Weiterbildung im Alter: Nur 48,5 Prozent der 56- bis 65-Jährigen machen mit
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer bevorstehende OECD-Bildungsbericht rückt ein Thema in den Fokus, das angesichts alternder Belegschaften an Bedeutung gewinnt: die Rolle von Weiterbildung für ältere Arbeitnehmer und Menschen im Rentenalter. Anlässlich der Veröffentlichung des Berichts verweisen Beobachter auf Daten des Deutschen Alterssurvey (DEAS), die zeigen, wie stark berufliche und private Bildungsangebote mit späteren Lebensentscheidungen zusammenhängen.
Weiterbildungsquote sinkt mit dem Alter
Laut dem Deutschen Alterssurvey nahmen 71,9 Prozent der 43- bis 55-jährigen Erwerbstätigen in den vorangegangenen drei Jahren an beruflicher Weiterbildung teil. Bei den 56- bis 65-Jährigen lag dieser Anteil mit 48,5 Prozent bereits deutlich niedriger.
Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Bereitschaft oder die Möglichkeit zur beruflichen Fortbildung mit zunehmendem Alter abnimmt – ein Umstand, der angesichts längerer Erwerbsbiografien und späterer Renteneintrittsalter zunehmend Beachtung findet.
Auch bei nicht-beruflichen Bildungsangeboten zeigt sich ein ähnliches Muster. An Freizeitkursen und Vorträgen nahmen dem DEAS zufolge 70,5 Prozent der 43- bis 65-Jährigen teil, während der Anteil bei den ab 76-Jährigen nur noch bei 18,7 Prozent lag.
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Der Rückgang ist über beide Bildungsformen hinweg konsistent und legt nahe, dass strukturelle Barrieren – etwa gesundheitliche Einschränkungen, fehlende Angebote oder abnehmende Motivation – mit steigendem Alter zunehmen.
Bildungsstand als entscheidender Faktor
Die Analyse zeigt zudem, dass Personen mit hohem Bildungsstand deutlich häufiger an Weiterbildungsangeboten teilnehmen als Personen mit niedrigerem Bildungsniveau. Dieser Zusammenhang gilt als eine der robustesten Erkenntnisse aus der Bildungsforschung generell und bestätigt sich auch in den Daten zum höheren Lebensalter.
Für die Bildungspolitik ergibt sich daraus die Herausforderung, gezielt jene Gruppen zu erreichen, die bislang unterdurchschnittlich von Weiterbildungsangeboten profitieren.
Zusammenhang mit Renteneintritt und Ehrenamt
Besonders aufschlussreich sind die Längsschnittanalysen des DEAS zum Zusammenhang zwischen Weiterbildung und Erwerbsverhalten. Bei 55- bis 59-Jährigen zeigt sich demnach ein positiver Zusammenhang zwischen der Teilnahme an beruflicher Weiterbildung und einer Erhöhung des geplanten Renteneintrittsalters um ungefähr fünf Monate. Weiterbildung könnte also nicht nur die Beschäftigungsfähigkeit erhalten, sondern auch die Bereitschaft fördern, länger im Erwerbsleben zu bleiben.
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Auch außerhalb der Erwerbstätigkeit entfaltet Bildung offenbar Wirkung. Non-formale Bildungsangebote wie Volkshochschulkurse, Workshops oder Vorträge gingen bei Personen mit Ausbildungsabschluss mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einher, ein Ehrenamt neu aufzunehmen. Dieser Befund unterstreicht, dass Bildung im Alter nicht nur der individuellen Weiterqualifizierung dient, sondern auch gesellschaftliches Engagement begünstigen kann.
Datengrundlage
Die zitierten Ergebnisse stammen aus dem Deutschen Alterssurvey (DEAS), einer repräsentativen Quer- und Längsschnittbefragung, deren letzte Erhebung 2023 stattfand. Gefördert wird die Studie vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Die Ergebnisse liefern damit eine empirische Grundlage für die Debatte, die der OECD-Bildungsbericht mit seiner Veröffentlichung anstoßen dürfte – insbesondere mit Blick auf die Frage, wie Weiterbildungsangebote für ältere Erwerbstätige und Rentnerinnen und Rentner künftig gestaltet werden sollten, um sowohl Erwerbsbeteiligung als auch gesellschaftliche Teilhabe zu stärken.
