Wechseljahresmittel, Test

Wechseljahresmittel im Test: Alle 17 Nahrungsergänzungen fallen durch

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 19:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Alle 17 Nahrungsergänzungsmittel erhielten schlechte Noten; drei pflanzliche Arzneimittel wurden mit gut bewertet.

Öko-Test prüft Wechseljahresmittel: Mängel bei 23 Präparaten
Verschiedene Nahrungsergänzungsmittel in Pillendosen auf einem Labortisch. Illustration mit AI erstellt.

Frei verkäufliche Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden stehen vermehrt im Fokus von Qualitäts- und Sicherheitsprüfungen. Eine Untersuchung des Verbrauchermagazins Öko-Test, über die am 12. Oktober 2026 berichtet wurde, offenbart erhebliche Mängel bei zahlreichen Produkten.

Insgesamt 23 frei verkäufliche Präparate – darunter 17 Nahrungsergänzungsmittel und sechs apothekenpflichtige pflanzliche Arzneimittel – wurden gemeinsam mit Pharmazeuten der Goethe-Universität Frankfurt eingehend bewertet. Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild über problematische Inhaltsstoffe, fehlende Kennzeichnungen und Wirksamkeitsbelege.

Bedenkliche Zusatzstoffe und fehlende Warnhinweise

Im Zentrum der Kritik stehen insbesondere umstrittene Hilfs- und Zusatzstoffe. In mehreren untersuchten Präparaten wiesen die Prüfer Talkum nach, das von der Europäischen Chemikalienagentur ECHA als wahrscheinlich krebserregend eingestuft wird. Zudem fand sich in einigen Mitteln Titandioxid, obwohl dieser Stoff bereits seit dem Jahr 2022 EU-weit als Lebensmittelzusatzstoff verboten ist.

Neben bedenklichen Substanzen wiesen die analysierten Produkte auch bei den Dosierungen Unstimmigkeiten auf. So lag der Gehalt an Vitamin B6 in den Präparaten über den Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Darüber hinaus fehlte bei 15 der 17 Nahrungsergänzungsmittel mindestens ein von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) oder dem BfR geforderter Warnhinweis.

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Mangelhafte Evidenz und Risiken durch Wechselwirkungen

Auch die Zusammensetzung der Wirkstoffe wirft Fragen auf. Laut Professor Manfred Schubert-Zsilavecz bergen vor allem Kombinationen mehrerer pflanzlicher Extrakte in einem Produkt ein nicht zu unterschätzendes Interaktionsrisiko.

Bei Isoflavon-Präparaten aus Soja oder Rotklee sehen Gutachter auf Basis eines Evidenzberichts des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) einen Nutzen ab einer Dosierung von mindestens 30 Milligramm pro Tag. Vielen der untersuchten Mittel fehlte jedoch eine präzise Angabe dieses Gehalts.

In der Gesamtbewertung schnitten die Nahrungsergänzungsmittel durchgehend schwach ab: Alle 17 Produkte fielen mit dem Urteil mangelhaft oder ungenügend durch. Von den sechs geprüften pflanzlichen Arzneimitteln erhielten drei die Note gut. Die Bestnote sehr gut wurde für die Arzneimittel hingegen nicht vergeben, was die Gutachter mit veralteten Zulassungsstudien begründeten.

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Hohe Verbreitung trifft auf unzureichende Information

Die Testbefunde treffen auf einen Markt mit reger Nachfrage. Laut einer im Auftrag der Plattform Lebensmittelklarheit.de erstellten Studie des Deutschen Lebensmittelverbands nutzen acht von zehn Befragten regelmäßig ein oder mehrere Nahrungsergänzungsmittel. Rund jeder Fünfte vertritt zudem die Ansicht, die Einnahme solcher Präparate gehöre zwingend zu einer gesunden Ernährung.

Gleichzeitig weist der Verbraucherzentrale Bundesverband darauf hin, dass viele Influencer in sozialen Medien die Health-Claims-Verordnung missachten, die gesundheitsbezogene Aussagen und Heilversprechen für Nahrungsergänzungsmittel strikt regelt. Der Verband fordert vor diesem Hintergrund eine strengere Überwachung des Marktes, um Konsumenten vor irreführenden Versprechen und potenziellen Risiken zu schützen.

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