Weltseniorentag, Millionen

Weltseniorentag: 2,5 Millionen Menschen über 60 zahlen 21,7 Milliarden Euro

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Seniorenorganisationen verlangen besseren Schutz vor Altersdiskriminierung; Daten zeigen zugleich ihren wirtschaftlichen Beitrag und Versorgungslücken.

Ältere Menschen: Forderungen zu Pflege, Arbeit und Wohnen
Eine leere Parkbank unter alten Bäumen in einem sonnigen, herbstlichen Stadtpark als Symbol für altersgerechte Lebensräume. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich des Internationalen Tages der älteren Menschen am 1. Oktober fordern Interessenvertreter in Österreich, Deutschland und Südtirol einen verbesserten Schutz vor Altersdiskriminierung. Im Zentrum der Debatten stehen die wirtschaftliche Leistung der Senioren, die Reform des Pflegesystems sowie die Schaffung altersgerechter Lebensräume.

Die ökonomische Relevanz der älteren Generation in Österreich

Die wirtschaftliche Bedeutung der über 60-Jährigen in Österreich wird durch aktuelle Daten des Seniorenbundes unterstrichen. Laut Präsidentin Ingrid Korosec leben rund 2,5 Millionen Menschen dieser Altersgruppe im Land. Ihre jährliche Steuerleistung beläuft sich auf insgesamt 21,7 Milliarden Euro. Davon entfallen 11,0 Milliarden Euro auf die Lohn- und Einkommensteuer sowie 10,7 Milliarden Euro auf die Umsatzsteuer.

Zusätzlich zur monetären Steuerleistung erbringen ältere Menschen unbezahlte Leistungen im Wert von rund 9,0 Milliarden Euro. Dieser Betrag setze sich aus ehrenamtlichem Engagement in Höhe von 2,6 Milliarden Euro und Pflegeleistungen im Umfang von 6,4 Milliarden Euro zusammen.

Vor diesem Hintergrund fordert der Seniorenbund ein gesetzliches Diskriminierungsverbot aufgrund des Alters sowie die Aufwertung des Österreichischen Seniorenrates zu einem vollwertigen Sozialpartner.

Sozialpolitische Herausforderungen und pflegerische Versorgung

Kritik an den aktuellen Lebensbedingungen älterer Menschen äußerte auch die ÖGB-Pensionistinnen-Vorsitzende Monika Kemperle. Sie verwies auf lange Wartezeiten bei medizinischen Behandlungen, steigende Wohnkosten und eine Verunsicherung im Bereich der Pensionen.

Kemperle forderte eine rasche Umsetzung der Gesundheitsreform, den Ausbau der Prävention sowie ein Recht auf analoge Alternativen zu digitalen Dienstleistungen. Zur Sicherung des Lebensstandards im Alter plädierte sie für eine Stärkung des öffentlichen Umlageverfahrens und Nachbesserungen bei der Mietpreisbremse.

Die Diakonie betonte die tragende Rolle der Generation über 50 bei der Sorgearbeit. Rund 80 Prozent der Pflegebedürftigen in Österreich werden zu Hause versorgt. Fast 70 Prozent dieser Leistungen werden von Frauen erbracht, wobei der Schwerpunkt in der Altersgruppe der 56- bis 65-Jährigen liegt.

Eine Umfrage des Market-Instituts im Auftrag der Diakonie verdeutlicht jedoch Informationsdefizite: Jeder Zweite wisse im Bedarfsfall nicht, an welche Stelle er sich wenden könne. Zwei Drittel der Befragten bewerteten die bestehende Pflegeunterstützung als nicht ausreichend.

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Erwerbstätigkeit im Alter: Debatte um Anreizsysteme

Im Bereich der Beschäftigung werden unterschiedliche Modelle diskutiert, um ältere Arbeitnehmer länger im Erwerbsleben zu halten. Während die ÖVP-Senioren-Präsidentin Ingrid Korosec und die SPÖ-Seniorenbund-Präsidentin Birgit Gerstorfer für eine Senkung der Sozialversicherungsbeiträge bei der Beschäftigung von über 60-Jährigen plädieren, lehnt Neos-Sozialsprecher Johannes Gasser ein Bonus-Malus-System für Unternehmen ab.

In einem Pressegespräch Ende September 2026 betonte Gasser, dass Langzeitarbeitslosigkeit im Alter häufig gesundheitliche Gründe habe. Er schlug stattdessen die Schaffung einer Teilarbeitsfähigkeit vor. Ein entsprechendes Anreizsystem wird derzeit vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) geprüft, Ergebnisse werden bis zum Jahresende erwartet.

Auch in Südtirol fordert Johann Zöggeler, Landesobmann der Generation Handwerk+ im lvh, attraktive Rahmenbedingungen für arbeitende Pensionisten ohne steuerliche Überbelastung. Er mahnte zudem eine Sensibilisierung für Betrugsmaschen im digitalen Raum an. Die Südtiroler Landtagsabgeordnete Waltraud Deeg verwies auf das Landesgesetz zum Aktiven Altern aus dem Jahr 2022 und den Dreijahresplan 2026–2028 als Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe.

Wohnen und Sicherheit im demografischen Wandel

In Deutschland macht die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) mit der bundesweiten Aktion „JA zum Alter“ auf die Bedürfnisse der älteren Generation aufmerksam. Geplant sind Veranstaltungen in Städten wie Düsseldorf und Erfurt.

Die Notwendigkeit struktureller Anpassungen belegen Daten des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) aus dem Jahr 2023. Demnach leben lediglich 5,6 Prozent der über 65-Jährigen in einer weitgehend barrierefreien Wohnung. Zudem fühlen sich 35,5 Prozent dieser Altersgruppe nach Einbruch der Dunkelheit auf der Straße unsicher.

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Ein konkretes Konzept zur Verbesserung der Lebensqualität verabschiedete der Seniorenbeirat der Stadt Solingen in seiner Sitzung am 23. September 2026, das Standards für die Infrastruktur im Wohnumfeld festlegt.

Ergänzend weist die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes darauf hin, dass 61 Prozent der Brandtoten in Deutschland über 60 Jahre alt sind. Die Pflegekassen übernehmen ab Pflegegrad 1 unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten für technische Hilfsmittel wie Herdwächter, um die Sicherheit in der häuslichen Umgebung zu erhöhen.

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