Weiterbildung, Firmen

Weiterbildung: 87% der Firmen sehen Bedarf, nur 33% planen strategisch

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 03:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz hoher Bedeutung fehlt vielen Firmen eine schriftliche Weiterbildungsstrategie. Der EU AI Act treibt die Digitalisierung voran.

Weiterbildungsstudie 2026: Firmen investieren trotz hohem Bedarf nur zögerlich
Professionelles Bürosetting mit digitalem Tablet und Lernunterlagen für berufliche Weiterbildung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

87 Prozent der Unternehmen halten Qualifizierung für wichtig. Doch nur jeder dritte Betrieb hat eine schriftliche Weiterbildungsstrategie. Das zeigt die TÜV-Weiterbildungsstudie 2026.

Der Wert ist im Vergleich zu 2024 um sechs Prozentpunkte gesunken. Die Investitionsbereitschaft bleibt mau: Zwei von drei Firmen geben weniger als 1.000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr für Fortbildungen aus.

Immerhin: Die Hälfte der Beschäftigten hat drei bis fünf Tage pro Jahr für Weiterbildung zur Verfügung. Die Prioritäten sind klar: 88 Prozent der Befragten halten soziale Kompetenzen für wichtig, 70 Prozent setzen auf digitale Fähigkeiten.

EU AI Act treibt Digitalisierung

Der Bedarf ist da. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zählte im ersten Quartal 2026 rund 1,15 Millionen offene Stellen.

Ein wesentlicher Treiber für die Digitalisierung ist der EU AI Act. Seit Februar 2025 schreibt er KI-Kompetenz vor. Im August 2026 kommen weitere regulatorische Vorgaben. Prognosen des World Economic Forum untermauern den Druck: Bis 2030 werden sich rund 39 Prozent der Kernkompetenzen in der Arbeitswelt verändern.

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Bildungsanbieter reagieren. Die dpa-Akademie bietet ab Oktober 2026 Online-Seminare zur kreativen Unternehmenskommunikation mit KI-Tools. Das VDI Wissensforum hat Management- und KI-Themen für Ingenieure ins Portfolio aufgenommen. Im Juli 2026 erschien eine neue Version der Prozessmanagement-Software ADONIS mit KI-gestützter Textoptimierung.

Führungskräfteentwicklung wird spezifischer

Im Bereich Führungskräfte zeigt sich ein Trend zur fachspezifischen Professionalisierung. Die Gastronomie bietet sechsmonatige Zertifikatslehrgänge mit Fokus auf Kommunikation und Konfliktmanagement. Im Therapiewesen nutzen Ausbildungsprogramme das Vierfarbenmodell nach Jung zur Mitarbeiterführung.

Angehende Führungskräfte setzen auf systemische Führung und Delegation. Erfahrene Projektleiter greifen zu Trainings für komplexe Coachingsituationen und Change-Management. Auch das Handwerk diskutiert moderne Führungskulturen: Die Handwerkskammer Mannheim veranstaltet im August 2026 ein Webseminar zu New Work und Unternehmenskultur.

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Sicherheit und Krisenprävention

Neben der digitalen Transformation rücken Sicherheitskonzepte in den Fokus. Die Europastadt Saarlouis hat im Juli 2026 Fachkräfte für Kinderschutz in städtischen Kitas qualifiziert. Ziel ist die bessere Beratung pädagogischer Teams und die Zusammenarbeit mit Jugendämtern.

Für den Spätherbst 2026 sind Fortbildungen zu notfallpsychologischem Wissen für Krisensituationen geplant. Im industriellen Sektor setzen Unternehmen auf modulare Schulungssysteme. Die DENIOS Academy bietet ein Programm zum Gefahrstoff Manager, das in verschiedenen Stufen vom Basis- bis zum Spezialwissen reicht.

Meister-BAföG als Finanzierungssäule

Wer den Aufstieg zum Industriemeister anstrebt, kann auf staatliche Förderung setzen. Das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) – bekannt als Meister-BAföG – übernimmt 50 Prozent der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren als Zuschuss. Den Rest finanzieren Darlehen, die bei erfolgreichem Abschluss teilweise erlassen werden. Zusätzliche Anreize schaffen regionale Meisterboni der Bundesländer.

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