Waymo Ojai: Neuer Sensor-Chip senkt Robotaxi-Kosten um 50%
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 08:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der US-Technologiekonzern Waymo hat auf der Fachkonferenz Hot Chips am 24. August 2026 einen eigens entwickelten Sensor-Fusion-Prozessor für das autonome Fahren präsentiert.
Der in einem 5-Nanometer-Verfahren gefertigte Chip bildet das technologische Fundament für die sechste Fahrzeuggeneration des Unternehmens, die unter dem Namen „Ojai“ firmiert. Die Neuentwicklung zielt darauf ab, die Effizienz der Datenverarbeitung zu steigern und gleichzeitig die Hardwarekosten für Robotaxis massiv zu senken.
Hochspezialisierte Architektur für die Sensor-Vorverarbeitung
Der vorgestellte Prozessor verfügt über eine Chipfläche von 208 mm² und ist in einem 45x45 mm großen FCBGA-Gehäuse untergebracht. Bei einer thermischen Verlustleistung (TDP) von weniger als 75 Watt bietet die Hardware eine Rechenleistung von 160 TOPS bei INT8-Operationen sowie 80 TFLOPS im FP16-Bereich. Für die interne Datenverarbeitung nutzt der ASIC (Anwendungsspezifische Integrierte Schaltung) 64 MB SRAM sowie ein 8 MB großes Registerfile.
Das Herzstück der Architektur bildet eine sogenannte carTPU mit 16 Processing Elements (PEs), die jeweils mit 2 MB SRAM ausgestattet sind und von zwei RISC-V-Kernen gesteuert werden.
Die Speicheranbindung erfolgt über LPDDR5x mit einer Bandbreite von 273 GB/s, während für die externe Kommunikation PCIe Gen5 x8 und 25G Ethernet zur Verfügung stehen. Technisch ist der Chip primär für die Front-End-Vorverarbeitung der Sensordaten zuständig, während die eigentliche Haupt-Inferenz der Fahrlogik auf einem separaten System erfolgt.
Effizienzsteigerung und drastische Kostensenkung
Mit der Einführung der sechsten Hardware-Generation ist es Waymo gelungen, die Anzahl der verbauten Sensoren um 40 Prozent zu reduzieren. Der neue Prozessor verarbeitet die Rohdaten von 13 Kameras, sechs Radarsystemen und vier LiDAR-Einheiten. Dabei unterstützt der Chip drei verschiedene Verarbeitungsmodi für Kamera, Radar und die kombinierte Fusion der Daten.
Während die Kamera-Pipeline über einen HDR-Bildsignalprozessor (ISP) und ein eigenes Demosaic-Verfahren verfügt, kommen für die Radar- und LiDAR-Daten spezialisierte GPUs zum Einsatz.
Die Vorstellung des neuen Ojai-Chips zeigt, wie Waymo die Hardwarekosten pro Fahrzeug von 100.000 auf 20.000 US-Dollar senkt. Für Investoren und Branchenbeobachter bietet unser Report eine detaillierte Kostenanalyse und einen Vergleich der Sensor-Architekturen. Jetzt kostenlosen Analyse-Report anfordern
Die technologische Optimierung schlägt sich deutlich in der wirtschaftlichen Bilanz nieder. Die Kosten für die Hardware der sechsten Generation beziffert das Unternehmen auf 20.000 bis 25.000 US-Dollar pro Fahrzeug.
In früheren Generationen lagen diese Kosten noch zwischen 100.000 und 125.000 US-Dollar, was einer Kostensenkung von mindestens 50 Prozent für das Gesamtsystem entspricht. Bei der Fertigung und Ausstattung des Chips arbeitet Waymo mit namhaften Lieferanten zusammen, darunter TSMC, Nvidia, AMD, Micron, Samsung, Sandisk und Socionext.
Skalierung des Robotaxi-Betriebs und strategische Expansion
Die Ojai-Fahrzeuge, die auf Modellen des Herstellers Zeekr basieren und beim Dienstleister Magna in Mesa (Arizona) integriert werden, befinden sich bereits im Einsatz. Aktuell umfasst die Flotte am Standort Mesa 953 Fahrzeuge, von denen 684 mit der notwendigen Hardware einsatzbereit sind.
Seit dem 25. August 2026 läuft der reguläre Betrieb der Ojai-Robotaxis in den Städten San Francisco, Los Angeles und Phoenix. Weitere US-Metropolen wie Denver, Las Vegas und San Diego sollen folgen. In Clark County (Nevada) liegen bereits Genehmigungen für bis zu 8.000 Robotaxis vor.
Mittelfristig plant Waymo eine Expansion in insgesamt 20 US-Städte sowie den Markteintritt in internationalen Metropolen wie London und Tokio. Das Unternehmen, das im Februar 2026 eine Finanzierung über 16 Milliarden US-Dollar erhielt und mit 126 Milliarden US-Dollar bewertet wird, verzeichnet derzeit etwa 500.000 bezahlte Fahrten pro Woche.
Die Skalierung autonomer Flotten hängt entscheidend von der Hardware ab. Waymo setzt auf einen Multi-Sensor-Ansatz mit LiDAR — während andere auf reine Kamerasysteme setzen. Unser Leitfaden zeigt, welche Technologie sich langfristig durchsetzen könnte und worauf Sie bei Investitionen achten sollten. Leitfaden zur Sensor-Technologie jetzt sichern
In der Fachwelt verteidigte Daniel Rosenband auf der Konferenz den Multi-Sensor-Ansatz gegenüber reinen Kamerasystemen. Er verwies dabei auf die Zuverlässigkeit der LiDAR-Technik, die beispielsweise Fußgänger während eines Sandsturms in Phoenix sicher erkannt habe.
Statistisch liege die Unfallrate der autonomen Flotte, die mittlerweile über 200 Millionen Meilen im vollautonomen Modus zurückgelegt hat, bei etwa einem Drittel des menschlichen Durchschnitts. Als zusätzliches Komfortmerkmal für Fahrgäste integriert Waymo in der neuen Fahrzeuggeneration zudem das KI-Modell Google Gemini.
