Waymo in Washington: Protest am 6. Oktober gegen geplante Robotaxis
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Washington D.C. formiert sich Widerstand gegen die geplante Zulassung fahrerloser Mobilitätsdienste. Für den 6. Oktober 2026 haben Gegner des Anbieters Waymo eine Protestkundgebung vor dem Wilson Building angekündigt.
Anlass ist ein Gesetzentwurf des Council-Mitglieds Charles Allen, der den Einsatz autonomer Robotaxis in der US-Hauptstadt auf eine legale Grundlage stellen soll. Bislang müssen autonome Testfahrzeuge im Bundesdistrikt zwingend mit einem menschlichen Sicherheitsfahrer besetzt sein.
Restriktive Vorgaben und politischer Streit
Die von Allen eingebrachte Gesetzesinitiative sieht strenge Beschränkungen für Betreiber vor. Demnach soll die Flottengröße auf maximal 200 Fahrzeuge pro Anbieter gedeckelt werden. Zudem beinhaltet der Entwurf eine Gebühr auf Basis der zurückgelegten Fahrzeugmeilen und verschiebt den Start eines kommerziellen Betriebs auf das Jahr 2028.
Trotz dieser Einschränkungen stößt das Vorhaben auf scharfe Kritik. Die Gewerkschaft SEIU startete eine eigene Anzeigenkampagne gegen eine Zulassung von Waymo. Die Bürgerrechtsorganisation National Urban League äußerte zwar Bedenken, nimmt jedoch nicht an der Kundgebung teil und bezog keine feste Position zu dem Gesetzestext.
Waymo selbst verstärkt seine Präsenz in der Stadt: Das Unternehmen hat bereits eine dritte Adresse in D.C. angemietet und stellt bei einer Genehmigung Investitionen in Höhe von zig Millionen US-Dollar in Servicezentren sowie die Schaffung von Hunderten Arbeitsplätzen in Aussicht. Ratsmitglied Allen erklärte hierzu gegenüber der Washington Post, das Unternehmen habe sämtliche Lobbyisten in der Hauptstadt engagiert.
Zwischenfälle schüren Sicherheitsdebatte
Die Diskussion über die Reife der Technologie wird durch Zwischenfälle im Testbetrieb angeheizt. In Dallas behinderte kürzlich ein Waymo-Fahrzeug die Autokolonne des US-Präsidenten, nachdem der Wagen an einer polizeilich geregelten Kreuzung stehen geblieben war.
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Einsatzkräfte des Secret Service und Polizisten mussten das autonom fahrende Auto schließlich zur Seite schieben. Waymo erklärte dazu, das System habe die Handzeichen des Beamten zwar erfasst, aufgrund einer komplexen Abbiegesituation jedoch Fernunterstützung angefordert; ein entsprechendes Softwareupdate werde in Arizona aufgespielt.
Aus dem Umfeld des Weißen Hauses hieß es daraufhin, der Vorfall belege, dass das System noch nicht bereit für den Verkehr in D.C. sei, wobei auch Sicherheitsbedenken hinsichtlich in China gefertigter Fahrzeuge geäußert wurden.
In Washington testet Waymo seit April 2024 mit Sicherheitsfahrern. Anträge auf Einsicht in Unfalldaten nach dem Informationsfreiheitsgesetz lehnte die Verkehrsbehörde DDOT unter Verweis auf eine Ausnahmebestimmung ab, obwohl die Behörde zur Veröffentlichung verpflichtet ist.
Daten der Bundesverkehrsbehörde NHTSA verzeichneten von Juli 2021 bis dato 15 Unfälle mit autonomen Fahrzeugen in D.C., davon sechs mit leichten Verletzungen und vier mit reinem Sachschaden. Sechs dieser Kollisionen betrafen Waymo, acht Argo AI und eine das Unternehmen Beep. Demgegenüber registrierte die Stadt seit 2021 insgesamt rund 100.000 Verkehrsunfälle mit 236 Toten.
Wachsende Flotten und statistische Bilanz
Waymo verweist zur Untermauerung der Zuverlässigkeit auf eigene Sicherheitsauswertungen. Nach 271 Millionen fahrerlosen Meilen in Atlanta, Austin, Los Angeles, Phoenix und der San Francisco Bay Area meldete der Betreiber 82 Prozent weniger Unfälle mit Verletzungen und 95 Prozent weniger schwere Verletzungskollisionen im Vergleich zu menschlichen Fahrern. Dadurch seien mindestens 841 Verletzungen vermieden worden.
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Das Insurance Institute for Highway Safety kam in einer Studie vom Juli 2026 auf Basis von mehr als 50 Millionen Meilen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Waymo-Fahrzeuge 68 Prozent weniger Unfälle pro Fahrzeugmeile verzeichneten. IIHS-Präsident David Harkey merkte jedoch im Juli 2026 an, dass das derzeitige Meldesystem für eine kontinuierliche Überwachung bei einer großflächigen Expansion nicht ausreiche.
Waymo betreibt mittlerweile fast 4.000 Fahrzeuge in über zehn US-Städten, absolviert wöchentlich rund 2 Millionen autonome Meilen und verzeichnet mehr als 500.000 bezahlte Fahrten pro Woche. Gemäß bundesweiten Meldepflichten meldete das Unternehmen von März bis September 2026 insgesamt 797 Vorfälle, darunter einen tödlichen Unfall in Dallas. Nach jüngsten Starts in Denver, San Diego und Tampa ist das Unternehmen inzwischen in 14 Städten aktiv.
