Welthospiztag: Warum Familien schwerstkranker Menschen psychosoziale Hilfe brauchen
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anlässlich des Welthospiztages rücken Hilfsorganisationen und Fachverbände die psychische Belastung von Familien schwerstkranker Menschen sowie den Stellenwert fundierter Qualifizierungskurse für ehrenamtliche Begleiter in den Mittelpunkt. Die Begleitung am Lebensende erfordert nicht nur praktische Fürsorge, sondern vor allem emotionale Stabilität und psychosoziale Unterstützung für das gesamte Umfeld der Betroffenen.
Umfassende Vorbereitung durch Qualifizierungskurse
Ehrenamtliche Hospizbegleiter übernehmen eine zentrale Brückenfunktion zwischen Fachpersonal und Angehörigen. Um dieser anspruchsvollen Aufgabe gerecht zu werden, durchlaufen Interessierte strukturierte Ausbildungsprogramme.
Beim Regionalen Hospizverein Rotenburg, der derzeit rund 25 schwerkranke Menschen begleitet und von drei hauptamtlichen Koordinatorinnen geleitet wird, startet beispielsweise jährlich im September ein kostenloser, rund 100-stündiger Qualifizierungskurs bis Juni. Die Begleitung durch die rund 70 Ehrenamtlichen des Vereins erfolgt rein psychosozial und kostenfrei, ohne medizinische oder pflegerische Aufgaben.
Ähnliche Konzepte verfolgen andere Träger: Bei der Martin Luther Stiftung Hanau, deren ambulanter Dienst seit 20 Jahren besteht und jährlich mit rund 30 Ehrenamtlichen etwa 120 Menschen betreut, deckt die Schulung Aspekte wie Kommunikation, Trauer, Ethik und Recht ab.
Beim Malteser Hospizdienst schlossen 16 Personen einen 120 Unterrichtseinheiten umfassenden Vorbereitungskurs ab, sodass im Raum Schlüchtern nun 28 Ehrenamtliche jährlich etwa 40 sterbende Kinder und Erwachsene sowie deren Angehörige versorgen.
Auch spezialisierte Dienste wie der Ökumenische Kinder- und Jugendhospizdienst CLARA in Mannheim setzen auf intensive Schulungen: Sechs neue Ehrenamtliche wurden nach neun Monaten Vorbereitung mit sechs Wochenendseminaren und einem 20-stündigen Praktikum beauftragt.
Niedrigschwellige Angebote wie die Letzte-Hilfe-Kurse von compass vermitteln zudem Angehörigen in rund vierstündigen Einheiten Basiswissen zur Palliativversorgung, ohne Prüfungen oder Zertifikate zu verlangen.
Breites Spektrum der Hospiz- und Trauerangebote
Die Nachfrage nach Unterstützung spiegelt sich in den Leistungszahlen der Hilfsorganisationen wider. Die Malteser begleiteten im Jahr 2025 bundesweit über 34.000 sterbende und trauernde Menschen. Dabei engagierten sich über 5.000 Ehrenamtliche im Alter von 18 bis 80 Jahren in Arbeitsfeldern von der Erstdiagnose über Kinderhospizangebote bis hin zu digitalen Trauerangeboten.
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In den Diözesen Dresden-Meißen und Görlitz betreuten 560 Ehrenamtliche im selben Zeitraum mehr als 2.600 Menschen, wobei auch hier anonyme digitale Trauerangebote zur Verfügung stehen.
Die Johanniter stützen sich bundesweit auf über 950 ehrenamtliche Hospizbegleitende und betreiben 19 ambulante Dienste – darunter vier für Kinder – sowie vier stationäre Hospize mit über 1.100 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden.
Nach Angaben des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands engagieren sich bundesweit rund 140.000 Menschen in diesem Bereich, während in Deutschland täglich mehr als 2.500 Menschen versterben.
Die Caritas betont, dass täglich über 2.700 Menschen meist nach längerer Krankheit sterben und sich jährlich über 10.000 Menschen das Leben nehmen, weshalb die Verankerung psychosozialer Begleitung in der Versorgung weiter gestärkt werden müsse.
Finanzierung und strukturelle Absicherung
Neben dem persönlichen Einsatz bleibt die finanzielle Ausstattung eine kontinuierliche Herausforderung. Im stationären Bereich, wie etwa im Hospiz Schussental in Ravensburg mit acht Plätzen, müssen Einrichtungen fünf Prozent ihrer Kosten selbst aufbringen – dort ein sechsstelliger Betrag –, während Krankenkassen den verbleibenden Anteil tragen.
Viele Ehrenamtliche und Angehörige wissen nicht, welche Kosten Hospizdienste tragen und welche Leistungen ihnen zustehen. Der kostenlose Leitfaden ordnet die Finanzierung ambulanter und stationärer Begleitung ein und zeigt, welche Entlastungen aktuell vorgesehen sind. Finanzierungs-Checkliste sichern
Im ambulanten Sektor unterstützen die Kassen die Strukturen zunehmend: Laut dem Verband der Ersatzkassen (vdek) in Hessen begleiteten ambulante Hospizdienste dort im Vorjahr 5.302 Menschen mit Unterstützung von 3.879 Ehrenamtlichen. Die Ersatzkassen fördern diese Dienste im Jahr 2026 mit rund 5,7 Millionen Euro, was einem Zuwachs von über 480.000 Euro gegenüber 2025 entspricht.
Insgesamt stellen die gesetzlichen Krankenkassen in Hessen dafür rund 12 Millionen Euro bereit. Auf gesetzlicher Ebene sieht der Kabinettsentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes zudem Entlastungen vor, etwa die Fortzahlung des Pflegegeldes bei Aufenthalten von Eltern in Kinderhospizen.

