Weihrauch, Krebs

Weihrauch gegen Krebs: Klinische Studien zur Tumorbehandlung fehlen

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hausmittel und Pflanzenextrakte sind unterschiedlich gut untersucht; Weihrauch ist nicht als Tumortherapie belegt.

Natürliche Hautmittel im Faktencheck: Was belegt ist und was nicht
Nahaufnahme von natürlichen Zutaten wie Haferflocken, Kokosöl, Lavendel und Süßholzwurzeln auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Gereizte, juckende oder entzündete Haut treibt viele Menschen zu vermeintlich sanften, natürlichen Hausmitteln. Von Haferflocken-Kokosöl-Pasten über beruhigende Feuchttücher bis hin zu pflanzlichen Extrakten gegen Pigmentflecken – das Angebot an vermeintlich pflanzlichen Lösungen ist groß. Ein Überblick zeigt jedoch: Wirksamkeit und Beleglage unterscheiden sich erheblich, und nicht jede Empfehlung hält einer genaueren Prüfung stand.

Hausmittel gegen Juckreiz und trockene Haut

Eine häufig genannte Mischung besteht aus fein gemahlenem Hafer, festem kaltgepresstem Kokosöl, Honig und wenigen Tropfen Lavendelöl. Sie soll gegen Juckreiz, Rötungen und trockene Haut helfen, wenn sie 20 bis 25 Minuten einwirkt und anschließend mit lauwarmem Wasser abgespült wird. Wichtig ist dabei ein vorheriger Test an einer kleinen Hautstelle – die Mischung sollte zudem nicht auf offene oder blutende Wunden aufgetragen werden.

Feuchttücher mit pflanzlichen Zusätzen: Werbeversprechen mit Vorbehalt

Anbieter von Feuchttüchern bewerben ihre Produkte häufig mit milden Inhaltsstoffen wie Aloe Vera und Kamille sowie dem Verzicht auf Parabene, Sulfate und künstliche Duftstoffe.

Solche Aussagen stammen jedoch aus der Herstellerwerbung und sind nicht unabhängig belegt, insbesondere nicht für die Eignung bei Ekzemen. Bei neuen Produkten wird generell ein Patch-Test an einer kleinen Hautstelle mit 24 Stunden Wartezeit empfohlen, bevor sie großflächig angewendet werden.

Süßholzwurzel: begrenzte Beleglage bei Pigmentflecken

Süßholzwurzelextrakt gilt als vielversprechend gegen Hautrötungen. Die enthaltene Substanz Licochalcon A wirkt beruhigend, während Glabridin und Liquiritin das Hautpigment beeinflussen sollen.

Allerdings ist die Studienlage dünn: Es existieren nur wenige und kleine Humanstudien, und zwei Untersuchungen zu Licochalcon A stammten von Forschern des jeweiligen Produktherstellers, wobei eine davon ohne Kontrollgruppe auskam.

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Eine Studie mit 20 Frauen mit Melasma verglich eine zweiprozentige Liquiritin-Anwendung über vier Wochen, eine Tierstudie untersuchte eine 0,5-prozentige Glabridin-Konzentration. Für die Behandlung von Pigmentflecken gelten Wirkstoffe wie Azelainsäure, Tranexamsäure sowie konsequenter Sonnenschutz als deutlich besser belegt.

Weihrauch gegen Tumore: ein Mythos hält sich hartnäckig

Besonders hartnäckig ist die Behauptung, Weihrauch oder Weihrauchöl könnten Krebstumore behandeln. Ein Faktencheck stellt klar: Klinische Studien zur alleinigen Behandlung von Tumoren mit Weihrauch existieren nicht, und in der EU ist kein Medikament mit Boswelliasäuren zugelassen.

Eine vorklinische Studie der Universität Leicester aus 2013 zeigte lediglich im Labor, dass eine Boswelliasäure-Komponente Eierstockkrebszellen abtöten kann – klinische Studien an Patientinnen folgten bislang nicht.

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Auch die kursierende Behauptung, bei 60 Prozent der Patienten seien Schwellungen um 75 Prozent zurückgegangen, beruht auf einer Verdrehung: Die genannten 75 Prozent stammen aus einer Studie von 2011 und bezogen sich auf therapiebedingte Gehirnödeme, nicht auf Tumore.

Bimekizumab als frühe Therapieoption

Auch abseits von Hausmitteln gibt es Ansätze aus der medizinischen Forschung. Bei entzündlichen Hauterkrankungen wie Psoriasis und Hidradenitis suppurativa wird diskutiert, dass eine frühe, immunologisch ausgerichtete Behandlung mit dem IL-17A/F-Inhibitor Bimekizumab die Prognose verbessern und irreversible Schäden verhindern könnte.

Einordnung für Betroffene

Die Bandbreite der genannten Ansätze macht deutlich: Nicht jede pflanzliche oder „natürliche" Empfehlung ist automatisch sicher oder wirksam. Während einfache Hausmittel wie die Haferflocken-Kokosöl-Mischung bei leichten Beschwerden eine sanfte Option darstellen können, bleibt bei Produktversprechen von Herstellern und bei vermeintlichen Wundermitteln gegen ernste Erkrankungen wie Krebs Vorsicht geboten.

Wer unter anhaltenden oder starken Hautentzündungen leidet, sollte sich unabhängig beraten lassen, statt sich allein auf unbelegte Anwendungen zu verlassen.

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