Waymo kauft 5.458-Hektar-Testgelände für 220 Millionen Euro
11.06.2026 - 16:52:38 | boerse-global.de
Noch im Juni sicherte sich das Unternehmen ein riesiges Testgelände in Arizona und veröffentlichte eine vielbeachtete Sicherheitsstudie. Doch der Expansionskurs bringt zunehmend Konflikte mit Anwohnern und Stadtverwaltungen mit sich.
Milliardeninvestment in Arizona
Am 8. Juni bestätigte Waymo den Kauf eines 5.458 Hektar großen Testgeländes nahe Surprise, Arizona. Der Deal über umgerechnet rund 220 Millionen Euro war bereits drei Tage zuvor abgeschlossen worden. Das Areal, das zuvor von Automobil- und Technologieunternehmen genutzt wurde, bietet eine Hochgeschwindigkeitsoval, Autobahnabschnitte und eine simulierte Stadtlandschaft auf 115 Hektar. Hier will Waymo seine Fahrsoftware unter kontrollierten Bedingungen optimieren.
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Parallel dazu läuft die Auslieferung eines neuen, kostengünstigeren Robotaxi-Modells namens „Ojai". Es basiert auf Waymos sechster Fahrergeneration und ist mit 13 Kameras, vier Lidar-Einheiten und sechs Radarsensoren ausgestattet. Erste Fahrzeuge sind bereits in Los Angeles, San Francisco und Phoenix unterwegs. Die Produktion im nahegelegenen Mesa ist auf Zehntausende Einheiten pro Jahr ausgelegt.
Neue Maßstäbe für die Sicherheitsbewertung
Am 10. Juni veröffentlichte Waymo gemeinsam mit der TU Delft im Fachjournal Nature Communications ein neuartiges kognitives Modell namens „Reference Driver" (ReD). Es simuliert menschliches Fahrverhalten und Wahrnehmung in den Sekunden vor einem Zusammenstoß. Das Modell berücksichtigt menschliche Faktoren wie Reaktionsverzögerungen und die Filterung von Verkehrsregeln.
Waymo will ReD als Benchmark nutzen, um die Leistung seiner Robotaxis mit menschlichen Fahrern zu vergleichen. In einer Nachanalyse eines Unfalls im Januar 2026 in Santa Monica, bei dem ein Robotaxi ein Kind erfasste, zeigte sich: Das autonome Fahrzeug bremste von 27 auf 10 km/h ab. Das ReD-Modell legt nahe, dass ein menschlicher Fahrer im selben Szenario mit etwa 22 km/h aufgeprallt wäre. Den Forschungscode hat Waymo unter einer akademischen Lizenz veröffentlicht.
Ärger in London und San Francisco
Die technischen Fortschritte können nicht über wachsende Spannungen mit Anwohnern hinwegtäuschen. In London beschweren sich Bewohner einer Sackgasse im Stadtteil Spitalfields seit Mai über nächtliche Ruhestörungen durch Testfahrzeuge. Die Wagen geben beim Rückwärtsfahren laute Warntöne ab. Waymo entschuldigte sich und hat bestimmte Straßen aus der Navigation entfernt. Dennoch plant das Unternehmen, bis September 2026 einen regulären Dienst in London zu starten.
In San Francisco sorgten Robotaxis für Staus in der Tiefgarage eines Luxuswohnkomplexes. Am 11. Juni berichteten Anwohner, dass die Fahrzeuge Einfahrten bis zu 15 Minuten blockierten. Waymo zog daraufhin zahlreiche Wagen aus dem Gebiet ab.
Juristische Hürden in Kalifornien
Auch vor Gericht gibt es Rückschläge. Am 10. Juni lehnte Richter Bradley S. Phillips den Antrag einer Immobilienfirma ab, sich einer Klage zwischen Waymo und der Stadt Santa Monica anzuschließen. Die Stadt will Waymos Nachtbetrieb an zwei Ladestationen einschränken. Anwohner hatten Lärm- und Lichtbelästigung als öffentliches Ärgernis bezeichnet.
Unwetter stoppen Betrieb
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Am 11. Juni setzte Waymo den Dienst in Atlanta und mehreren texanischen Städten – darunter Austin, Houston und San Antonio – vorübergehend aus. Grund waren Überschwemmungen, die die Sensorik der Fahrzeuge beeinträchtigen können.
WM als nächster Großtest
Trotz aller Widrigkeiten bereitet sich Waymo auf einen gewaltigen Nachfrageschub vor: Während der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 will das Unternehmen Transportdienste zu sechs Stadien in Nordamerika anbieten – darunter in Atlanta, Houston, Los Angeles, Miami und der San Francisco Bay Area. Aktuell ist Waymo in elf US-Metropolregionen aktiv und absolviert mehr als 150.000 bezahlte Fahrten pro Woche.
