreich mit 102, Rumänien mit 91, Nordmazedonien mit 69 und Serbien mit 46 Fällen.
Auffällig ist zudem eine Häufung von 28 Fällen in den Niederlanden. In Italien sind die Infektionen nahezu über das gesamte Land verteilt, mit Schwerpunkten im Raum Rom, Padua und Mailand.
Vier Fälle in Deutschland
In Deutschland wurden vier Fälle gelistet. Sie traten im Rhein-Pfalz-Kreis, in Leipzig sowie in Berlin auf, wo zwei Infektionen registriert wurden.
In Spanien konzentrieren sich die Fälle nach ECDC-Angaben auf die südwestliche Region Extremadura und den westlichen Teil Andalusiens. Mit Stand 3. September waren der Behörde 61 Todesfälle gemeldet, davon 49 in Italien und Griechenland.
Deutlich mehr Fälle als in Vorjahren
Im Gesamtjahr 2025 registrierte das ECDC 1.112 Fälle, 2024 waren es 1.436. Auch 2022 wurden mit 1.339 Fällen vergleichsweise viele Infektionen dokumentiert. Der bisherige Höchststand wurde 2018 mit 2.083 Fällen erreicht.
Übertragung durch Stechmücken
Das West-Nil-Virus wird hauptsächlich zwischen wildlebenden Vögeln und Stechmücken übertragen. Mücken können jedoch auch Menschen und andere Säugetiere infizieren.
Etwa 20 Prozent der Infizierten entwickeln West-Nil-Fieber, eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung. Rund jeder 100. Infizierte erkrankt schwer. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts heilt die Erkrankung meist komplikationslos aus; bei schweren Verläufen sind Spätfolgen jedoch relativ häufig.
Warum die Zahlen in Europa steigen
West-Nil-Viren zirkulieren in einem Übertragungszyklus zwischen wildlebenden Vögeln und Stechmücken. Menschen und andere Säugetiere gelten dabei als Fehlwirte: Sie können erkranken, tragen aber in der Regel nicht wesentlich zur weiteren Verbreitung bei. Das erklärt, warum regionale Mücken- und Vogelpopulationen für das Infektionsgeschehen entscheidender sind als zwischenmenschliche Kontakte.
Die europäischen Fallzahlen schwanken von Jahr zu Jahr deutlich. Die aktuellen 1.569 lokal erworbenen Erkrankungen liegen bereits über den Gesamtzahlen der Jahre 2025, 2024 und 2022, bleiben aber unter dem Rekord von 2.083 Fällen im Jahr 2018. Besonders stark betroffen sind Italien und Griechenland; Deutschland weist mit vier Fällen bislang eine deutlich kleinere Zahl auf.
Was das für Deutschland bedeutet
Für die Bevölkerung in Deutschland ist das Risiko regional begrenzt, aber nicht ausgeschlossen. Die gemeldeten Fälle im Rhein-Pfalz-Kreis, in Leipzig und Berlin zeigen, dass lokale Übertragungen auch hier auftreten können. Etwa vier von fünf Infektionen verlaufen ohne West-Nil-Fieber; schwere Verläufe sind selten, betreffen aber vor allem das Nervensystem und können Spätfolgen hinterlassen.
Die Bedeutung der Meldung liegt daher weniger in einer flächendeckenden Gefahr als in der zunehmenden Aufmerksamkeit für ein Virus, das durch Mücken übertragen wird. Schutzmaßnahmen richten sich vor allem auf das Vermeiden von Mückenstichen, etwa durch lange Kleidung, Repellents und geschlossene Fenster mit Insektenschutz.
