Waymo in San Diego: Robotaxis belegen Schnelllader, Autofahrer warten bis zu einer Stunde
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn San Diego sorgt der zunehmende Einsatz autonomer Fahrzeuge für wachsenden Unmut bei Besitzern privater Elektroautos. Seit Waymo seinen fahrerlosen Fahrdienst im September 2026 in der kalifornischen Küstenstadt offiziell gestartet hat, besetzen die Robotaxis des Unternehmens vermehrt öffentlich zugängliche Schnellladestationen.
Anwohner und Pendler berichten inzwischen von Wartezeiten zwischen 30 Minuten und einer vollen Stunde, da Ladesäulen über längere Zeiträume durch die autonomen Flotten belegt sind. Bereits Monate vor dem offiziellen Betriebsbeginn waren die Testfahrzeuge im Stadtgebiet gesichtet worden.
Lange Wartezeiten für private E-Autofahrer
Die Belastung der Ladeinfrastruktur trifft private Nutzer unmittelbar im Alltag. So berichtete der Fahrer eines Ford Mustang Mach-E, José Manjarrés, an einer Station mit vier Ladeanschlüssen gleich drei von Waymo-Fahrzeugen belegt vorgefunden zu haben, woraufhin er eine Stunde warten musste.
Ein weiterer Betroffener, Finn Sadler, der einen Audi E-tron fährt, verzeichnete an einer Schnellladestation eine Wartezeit von über 30 Minuten, bis ein Anschluss frei wurde.
Hintergrund der Engpässe ist ein strukturelles Defizit bei der Energieversorgung autonomer Taxiflotten in Südkalifornien. Weil firmeneigene Depots fehlen, weichen die Betreiber auf öffentliche DC-Schnelllader aus und belegen dort mitunter ganze Reihen von Ladeplätzen.
Neben San Diego sind auch Teile der Metropolregion Los Angeles von dieser Entwicklung betroffen. Der Aufbau eigener Ladezentren gestaltet sich langwierig: Durch behördliche Genehmigungsverfahren, Verzögerungen beim Netzanschluss und lange Lieferzeiten für Transformatoren vergehen oft Monate bis Jahre, bis private Betriebshöfe einsatzbereit sind.
Betreiber und Kommunen unter Zugzwang
Die Betreiber der öffentlichen Ladeinfrastruktur verweisen auf bestehende Zugangsregeln. Das Unternehmen EVgo erklärte, dass die Stationen in San Diego prinzipiell allen Fahrern offenstehen und die Robotaxis die Säulen regelkonform nutzen.
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In Metropolen wie Los Angeles und San Francisco stellt EVgo zudem bereits 120 Ladeanschlüsse für Roboter-Fahrzeuge bereit. Der Ladeinfrastrukturanbieter Electrify America, der 13 Stationen in San Diego und mehr als 300 Standorte in ganz Kalifornien betreibt, betonte derweil, keine offizielle Partnerschaft mit Waymo zu unterhalten.
Auf kommunaler Ebene wächst der Druck auf die Politik. Am 14. September 2026 beschloss der Stadtrat von San Diego einstimmig eine Resolution an den kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom.
Darin fordern die Lokalpolitiker mehr kommunale Befugnisse zur Regulierung autonomer Fahrzeuge, den Ausschluss der Robotaxis vom Flughafen San Diego (SAN) sowie die Vorgabe, gewerbliche Ladezentren außerhalb von Wohngebieten anzusiedeln.
Die Stadtverwaltung plant zudem, innerhalb der kommenden 18 Monate über 50 neue Ladestandorte zu schaffen; dort zahlen Robotaxis bisher dieselben Tarife wie reguläre Kunden.
Weitere Kommunen im Süden des Bundesstaats prüfen derweil formelle Satzungen, um die Nutzung öffentlicher Stationen durch kommerzielle Flotten gezielt zu beschränken. In Commerce im Los Angeles County wurden bereits nächtliche Kontrollpatrouillen angekündigt.
Waymo verweist auf geplante Betriebshöfe
Waymo, das aktuell Robotaxis in 15 Städten der Vereinigten Staaten betreibt und dafür auf Modelle wie den Jaguar I-Pace sowie Transporter der Marke Zeekr setzt, verteidigt sein Vorgehen. Das Unternehmen erklärte, Fahrzeuge lüden teilweise in regulären Betriebspausen.
In San Diego und Teilen der LA-Metropole prüfen Kommunen bereits Satzungen gegen gewerbliche Flotten an öffentlichen Säulen. Was Städte heute dürfen, was sie fordern und welche Schritte sich übertragen lassen, steht im kostenlosen Leitfaden für Ladeinfrastruktur-Planer. Leitfaden für Kommunen jetzt sichern
Grundsätzlich priorisiere der Fahrdienst jedoch firmeneigene Depots. Um die Blockade öffentlicher Stationen zu minimieren, setze man eigenes Personal vor Ort ein und versuche, Ballungen zu verhindern. Mit fortschreitender Expansion solle dedizierte Ladeinfrastruktur Vorrang erhalten.
Die Problematik beschränkt sich allerdings nicht auf San Diego: Über soziale Netzwerke werden vergleichbare Engpässe an Ladesäulen auch aus Nashville und St. Louis gemeldet. Zudem hatte die kalifornische Stadt Santa Monica bereits im Jahr 2025 nächtliche Ladevorgänge der autonomen Fahrzeuge wegen Lärmbeschwerden untersagt.
