Weltherztag, Millionen

Weltherztag am 29. September: 20 bis 30 Millionen Deutsche haben Bluthochdruck

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hohe Krankheitskosten und geschlechtsspezifische Diagnoselücken unterstreichen den Bedarf an Prävention, Screenings und digitaler Betreuung.

Weltherztag: Prävention und digitale Blutdruckhilfe im Fokus
Ein minimalistischer, leerer Untersuchungsraum in einer modernen Klinik mit natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen international zu den führenden Todesursachen und verursachen erhebliche volkswirtschaftliche Belastungen. Anlässlich des Weltherztages am 29. September rücken Fachleute verstärkt die Früherkennung von Risikofaktoren und Herzinfarktsymptomen in den Fokus. Parallel dazu erweitern Krankenkassen und medizinische Einrichtungen digitale Unterstützungsangebote für das kontinuierliche Blutdruckmanagement.

Hohe Krankheitslast und ökonomische Folgen

Die Dimension der Problematik spiegelt sich in den statistischen Erhebungen wider. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) belaufen sich die jährlichen gesamtgesellschaftlichen Kosten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf rund 8,5 Milliarden Euro in Österreich und rund 282 Milliarden Euro in der gesamten Europäischen Union.

In Österreich ist laut der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG) rund ein Drittel aller Todesfälle auf kardiovaskuläre Erkrankungen zurückzuführen; rechnerisch stirbt dort etwa alle 17 Minuten ein Mensch an den Folgen. Nach offiziellen statistischen Daten verstarben im Jahr 2024 in Österreich 16.311 Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, was 2.236 Todesfällen beziehungsweise rund 7 Prozent mehr als bei Männern entspricht.

Für Deutschland meldet das Robert Koch-Institut (RKI), dass etwa 20 bis 30 Millionen Menschen von Bluthochdruck betroffen sind. Weltweit hat sich die Zahl der Personen mit Hypertonie seit 1990 verdoppelt. Nach Schätzungen der Deutschen Herzstiftung leiden zudem etwa eine Million Menschen in Deutschland an der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) und rund zwei Millionen an Herzschwäche.

Forderung nach systematischer Prävention und geschlechtsspezifischer Diagnostik

Die ÖKG plädiert angesichts dieser Zahlen für eine umfassende gesellschaftliche und politische Präventionsoffensive. Die Fachgesellschaft schlägt fünf Kernmaßnahmen vor:
- die Verankerung der Herzgesundheit als prioritäres Ziel im Bereich der öffentlichen Gesundheit,
- eine Intensivierung der Aufklärung in der Bevölkerung,
- eine Modernisierung der Vorsorgeuntersuchungen und Messmethoden,
- den Einsatz digitaler Managementinstrumente wie eines standardisierten Herzplans sowie
- die Etablierung vernetzter Qualitätsdaten und eines nationalen Herzreports.

Ein wesentlicher Aspekt betrifft geschlechts- und altersspezifische Unterschiede. Die ÖKG weist darauf hin, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen häufig später erkannt und seltener leitliniengerecht behandelt werden.

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Mediziner betonen zudem, dass bei mehr als der Hälfte der Frauen der Blutdruck im Umfeld der Menopause deutlich ansteigt und viele in den ersten Jahren danach eine Hypertonie entwickeln. Regelmäßige Messungen werden daher ab dem 45. Lebensjahr angeraten.

Niedrigschwellige Tests und digitale Versorgungsmodelle

Um Risiken frühzeitig aufzudecken, setzen Gesundheitssysteme zunehmend auf wohnortnahe Screenings und telemedizinische Angebote. Zeitgleich mit dem Weltherztag am 29. September findet bis zum 4. Oktober 2026 die erste europäische Screening-Woche mit Schwerpunkt auf Herz-Kreislauf- und kardiometabolischen Risiken statt.

In Österreich bieten Vor-Ort-Apotheken Screenings für Parameter wie Blutdruck, Blutzucker, Langzeitblutzucker oder Cholesterin ante, deren Resultate innerhalb weniger Minuten vorliegen. Daten von TARA24 zufolge offerieren 91 Prozent der österreichischen Apotheken ein Blutdruck-Screening.

Wie effektiv solche Angebote sein können, zeigte eine Diabetes-Vorsorgeaktion in Kärntner Apotheken: Von knapp 5.200 Teilnehmenden wurden 1.923 Fälle von Prädiabetes sowie 178 zuvor unentdeckte Diabeteserkrankungen festgestellt und zur weiteren Diagnostik an Arztpraxen überwiesen.

Gleichzeitig gewinnen digitale Anwendungen an Bedeutung. Die Krankenkasse BKK GILDEMEISTER SEIDENSTICKER stellt ihren Versicherten mit Manoa Plus ein digitales Programm bereit, das bei der Blutdruckkontrolle und einem gesundheitsfördernden Lebensstil unterstützt.

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An der Universitätsklinik Halle erprobt ein Forschungsprojekt den Einsatz von Telemedizin und digitalen Werkzeugen, um chronisch herzkranke Patienten kontinuierlich aus der Ferne zu begleiten und die Medikamenteneinnahme verlässlich zu überwachen.

Orientierungswerte für den Alltag

Fachgesellschaften wie die Deutsche Hochdruckliga nennen für die eigenständige Blutdruckmessung zu Hause Werte von unter 135/85 mmHg als Richtgröße; wiederholt erhöhte Messergebnisse bedürfen ärztlicher Kontrolle.

Für gesunde Personen ab 50 Jahren empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin eine strukturierte Risikoerfassung, die Faktoren wie Alter, Geschlecht, Raucherstatus und Cholesterinwerte kombiniert. Bei Warnzeichen wie belastungsabhängigen Schmerzen, anhaltenden Pulsveränderungen oder Schwellungen an Beinen und Füßen raten Mediziner zu einer zeitnahen Abklärung.

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